71. Habsburgerweg

Der Fußweg von der Bergstraße zu den Ibernfluren war nach dem 2. Weltkrieg ausgebaut und besiedelt worden, trug jedoch bis zum Jahre 1973 keine eigene Bezeichnung. Die hier neuerbauten Wohnhäuser blieben der Bergstraße zugeteilt. Der Weg erhielt 1973 den Namen „Habsburgerweg“ womit die Erinnerung an die „Habsburger Herrscherzeit“ (1477-1795) unseres Landes und unserer Heimat wachgerufen werden sollte.

1544 verleiht Karl V. dem „dorp van Eupen“ das Recht, dreimal in der Woche Markt zu halten und zwei freie Jahrmärkte zu veranstalten. Es ist demnach anzunehmen, dass Eupen schon eine rege Industrie- und Handelstätigkeit entfaltet. 1554 wird Eupen als „erstrangiger Ort“ bezeichnet, der wegen seines Wollhandels berühmt sei. Aus dem Jahre 1564 stammt die älteste bekannte kartographische Darstellung eines Eupener Ortsteils. Sie zeigt den „bois d‘Oe“, den Oewald.


70. 271 Jahre alte Bergkapelle

Im Jahre 1983 blickte Leo Kever in seinem „Alt-Eupener-Bilderbogen XV“ auf 271 Jahre Bergkapelle zurück:

Die Bergkapelle zum hl. Johannes Baptist, um Schnittpunkt der Ober- und Unterstadt gehört seit 1872 zur St. Josefs-Pfarre, sie hat aber schon vorher 160 Jahre „gemäß Lage und Bestimmung den damaligen Einwohnern des hiesigen Pfarrbezirks als besonderes Gotteshaus gedient“.

Schon vor dem Bau der Bergkapelle hatten die Anwohner des Bergviertel ihr eigenes, wenn auch sehr kleines Kapellchen; dasselbe war auch bereits mit einer kleinen Glocke versehen. Ein Vertrag vom 12. Juli 1712 zwischen Pfarrer Henreco und den Einwohnern dieses Eupener Viertels vor Notar Düts sah den geregelten Ablauf des Bauvorhabens einer neuen Kapelle vor. Abt Heyendal legte den Grundstein, und nach fünf Monaten Bauzeit stand bereits die neue Bergkapelle. Am 27. Dezember wurde in derselben die erste hl. Messe gelesen. 1727 wurde die Bergkapelle vergrößert und am 24. Oktober 1729 unter entsprechenden Feierlichkeiten wurde die Kapelle nebst Altar zu Ehren des hl. Johannes des Täufers und des hl. Joseph durch den Lütticher Weihbischof Johannes Baptist Gillis konsekriert.

Den Verantwortlichen der Bergkapelle, und ganz besonders den Anwohnern des Bergviertels, kann man bescheinigen, dass sie durch ihren uneigennützigen Einsatz alles tun und selbst kein finanzielles Opfer scheuen, um ihr Gotteshaus in einem Bestzustand zu erhalten.

 

Die zwischen 1884 und 1886 errichtete Kreuzgruppe mit Jesus, Maria und Johannes dem Evangelisten ist ein Werk des Aachener Bildhauers Venth. Venth schuf auch die holzgeschnitzten und bemalten Figuren der Mutter Gottes und des hl. Joseph in der Nisperter Kapelle. Über den Bau der Kreuzgruppe schreibt Pfarrer J.G. Heinen in seiner Pfarrgeschichte: „In den Jahren 1884-1887 wurden an der äußeren Chorwand eine Anlage geschaffen und ein Denkmal der Frömmigkeit errichtet, welche gleichmäßig der Stadt zur Verschönerung wie den Gläubigen zur Erbauung gereichen. Die alte und in Verfall geratene Kreuzgruppe (Maria und Johannes Evangelist auf Holz gemalt) ist durch eine neue, in künstlerischer Vollendung von Bildhauer Venth – Aachen gemeißelt, ersetzt, vor derselben eine durch Mauerwerk gebildete, stilgerecht von steinernen Ecksäulen und eisernen Gitter eingefriedete Terrasse zur Andachsstätte eingerichtet und das Ganze noch weiter ausgestattet bzw. verschönert worden (Kostenpreis ca. 6000 Mark)“.

Dieser schöne Terrassenvorbau mit der Kreuzgruppe, dem kunstvoll geschmiedeten Eisengitter, seinem Baldachin und den Laternen trägt am Postament folgende lateinische Inschrift: „Et figiem Christi, si transis, pronus honora; Non tamen effigiem, sed quem designat, adora“. In der Übersetzung heißt diese Inschrift: „Gehst du vorüber, so ehre gebeugt des Gekreuzigten Bildnis. Nicht indessen das Bild, vielmehr den Gekreuzigten bet‘ an“.

24 Vereine beteiligten sich am 3. Oktober 1886 an der feierlichen Einsegnung durch Pfarrer Richartz; die Festpredigt hielt Pater R. Gossen: Wir predigen Christentum, den Gekreuzigten. Über diese Feier schreibt Pfarrer Heinen: „In dem Vertrauen, dass dies zur Hebung des kirchlichen Lebens nicht wenig beitragen werde, hat Erzbischof Philippus einen Ablass von 40 Tagen für das Beten von drei Pater und Ave bewilligt.“

Inmitten der 1938 durch den Verschönerungsverein errichteten parkähnlichen Anlage mit seinen vielen Polyantharosen und schönen Grünsträuchern erkennt man jetzt schon bei Herannahen die Kreuzgruppe an der Bergkapelle. Sie ladet die Passanten zu einer kurzen Betrachtung und einem Gebet ein.


69. Lothringerweg

Das letzte Flurstück Ibern/Stockberger Weg (Sportplatz FC Eupen) erhielt seine Besiedelung und Straße im Jahre 1976/77. Mit der Benennung „Lothringer Weg“ wurde an eine frühe geschichtliche Vergangenheit erinnert.

Der Name Lothringen (Lotharingen) bezeichnet ursprünglich das ganze Land zwischen Schelde, Rhein, Maas und Saône, das der Karolinger Lothar II. bei der Teilung unter den Söhnen Kaiser Lothars I. 855 als Königreich erhielt. 959 wurde es in Oberlothringen und Niederlothringen geteilt. Niederlothringen umfasste die heutigen Niederlande, Belgien (außer Flandern), Luxemburg und den größten Teil der späteren Rheinprovinz; es wurde bald in selbständige Territorien aufgespalten. Von 855-959 gehörte der Eupener Raum zum Reich Lotharingen; ab 959 zum Herzogtum Niederlothringen. Im Jahre 1101 erfolgte die erste Erhebung des Grafen von Limburg, unseres Landesherren, zum Herzog von Niederlothringen.


68. Brabantstraße

Die dritte neue Straße im Ibernviertel sollte Brabantstraße heißen. Dieser Name erinnert an die Zugehörigkeit unserer Heimat zu Brabant.

Dem Sieger der Schlacht von Worringen (5. Juni 1288), an welcher auch Bewohner des Eupener Landes teilnahmen, Herzog Johann I. von Brabant fiel das alte Herzogtum Limburg und somit auch das Eupener Land zu. Mit Brabant vereint teilte unsere Heimat dessen Geschick und Geschichte bis zur französischen Zeit (1795). In der Zeit von 1300 bis 1418 sollen sich flämische Tuchmacher in Eupen niedergelassen haben. Im 14. Jahrhundert toben auch im Raum zwischen Maas und Rhein Ritterkämpfe. Zu den Unterzeichnern des Landfriedensvertrags vom 5. Dezember 1369 gehören der Herr von Stockem und der Herr des Frambachhofes deren Grenzen im Bergviertel aneinander stoßen. Um die geächtete Raubritterburg Reifferscheid auszuheben, ziehen Aachener, Lütticher und Kölner Einwohner in den Kampf. Fuhrleute und Holzfäller aus Eupen leisten dabei Vorspanndienste.

Im Jahre 1385 nennt die Herzogin Johanna von Brabant und Limburg in einer Urkunde, durch welche sie ihrem Drosten von Limburg und Herzogenrath befiehlt, die verdunkelten Grenzen zwischen dem Limburger und Aachener Gebiete festzustellen, die Einwohner „ihres“ Kirchspieles Eupen und Walhorn „ihre Leute, Mannen und Untersassen“.

Auf dem Ausschnitt aus der Brabantkarte von Jacob Van Deventer aus dem Jahre 1536 erkennen wir den Ortsnamen Eupen am unteren rechten Bildrand.


67. Burgundstraße

Eine andere Straße im neuen Wohngebiet Ibern wurde „Burgundstraße“ benannt, womit an die burgundische Zeit erinnert werden sollte. Im Jahre 1387 kamen die Herzogtümer Brabant und Limburg an das Haus Burgund. Karl der Kühne, Herzog von Burgund, Brabant, Limburg, Luxemburg, Graf von Flandern, Hennegau, Namur und Holland fiel im Jahre 1477 in der Schlacht bei Nancy. Seine neunzehnjährige Tochter Marie von Burgund übernahm das Erbe. Sie heiratete am 19. August 1477 den Erzherzog Maximilian von Habsburg, Sohn des Kaisers Friedrich III. Diese Ehe, in Gent geschlossen, begründete die Macht des Hauses Habsburg. Als Marie von Burgund, die letzte burgundische Herrscherin, 1482 bei einem Ausritt zu Pferde tödlich verunglückte, übernahm Maximilian (der spätere Kaiser Maximilian I.) ihr Erbe. Damit endete für unser Land die burgundische Zeit, und es begann die habsburgische.


66. Maria-Theresia-Straße

1970 galt es drei neuentstandenen Straßen in der „Baugenossenschaftsiedlung“ im oberen Ibernflurgelände, das zum Pfarrbereich St. Josef gehörte, eine Straßenbezeichnung zu geben. Die Behörde, in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein, beschloss Namen aus der geschichtlichen Vergangenheit von Stadt und Land zu wählen. Viele Bürger hegten schon lange den Wunsch, das Andenken der unvergessenen Landesmutter Maria Theresia zu ehren. Mit der „Maria-Theresia-Straße“ im neuen Wohnviertel Ibern erfüllte sich dieser Wunsch. Kaiserin Maria Theresia regierte unser Land von 1740-1780. Ihre Regierungszeit wird zu Recht auch für unseren Ort als eine glückliche Periode bezeichnet. Die Eupener Tuchmanufaktur erlebte dank ihrer umsichtigen Regierungspolitik ihren Höhepunkt.


65. Die Eybornfluren und ihre Besiedlung

Das hochgelegene Wiesenland zwischen Bergstraße und Hisselsgasse, Schulstraße und Judenstraße trug in alter Zeit den Namen Eyborn. In der Sprach- und Schriftentwicklung änderte sich die Bezeichnung in Ibern. Bei der Deutung dieser Flurbezeichnung ist von „Ey, ei, y, ue“ = Wasserstelle und „born“ - Pfuhl, Quelle auszugehen. Im vorliegenden Falle bezieht sich der Name auf die zahlreichen Wiesenpfuhle in diesem Gelände. Der größte Wiesenpfuhl im Flurbereich Eyborn trug keinen Eigennamen, er war einfach „der Pfuhl“ (d‘r Poel, op gene Poel). Wiesenpfuhl und gleichnamiger Bauernhof lagen etwa dort, wo heute das Städtische Stadion am Kaperpberg grenzt.

Von besonderer Bedeutung in der Geschichte unseres Ortes war der sogenannte „Holunderborn“ am Fuße der Eybornfluren gelegen. Durch die stete Zufuhr frischen Grundwassers von den höher gelegenen Eybornfluren und seinem Abfluss zum Bach bot er alle Voraussetzungen für gutes Wasser, woran es in früheren Zeiten in dem Ort Eupen oft mangelte. Da der Holunderborn in den alten Niederschriften öfter als ‚der born‘ bezeichnet wird, verdankt die uralte Borngasse ihm vermutlich ihren Namen. Der Holunderborn, heute ein kleiner Ententeich in den Gärten hinter den Häusern der Borngasse, gab auch dem Gässchen nach „Am Berg“ seinen Namen: Holundergasse.

Die Eybornfluren waren viele Jahrhunderte lang unbesiedeltes Wiesen- und Weideland. Von der Bergstraße her führte ein kleiner Pfad über sie bis zur Hisselsgasse. Bei der Gründung der Haaspfarre bestimmte der Bischof diesen Fußpfad als Begrenzung des neuen Pfarrsprengels zur Hauptpfarre St. Nikolaus hin. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Eybornfluren Bauland. In den Jahren 1951 bis 1955 entstanden die neubesiedelten Straßen „Obere“ und „Untere“ Ibern, die jedoch in der St. Nikolauspfarre gelegen sind. Als in den 1970er Jahren auch eine weitgehende Besiedlung der oberhalb des Fußpfades gelegenen „Eybornfluren“ einsetzte und hier neue Straßen entstanden, mussten diese eine Bezeichnung erhalten.

 

Mettelenfeld

Da mit den bestehenden Straßennamen „Obere“ und „Untere“ Ibern der Flurnamenschatz dieses Gebietes erschöpft zu sein schien, galt es, für die noch hinzukommenden neuen Straßen auf andere Bezeichnungen zurückzugreifen. Es fand sich jedoch im alten Kataster (17.-18. Jhdt.) noch der Name eines Ackerfeldes „auf die Eyborn“. Das Feld dürfte einer Besitzerin mit dem Vornamen Mechthilde gehört haben. Diesen Vornamen sprachen die Eupener mit „Mettele“ aus; und so hieß das Feld „ett Mettelefeld“. Eine neue Straße im Wohnbezirk Ibern/Stockbergerweg erhielt den Namen „Mettelenfeld“.

Fortsetzung folgt...


64. Wappen der Familie Roemer

Gegenüber der Bergkapelle, in Richtung der Bergstraße, befindet sich ein großes Haus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es ist gleichmäßig um fünf Achsen gegliedert und weist zwei Stockwerke auf, die durch ein hohes Satteldach überragt werden.

In der Blausteinfassung des Türrahmens finden wir die Eingangstüre überhöht durch ein Oberlicht, das durch ein kunstvolles schmiedeeisernes Gitter geschützt wird. Im oberen Teile des Türsturzes sind, neben den Anfangsbuchstaben der Namen der Erbauer, IRL (Johann Roemer-Leonards oder -Lamberts) und AMC (?), die heraldischen Möbel des Familienwappens Roemer eingemeißelt: drei Römer, aus dem mittleren ein Baum herauswachsend (abweichende Darstellungen sind bezeugt). Abgerundet wird die geschmackvolle Darstellung durch die Jahreszahl 1739 und seitlich jeweils einer Tulpengirlande.

Die Ahnenreihe der alteingesessenen Eupener Familie Roemer lässt sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. So besaß Jost Roemer einen Teil der Herrschaft Stockem im Bereich der Hufengasse. Eine andere Sippe war im 16. Jahrhundert zwischen Gospert und Favrunbach ansässig. Die Roemer suchten schon zu jener Zeit ihre Gattinnen in begüterten Familien. Viele Eupener Bürgerhäuser wurden durch dieses Geschlecht errichtet. Ein Teil der Familienmitglieder trat zum reformierten Glauben über und manche haben Eupen für Aachen verlassen.

Ein Römer ist ein halb- bis dreiviertelkugeliges gläsernes Trinkgefäß auf einem Schaft mit flachem, breitem Fuß und Nuppen-, Spiral- oder Ringverzierungen. Er dient ausschließlich zum Trinken von Rhein- und Moselwein. Somit handelt es sich um ein sogenanntes redendes Wappen, das den Familiennamen bildlich darstellt. So tragen unverwandte Familien Roemer ebenfalls ein derartiges Trinkgefäß in ihrem Wappen.

Tatsächlich aber hat das Patronym (Nachname) einen anderen Ursprung. Es leitet sich vom niederländischen „roemen“ („sich rühmen“) ab. Zu der Zeit, als die Familiennamen sich herausbildeten, wird es wohl einen etwas prahlerischen Menschen gegeben haben, dem der Beiname „roemer“ beigelegt worden ist, der sich anschließend auf seine Nachkommenschaft übertragen hat. Verständlicherweise verweist man im Familienwappen lieber auf das Weinglas …


63. Karneval im Bergviertel

Um 1850 ist erstmals von Karnevalsumzügen in Eupen die Rede. 1858 ist es der Handwerker-Gesangverein, der einen solchen Umzug organisiert. 1863 werden gleich mehrere Züge gemeldet: Die „Carnevals-Gesellschaft 11“, die in der Gastwirtschaft Börner (Auf‘m Berg) ihr Stammlokal hat, zieht vom Bergviertel aus mit einer „Wunder-Orgel“ durch die Stadt, während die „Carnevals-Gesellschaft aus der Sektion C77“, die im Gasthaus Carbin im Schilsweg tagt, mit wohllöblicher Kelmiser Musik von der Hütte aus über Wirth und Marktplatz zum Schilsweg zieht. Das Ganze wird zum Besten der Armen und der neuen Haas-Kirche veranstaltet. 1859 wird in den Unterlagen der Stadt Eupen bereits ein Gesangverein „vom Berge“ erwähnt. Dieser bemühte sich, „auf christlicher Grundlage gesellige Unterhaltung zu pflegen und den Volksgesang zu fördern“.

Am 30. Juni 1883 gründete sich an der Bergkapelle die „Société chorale en bloc“, die man durchweg als Vorläuferin des heutigen „Berger Block“ bezeichnen darf. „Société chorale“ verweist auf den Chor der Bergkapelle, dem der Verein vermutlich entstammt. Im Jahr 1884 lud sie mittels eines Gedichtes – unter dem Titel „Eupener Fasching 1884“ - alle Mitbürger zu einer Vorbesprechung ein, denn ihr Ziel war deutlich definiert: „Auf, Eupener Bürger! Auf lasst euch erregen, es gilt hier den Eupener Fasching zu pflegen! … Doch soll uns durchaus nichts von außen betören, wir wollen partout unsere eigene Jeckerei hören!“. In der „guten Stube der Witwe Wilhelm Strube“ auf der Neustraße entschloss man sich, einen eigenen Rosenmontagszug auf die Beine zu stellen, den ersten in Eupen nachweisbaren, der immerhin aus 24 Gruppen und Wagen bestand.

1886 führte der Zugweg von Thebaten (Ecke Neustraße/Olengraben) über Bergkapell- und Bergstraße hinunter zur Klötzerbahn und weiter durch die Gospert zum Wirth. Von dort die Schleife über Hook zum Rathaus, über Pavee- und Kirchstraße zur Neustraße, über Olengraben hinunter zur Haas, um im Schilsweg zu enden.

Gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts verliert sich die Spur des Vereins. Immerhin zogen im Zug von 1900 noch die ehemaligen „Blockberger“ als Gruppe mit. Vermutlich ist der Verein in der Karnevalsgesellschaft „Löstige Grömele“ aufgegangen, die viele Aktive aus dem Bergviertel zählte.

 

Zwischen den Kriegen herrscht der Straßenkarneval im Bergviertel

Auch in der Folgezeit erhielt der Oepener Fastoovend vom Berg starke Impulse. In den 30er Jahren beteiligten sich die Berger rege am Fastnachtstreiben in der Unterstadt: Das Viertel verwandelte sich nacheinander in ein Zigeunerlager, ein Hafenviertel, eine Mühle und in ein Bauerndorf.

1934 fand sich eine Gruppe von Anwohnern des Bergviertels zusammen, um im Schatten ihrer Johannes-Baptist-Kapelle eine Karnevalsfeier zu organisieren. Dem Neubeginn war ein großartiger Erfolg beschieden, doch zur Bildung einer offiziellen Gesellschaft kam es nicht.

1935 verwandelt sich die Unterstadt an Rosenmontag in ein großes Zigeunerlager: Wäsche wird über die Straßen gespannt. Es wird an offenen Feuern gekocht und kräftig gesungen. Der Straßenkarneval lodert förmlich auf.

1936 rief die Interessen-Gemeinschaft Unterstadt dazu auf, ihre Straßen und Wege mit Schiffen und Dampfern in eine „schwimmende Hafenanlage“ umzumodeln. Das Bergviertel beteiligte sich rege daran. Es wimmelt von schunkelnden Matrosen. Flaggen werden gehisst und Leuchttürme errichtet. Auf offener Straße werden Schiffstaufen gespendet und Schiffsbrüchige gerettet. Die Eindrücke dieser Tage fanden 1948 ihren Niederschlag in der Komposition „Et Wäserscheff“ aus der Feder von Leo Brossel und der Musik von Hans Reinertz.

Zu Karneval 1937 feierte man im Bergviertel zwischen prachtvoll ausgeschmückten Häusern eine prunkvolle Bauernhochzeit. Mitten im Streit zwischen oberstädter und unterstädter Karnevalisten passierte der Oberstädter Rosenmontagszug im Sinne guter Nachbarschaft das Bergviertel. Der Haasberg bleibt eine Grenze, die respektiert werden will: am Olengraben bauen die Unterstädter für alle sichtbar eine Barriere auf. Nach einer kurzen Schleife über Bergkapell- und Judenstraße trifft der Zug wohlbehalten im Wirth ein.

 

Die Gründung des Berger Block

Nach dem Kriege bildete sich am Berg eine Karnevalsgruppe, die 1947 am ersten improvisierten Umzug teilnahm. Daraus erwuchs die Idee, eine reguläre Karnevalsgesellschaft zu bilden. Am 11. August 1949 gründeten Hubert Ortmann, Franz Baumgarten, Heinrich Dohm, Hubert Körner, Rudolf Louis, Johann Ervens, Nikolaus Förster, Robert Clooth, Mathieu Mertens und Mathieu Becker aus dem „Berger-Block“ die KG „Berger-Block Eupen 1949“. Erster Präsident war Joseph Jacobi. Für den Rosenmontagszug bastelten sie an einer riesigen Mondrakete, die vom Prinzen Joseph II. feierlich enthüllt und mit Pferdegespannen durch die Stadt gezogen wurde. Mit ihrer ersten Kappensitzung hatten sie einen durchschlagenden Erfolg. Bis heute ist die Prunksitzung des Berger Blocks im Saale Bosten ein Leckerbissen für alteingesessene Fastoovendsjecke. Denn bei den Bergern legt man seit jeher Wert darauf, die Bütt nur mit eigenen Leuten zu bestücken. Bis heute ist der Berger Block so etwas wie die Seele des Bergviertels.

 

Ein Denkmal für den Karneval

1957 soll dem Karneval ein Denkmal gesetzt werden. Die vom Bildhauer Joseph Braun geschaffene Clownfigur soll laut Stadtratsbeschluss am oberen Rotenberg aufgestellt werden, dort sei die geographische Mitte zwischen Ober- und Unterstadt. Die Narren lehnen den Plan vehement ab und plädieren für einen Standort an der unteren Bergstraße.


62. Die Wappen an der Bergkapelle

Auf dem Höhenzug gelegen, der Ober- und Unterstadt voneinander scheidet, steht die Kapelle St. Johannes der Täufer auf dem Haasberg. Es handelt sich um ein einschiffiges Bauwerk aus Sandbruchstein mit drei Jochen. Im 19. Jahrhundert wurden neoromanische Anbauten getätigt, wie beispielsweise der heutige Haupteingang. Über diesem letzteren befinden sich zwei in das Mauerwerk eingelassene Wappensteine:

  • Schuyl von Walhorn: in Rot ein von je drei Amseln begleiteter Rechtbalken, alles golden.
  • von Berghe genannt Trips: von Silber, schwarz gegittert, und Rot je drei quergeteilt.

Es handelt sich um steinerne Andenken an die Eheleute Wilhelm Heinrich von Berghe genannt Trips und Franziska Arnoldine Schuyl von Walhorn (1682-1715), nachgelassene Tochter von Michael Heinrich (1638-1682), Herr von Gemmenich, und Anna Michaela von Budier. Es fällt sogleich auf, dass die Wappensteine in verwechselter Reihenfolge stehen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass sie erst 1879 an diese Stelle gesetzt worden sind, als der Eingang zur Kapelle an diese Seite verlegt worden ist.

Wilhelm Heinrich von Berghe (1661-1736), seit 1699 Eigentümer von Schloss Crapoel bei Walhorn, war der Sohn von Adam Christoph, Herr von Noorbeek und Neerlinter, Drost von Herzogenrath. Sein Geschlecht entstammt im 12. Jahrhundert dem Ort Berg bei Terblijt in der Grafschaft Valkenburg (heutige Provinz Niederländisch-Limburg). Durch Heirat im 15. Jahrhundert mit der Erbtochter von Haus Trips bei Geilenkirchen gelangten die von Berghe in dessen Besitz und nannten sich fortan danach. Sie wurden 1829 in den preußischen Grafenstand erhoben.

Nach einem missglückten Versuch der Errichtung einer Kapelle an der Düvelscheid für die Bewohner des Haasviertels war 1712 der Beschluss gefasst worden, eine bereits bestehende, kleinere Kapelle auf dem Haasberg auszubauen. Hierzu wurde auch Baumaterial aus der Düvelscheid wiederverwendet. Mehrere begüterte Anwohner, so Mostert, Salm, Thimus und Müllender, spendeten für die Ausstattung der neuen Kapelle. Es ist davon auszugehen, dass auch die Eheleute Berghe-Schuyl Gelder zum Bau der Bergkapelle beigesteuert haben, weswegen ihre Wappensteine hier angebracht worden sind. Wilhelm Heinrich von Berghe hatte übrigens auch für Walhorn eine Schule gestiftet. Die Schuyl gelangten im 15. Jahrhundert durch Heirat in den Besitz der Herrschaft Vreuschemen zwischen Membach und Baelen. 1584 kaufte Arnold Schuyl, Rentmeister des Herzogtums Limburg, das Lehngut De Portz in Walhorn. Hermann Schuyl war 1598 Drost zu Walhorn sowie Forstmeister des Herzogtums Limburg. 1623 relevierte der zwischenzeitlich nach Brüssel verzogene Arnold Schuyl Schloss und Herrschaft Crapoel und ließ sich dort nieder. Im Jahre 1654 empfing Arnold Schuyl die Herrlichkeit Eupen-Stockem aus den Händen des Winand de Vischer, womit die Verbindung der Schuyl von Walhorn mit hiesiger Stadt hergestellt ward. Ein Zweig der Familie Schuyl von Walhorn verzog im beginnenden 17. Jahrhundert nach Herzogenbusch in Nordbrabant, wo ein prächtiger armorierter Grabstein in der dortigen Kathedrale noch stets bewundert werden kann. Nach dem Erlöschen des Geschlechtes in der holländischen Bürgermeisterfamilie Van der Does hat diese durch König Wilhelm I. der Niederlande 1827 die Erlaubnis erhalten, ihrem Namen das Wort „Schuyl“ voranzustellen. Somit wurde neben Kettenis und Eynatten noch ein weiterer uralter Geschlechtsname aus der limburgischen Bank Walhorn am Leben gehalten.


61. Von Goettsche Stiegele bis Stockbergerweg
Wenn die Leute von der Haas früher den Freitagsmarkt im Werthplatz zum Einkauf besuchten oder zur oberstädter Kirmes gingen, dann stiegen sie „d‘r Ässel erop“ (die Edelstraße hoch) und gingen „övver gen Wééje“ dorthin. Ein Fußweg von der Judenstraße durch das Wiesenland zur Hisselsgasse hieß „övver gen Wééje“. In älterer Zeit trug er einen anderen Namen. Im Jahre 1581 wird ein „Goetsche joris huys tot eupen opte jeudestraet“ genannt. Die genaue Lage des Hauses konnte jedoch nicht ermittelt werden. Im Jahre 1614 besaß ein „Lennaert Goetsch aen de steegel op de jeudestraet“ Haus und Hof. Dieser Leonhard Goetsch war einer der ersten Eupener Bürgermeister und im Ort wohlbekannt. Ihm gehörten auch die Wiesen zwischen Judenstraße und Hisselsgasse, und deshalb nannte der Volksmund den Fußweg „Goetsche Stéégele“. Stéégel (Stiegel) war die Bezeichnung für kleine Heckendurchlässe aus Holzpfählen oder Steinen, oft auch Wipp- oder Drehtürchen, die dem Weidevieh den Weg versperrten, den Menschen aber einen Durchgang boten. Im 18. Jahrhundert ging die Erinnerung an den längst verstorbenen alten Goetsch verloren. Neue Eigentümer hatten seinen Hof und sein Wiesenland erworben, und der Fußweg hieß nur noch „övver gen Wééje“. In diesen Wiesen gab es einen Pfuhl, der den Namen Stockborn trug („stock“ = hoch, hochgelegen - „Born“ = Quelle, Pfuhl). Eine der Wiesen im Gelände Judenstraße/Hisselsgasse war ebenfalls Stockborn benannt, und einen Bauernhof an der Hisselsgasse nannte man „op Stockborn“.
Der Eupener dazu veranlagt aus dem Wörtchen „born“ ein „berrech“ zu machen, gab dem Hof und den Wiesen schon bald den Namen „op Stockberrech“ (auf Stockberg). Die meist ortsfremden Katasterbeamten folgten mit ihren Grundbucheintragungen bald nach (Grundbuch 1770 „Stockbergh“). Als nun, um 1920, damit begonnen wurde, den Fußweg von der Judenstraße her zu erbreitern und das Wiesenland zum Bauernland wurde, entstand hier eine Besiedelung. In den dreißiger Jahren begann die Besiedelung der Wiesen an der Judenstraße. Sie vergrößerte sich nach dem 2. Weltkrieg immer mehr, und im Jahre 1962 legte die Stadt an Stelle des uralten Fußweges eine schöne, breite Verkehrsstraße Judenstraße-Hisselsgasse an. Sie erhielt den Namen „Stockberger Weg“, obwohl es nach dem ältesten eigentlichen Flurnamen richtig „Stockborner Weg“ heißen müsste. Das Wiesenland vom Stockberger Weg zur oberen Judenstraße und dem oberen Kaperberg trug früher den Namen „Auf dem Pfuhl“. Ein Wiesenpfuhl bei einem Gehöft an der Ecke Kaperberg gab ihm und dem Hof diesen Namen.

Die Karten aus den Jahren 1777 und 1930 zeigen das ausgedehnte Wiesenland zwischen Bergstraße, Judenstraße und Hisselsgasse, welches nur von kleinen Wegen und Fußpfaden durchbrochen wurde; die Luftaufnahmen lassen neben dem Stockbergerweg die gesamte Erschließung des Ibernviertels erkennen.


60. Jünglingshaus und Jünglingsverein

1814 erblickt Jakob Wintgens als Sohn einer Weberfamilie in Kettenis das Licht der Welt. Auch er wird Weber und lernt die Schattenseiten des Berufs kennen: die, die keine Aufträge erhalten, ertränken ihren Kummer in Schnaps. Er lädt sie ein in seine winzige Wohnung im Schilsweg und erklärt ihnen das Sonntagsevangelium in ihrer Sprache, der Mundart. Der Erklärung folgen einige unterhaltende Spiele. Und sie kommen immer wieder, am Sonntagnachmittag, der einzigen Freizeit der Woche. Und sie bringen auch ihre Freunde mit. Bald schon wird das Gedränge zu groß; Wintgens‘ Wohnung kann die jungen Leute nicht mehr fassen. Wohlgesinnte Gönner verhelfen ihm zu einem ersten Versammlungsraum an der Malmedyer Straße. Dieser wird das erste Vereinslokal des nunmehr entstandenen Jünglingsvereins. Nach Anschaffung einer Fahne beteiligt sich der Verein auch an der Fronleichnamsprozession sowie an den Begräbnissen verstorbener Mitglieder.

Inzwischen hat die Zahl der Hausweber rapide abgenommen. Die Webstühle werden in den Fabriken zusammengefasst. Unruhen und Unzufriedenheit pflanzen sich nun schneller fort, besonders die Wirren der 48er Jahre führen in den Eupener Fabriken vielfach zu Streiks. Der Jünglinsverein blüht. Man geht dazu über, kleine Feste abzuhalten. Im Jahre 1868 zählt der Verein 179 aktive Mitglieder. Mit Hilfe des Lehrers Drouven gründet Wintgens eine Gesangsabteilung. Als das Anwesen an der Malmedyer Straße den Besitzer wechselt, muss ein neues Lokal her. Wintgens fasst den Plan, einen Neubau zu errichten. Er erhält eine Baustelle an der Neustraße zum Geschenk. Geldspenden ermöglichen es schon bald, das große Werk zu beginnen. Die Vereinsmitglieder, mittlerweile 250 an der Zahl, leisten unzählige Arbeitsstunden. Das Heim für die Eupener Jugend ist im Entstehen. 1870 kann der Verein feierlich in sein neues Heim einziehen. Bei dieser Gelegenheit erhält er auch die kirchliche Genehmigung. Es bleibt eine große Schuldenlast, die durch die Gründung einer Casinogesellschaft und den damit verbundenen Schankbetrieb getilgt werden soll. Auch Tanzvergnügen werden nun abgehalten; der Überschuss des Schankbetriebes soll dem Vereinshaus zugute kommen. Als 1874 der Darlehensgeber sein Geld fordert, scheint der Zusammenbruch des Geschaffenen unabwendbar. Doch nun springt Kaplan Adrians, der neue geistliche Berater des Vereins, in die Bresche. Unter vielen Mühen gelingt es ihm, bei der Bevölkerung 190 zinsfreie Aktion zu je 10 Talern unterzubringen. Nach dem Tode Wintgens‘ am 24. Juni 1875 trägt seine Saat hundertfältige Frucht. 1899 wird der große Festsaal seiner Bestimmung übergeben. Vom Berliner Komitee für die Pariser Weltausstellung 1900 kommt eine Einladung, in der deutschen Abteilung für Jugendpflege auszustellen. Der Eupener Jünglingsverein, sein Vereinshaus, seine Statuten und Einrichtungen werden mit dem ersten Preis und der Goldmedaille ausgezeichnet.

1912 feiert der Katholische Jünglingsverein sein 75jähriges Jubelfest, verbunden mit Fahnenweihe. Er ist der älteste Jünglingsverein des Rheinlandes. Vom 19. bis 23. August werden im großen Saal des Jünglingshauses Exerzitien für die gesamte männliche Jugend der Stadt abgehalten. Am 25. August führt ein Festzug von der St. Josephs-Pfarrkirche durch die Stadt. Im großen Saal gelangt zur Aufführung „Der Friedensengel“, ein Schauspiel in 5 Akten.

Der Weltkrieg 1914-18 bringt das Vereinsleben zum Erliegen. Doch kaum ist der Krieg beendet, erstarkt der Verein wieder. Unter seinem Präses Kaplan Jean Arnolds begeht er 1937 glanzvoll sein 100jähriges Bestehen. Nach Kriegsende wird die Tätigkeit des Vereins nicht wieder aufgenommen, weil die geistliche Behörde ihm ihre Genehmigung versagt. Das Haus aber, das Jakob Wintgens mit Hilfe der ganzen Bevölkerung für die Eupener Jugend gebaut hat, wird immer an ihn erinnern.

In einer wechselhaften und von Geldnöten geprägten Geschichte konnte das Haus, mit finanzieller Hilfe der Eupener Bevölkerung, bis in die 60er Jahre vom Jünglingsverein verwaltet werden. Nach dieser Zeit übernahm die Christliche Krankenkasse die Vereinsschulden und richtete im Erdgeschoss des Vorderhauses ihre Büroräume ein. Ab 1980 übernahm das Kulturelle Komitee der Stadt Eupen nach einer ersten Renovierung in Eigenregie den Saalbetrieb. In zwei weiteren Umbauphasen 1992 und 1995 - mit Subsidien der Deutschsprachigen Gemeinschaft und der Stadt Eupen - entstand so das heutige Kulturzentrum "Jünglingshaus".


59. Die Entwicklung der Neustraße

Schon im Jahre 1834 wurde durch Herrn Bürgermeister v. Grand Ry und Fabrikant Hüffer der Bau einer Straße von Montjoie (heute Monschau) übers Venn nach Eupen in Vorschlag gebracht. Die Verhandlungen mit der preußischen Regierung gestalteten sich jedoch äußerst schwierig. Erst im Frühjahr 1844 konnte mit dem Bau der Straße begonnen werden, für den die Stadt Eupen bedeutende finanzielle Opfer gebracht hatte. Beim Bau der Staatsstraße Eupen-Montjoie 1844/46, die am 10. Mai 1846 feierlich dem Verkehr übergeben wurde, beschloss man ebenfalls den innerörtlichen Verkehr von Eupen „am Berg“ nach Eupen „aunder gen Haas“ zu erleichtern. Er erfolgte bis dahin über die Bergstraße und den Haasberg, wobei große Höhenunterschiede zu überwinden waren. Bedenkt man, dass damals die Bergstraße in Höhe der Häuser Gut Looten einerseits und der Häuser „Ehrenbreitstein“ andererseits verlief, kann man sich ein Bild vom damaligen Fuhrverkehr machen. Obwohl man 1845 durch einen Geländeeinschnitt die Straße hier tiefer legte (und die jetzigen Verhältnisse schuf), bliebt man bei dem Projekt, seitlich von der Bergstraße, über die Lootenfluren hinweg eine neue Straße mit weniger Steigung anzulegen. Das Projekt wurde wie gesagt, im Rahmen des Straßenbaus Eupen-Montjoie verwirklicht, und die neue Straße über die Lootenwiesen trug zunächst auch als ein Teil jener staatlichen Fernstraße den Namen „Staatsstraße Eupen-Montjoie“. Noch nachdem der Eupener Bauunternehmer Vandenesch begann, zu beiden Seiten der Straße Häuser zu bauen, heißt es: „an der Montjoier Staatsstraße“. In den 1860er Jahren lesen wir noch in der Eupener Zeitung „Correspondenzblatt für den Kreis Eupen“: „im Hause X an der Staatsstraße Eupen-Montjoie ist eine Wohnung zu vermieten“. Für die Eupener und ihre Volkssprache war das natürlich ein umständlicher Name. Sie benannten die neue Straße, schon allein von der Tatsache her, dass über diese Wiesenfluren nie ein Weg geführt hatte „d‘r nöje we‘ich“ (der neue Weg). Die alte, im Volksmund entstandene Bezeichnung „nöje Weich“ blieb auch dann noch bestehen, als 1873 der Straße der Name Neustraße gegeben wurde. Sie durchschnitt namentlich die Wiesen des The‘Losen‘schen Gutes „Looten“. Sie bot daher auch eine günstige Gelegenheit zur Erbauung von Wohnhäusern. Es hat aber sehr lange gedauert, ehe diese Gelegenheit ausgenutzt wurde. Zunächst wurde das Gelände zu einer frühen „Industriezone“, zu einer Zeit als es diesen Begriff noch gar nicht gab.

An der neuen Straße erwarb der Maschinenfabrikant Peter Wilhelm Kirfel ausgedehnte Grundstücke und erbaute dort um 1845 zunächst ein Eisengießerei (sie ging später in den Besitz von Johann Wintgens über), die aber noch in ziemlicher Entfernung von der Straße lag. Dann aber erhielt er 1850 die Erlaubnis zur Errichtung eines mehrstöckigen Fabrikgebäudes am Rand der Straße. Nach Fertigstellung betrieb er dort eine Maschinenfabrik. Es ist uns heute unvorstellbar, dass eine solche Genehmigung erteilt werden konnte. Aber zu dieser Zeit war die Neustraße ja noch ein Feldweg. Erst als die Straße fast vollständig umbaut war, häuften sich die Beschwerden gegen die Maschinenfabrik, die nun Fecken & Kirfel hieß. Die Firma verlegte bald ihren Sitz nach Aachen. Im Jahre 1883 übernahm die Papierhülsenfabrik Lonhienne die Gebäude. Aber bereits im Jahre 1885 begann der Umbau eines Teiles der Fabrik zu den Wohnhäusern 39-49. Im Jahre 1889 ersucht Gustav Spangenberg um die Genehmigung in den Restgebäuden eine Weißgerberei einzurichten, die ihm aber nicht erteilt wird. Im Jahre 1896 erhält Joseph Derousseaux die Erlaubnis zur Errichtung einer mechanischen Weberei im ersten Stock des Gebäudes. Nach Inbetriebnahme folgten massive Beschwerden der Nachbarn. Nicht etwa wegen des Lärms der Webstühle, sondern „über das Puffen des Gasmotors!“. Im zweiten Stock etabliert sich um 1900 die Rheinische Möbelfabrik Kirfel & Kaiser, doch auch sie besteht nicht lange an dieser Stelle. Letzter Benutzer des Fabrikgebäudes war die Firma Peter Bourseaux & Söhne, die hier mit der Fabrikation isolierter Drähte und Spindelschnüren begann. Im Jahre 1909 ließ Caspar Franken den letzten Teil der Fabrik zu Wohnhäusern umbauen. Heute erinnert nur noch die Rückseite der Wohnhäuser daran, dass sie aus einem Fabrikgebäude entstanden sind.

Schon 1869 hatte der Drucker und Verleger Jacob Wehren den Versuch gestartet; in Eupen eine neue Zeitung zu etablieren, die „Eupener Zeitung, Organ für Politik, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft“. Das Blatt wurde zunächst bei Carl Julius Mayer in der Borngasse 31 gedruckt. Im September 1872 stellte das Blatt sein Erscheinen wieder ein. Die letzten Ausgaben waren in Wehrens an der Neustraße 177/2 ansässigen Verlag herausgegeben worden. Bereits am 12. Oktober 1872 zeigte sich, dass die „Eupener Zeitung“ weitergeführt werden sollte. Die Zeitung, deren Expedition sich in der Neustraße 174/12 befand, sollte bis 1917 erscheinen. Eucharius Corman, der die „Eupener Zeitung“ im Oktober 1872 übernommen hatte und sich im Mai 1875 ins Privatleben zurückgezogen hatte, um sich als Buchhändler zu betätigen, rief 1901 die Wochenschrift „Die Eifel und ihre Nachbargebiete“ ins Leben. Diese Wochenschrift wollte den Fremdenverkehr in Wort und Bild fördern. Die Zeitung wurde von Carl Braselmann in der Eupener Neustraße 18 gedruckt. Bis 1904 fungierte die Corman‘sche Buchhandlung als Verleger, dann zeichnete Heinrich Amedik, der die Buchhandlung an der Neustraße 27 nach Cormans Tod übernommen hatte, als Herausgeber verantwortlich. 1905 ging das Blatt ein.

1876 wurden zwei neue Schulgebäude erbaut, eins auf der Neustraße für evangelische Kinder und ein anderes für katholische Schüler auf dem Gelände des ehemaligen Kreisgefängnisses an der Aachener Straße.

Im bergigen Eupen findet man gewöhnlich eine oder auch mehrere Wirtschaften am Fuße einer Steigung. Sie stammen noch aus den Zeiten, als die Fuhrleute mit ihren schwer beladenen Wagen die Straßen hinauffuhren und dabei ihren Pferden und nebenbei sich selber eine Ruhepause und Erquickung gönnten. Auf der Neustraße war diese meist dreifacher Art: zu Beginn, in der Mitte und am Ende der Steigung. Auf jeder dieser Stationen labte sich der Fuhrmann mit gewöhnlich mehreren Gläschen „Weißem“, die vor 1914 nur 5 Pfennige kosteten.

Um die Jahrhundertwende gab es auf der ganzen langen Neustraße, die zur Bergseite noch von Weidewiesen eingesäumt wurde, nur ein einziges Geschäft: Photograph Laue, der Vorgänger von Photograph Franken.

Der Grundstein zum Eupener Kabelwerk wurde um die letzte Jahrhundertwende gelegt, als die Brüder August und Carl Bourseaux, die unter der Firma „Peter Bourseaux & Söhne“ eine schon seit 1747 in Eupen bestehende Seilwarenfabrik betrieben, die Fabrikation isolierter Leitungen in kleinem Umfang aufnahmen. Der Absatz dieser elektrischen Leitungen stieg mit der zunehmenden Ausdehnung der Elektrizität, so dass die in der Seilwarenfabrik zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten und eine Trennung der beiden Fabrikationszweige vorgenommen werden musste. Die Leitungsdrahtfabrik wurde in ein größeres Fabrikgebäude, den sogenannten Kirfelschen Bau an der Neustraße, verlegt. 1908 wurde ein großes, im Pang gelegenes Gebäude erworben und 1909 wurde für die Leitungsdrahtfabrik eine neue Firma gegründet, welche den Namen „Kabel- und Gummiwerke Eupen“ annahm.


58. Der schreckliche Brand an der Judenstraße

Am Sonntag, dem 6. Januar 1867, riss das Sturmgeläut aus dem Türmchen der Bergkapelle die Nachbarn aus dem Schlaf. Fast gleichzeitig ertönten die Hörner der Nachtwächter und verkündeten den Ausbruch eines Brandes. Das Eckhaus Nr. 948 an der Judenstraße, das heute die Nummer 9 trägt, brannte lichterloh, noch weiter angefacht durch einen gewaltigen Sturmwind. Haushohe Flammen und Funkengarben stiegen aus dem brennenden Haus in den Himmel. Die Nachbarn aus weitem Umkreis des Hauses eilten zur Hilfe herbei, wohl wissend, dass sich dieser Brand, durch den herrschenden Sturm, leicht auf das ganze Bergviertel ausdehnen konnte. Dennoch verging geraume Zeit bis zum Beginn der Löscharbeiten. Durch den herrschenden starken Frost waren die beiden wichtigsten Wasserstellen der Umgebung, der „Bernesch-“ und der „Heinens-Pfuhl“ so stark zugefroren, dass auch ein Aufhacken keinen Erfolg brachte. Zwei Brunnen in der Nachbarschaft waren im Handumdrehen leergeschöpft. Zudem hatte sich die Stadtverwaltung, trotz jahrelangen Herumredens, bisher nicht zu der Aufstellung einer schlagkräftigen Feuerwehr entscheiden können.

So waren die vielen Helfer zur Untätigkeit gezwungen, obwohl Spritzen und Feuerleitern an der Bergkapelle bereit standen. Endlich, gegen 7 Uhr – als kaum mehr etwas zu retten war – kam eine geringe Menge Wasser. Der Fuhrmann Heinrich Nahoe hatte in der Nähe des Waisenhauses ein gefülltes Wasserfass aufgetrieben und brachte es zur Brandstelle, wo es im Handumdrehen mit Brandeimern leergeschöpft wurde, doch war zu diesem Zeitpunkt das Haus beinahe völlig niedergebrannt. Nur das Feuer am Dachstuhl des angrenzenden Hauses konnte gelöscht werden.

Schnell verbreitete sich die Schreckensnachricht, dass der Hausbesitzer, Landwirt Franz Notai, und sein jüngster Sohn in den Flammen umgekommen seien. Lesen wir dazu im Bericht des Polizeikommissars Siebels:

„...Der Brand ist durch brennende Kohlen, welche aus einem geheizten Ofen auf die Diele gefallen sind, entstanden… Der Versuch, sich über die Treppe durch die Haustür zu flüchten, misslang, weil die Treppe bereits brannte; sie hatten keinen anderen Ausweg, als durch den mit dem Wohnhause in Verbindung stehenden Heuboden, durch welchen sich zwei Angehörige der Verunglückten, die Ehefrau des Notai und der 24jährige Sohn Victor, sowie ein gewisser Leonard Pelzer mittelst einer Öffnung in den Viehstall und von da aus ins Freie flüchteten. Als die beiden Verunglückten aber sich auf demselben Wege retten wollten, war der Heuboden bereits so mit Rauch erfüllt, dass sie wahrscheinlich durch den Rauch erstickt und von den eindringenden Flammen verzehrt sind...“ Von den Verunglückten wird keine andere Spur gefunden als der Teil eines menschlichen Knochens, der durch Dr. Hirte als zu einem Zehn- bis Elfjährigen gehörig identifiziert wird.

Dieser Bericht, in dem die Flucht über den Heuboden in den Viehstall und von da aus ins Freie beschrieben wird, bedarf einer Erläuterung : Für Häuser, die man in einer Hanglage erbaute, hatte man in Eupen eine Bauweise entwickelt, die gleichermaßen sparsam wie originell war. Diese Häuser hatten keinen Keller. An seiner Stelle entstand hier der Stall, dessen hinterer Teil in den Hang hineingebaut wurde und der an der tieferen Seite einen ebenerdigen Ausgang hatte. Darüber entstand das Wohnhaus, dessen Eingang zum Erdgeschoss sich an einer höheren Stelle des Hanges befand. Von dort aus war auch das erste Stockwerk über die Treppe erreichbar. Das Dachgeschoss diente der Lagerung des Heus, das über eine Luke an der Giebelseite des Hauses eingebracht wurde. Für die spätere Verfütterung wurde das Heu durch einen Schacht im Innern des Hauses direkt in den Stall hinabgeworfen. Dieser Schacht, im Volksmund „Höpiep“ genannt, durchquerte die bewohnten Stockwerke meist in einer Hausecke. So wird verständlich, dass – wie im Bericht angegeben – die Familie, als sie die nach unten führende Treppe nicht mehr benutzen konnte, auf den Heuboden ins Dachgeschoss stieg, um sich von dort aus durch die „Höpiep“ zu retten.

Aus Erzählungen, die wir von alten Anwohnern des Bergviertels hörten, ging hervor, dass sich Frau Notai bei ihrer Flucht durch die Höpiep beim Absprung in den Stall an den Hörnern der verendeten Kühe erheblich verletzt hatte. Weiter hörten wir in diesen Erzählungen, dass der im Feuer umgekommene Hubert Franz Notai wohl wegen seines enormen Leibesumfanges in der Höpiep stecken geblieben sei, seinen kleinen Sohn auf den Schultern. Leuten mit überdurchschnittlichem Appetit gab man damals noch den Rat, diesen Appetit etwas zu zügeln, damit es ihnen nicht einmal gehe wie „Nottiken ä gen Höpiep“.

Nicht nur zwei Todesopfer waren bei diesem Brand zu beklagen. Offenbar hatten auch die Nachbarshäuser unter der Feuerbrunst gelitten. Durch den Brand werden auch einige Arbeiterfamilien obdachlos, für die auf Anregung des Landrates eine Sammelaktion durchgeführt wird.

Der tödlich verunglückte Familienvater, Hubert Franz Notet, der in der Sterbeurkunde als „Handelsmann“ erscheint, hatte sich offenbar zunächst in seinem Haus an der Judenstraße als Gerber niedergelassen, denn im Jahre 1842 stellt er den Antrag, dort eine Lohgerberei einrichten zu dürfen. Die Lage scheint uns zwar etwas eigenartig, aber er hatte wahrscheinlich erkannt, dass auch auf der Höhe des Berges immer ein genügender Wasservorrat für die Ausübung dieses Berufes vorhanden war. In dem diesbezüglichen Gutachten der Kreisverwaltung heißt es u.a.: „...Erlaubnis soll nur erteilt werden, unter der Bedingung, dass die Lohgerberbrühe nicht durch die Senklöcher dringe und so den hinter den Notetschen Hause gelegenen, sehr begangenen Kirchenweg, sowie den daselbst befindlichen öffentlichen Brunnen verunreinige.“

Der Brand und die Schwierigkeiten bei der Bekämpfung hatte die Gemüter der Eupener gewaltig erregt. Der Stadtrat konnte nun die jahrelange Forderung der Bevölkerung und die Vorwürfe der Regierung wegen des Fehlens einer organisierten Feuerwehr nicht länger ignorieren. Schon eine Woche nach dem Brand, am 14. Januar, hatte er die Zusage von acht Eupener Bürgern, die bereit waren, Führungsstellen in der neuen Feuerwehr zu übernehmen. Am 21. Januar erschien die Feuerwehrordnung (von 1860!) in der Zeitung, und am 25. Januar lagen bei der Stadt schon 20 Anmeldungen für die Löschmannschaft vor.

Die Leitern der Sektion C der Eupener Feuerwehr wurden unter einem Schutzdach an der Bergkapelle aufbewahrt. | Foto: C. Laue

 

Das erste Bild hier unten stammt aus dem Jahr 1865, also aus der Zeit kurz vor der Brandkatastrophe.


57. Das Haus Ephata

2018 wird das Animationszentrum Ephata an der Bergkapellstraße sein 25jähriges Bestehen feiern. Das Haus stand bereits im 19. Jahrhundert an dieser Stelle. Ursprünglich im Besitz der Familie Pankert, die wir hier unten auf einer Fotografie sehen, die kurz vor 1900 im winterlichen Kappesgarten hinter dem Haus aufgenommen wurde (vlnr: 1 Nikolaus Joseph (Klaus) Pankert * 1875, Kaufmann, Paveestraße (Porzellan?); 2 Johann Pankert, * 1840 Weber, später Fabrikmeister bei Leonh. Peters, Kaufmann °° 1870 Maria Drouven; 3 Maria Drouven, * 1848; 4 Anna Maria Pankert, 1877-1931 °° 1903 Jacob Hennen (Haasstr.); 5 oder 6 Joseph Pankert, Möbelhersteller?; 7 Netta Pankert ???; 8 Hermann Pankert ,* 1872 Kammstickereibesitzer °° 1903 Coppenneur Maria; 9 Johann Pankert, 1878-1950 Kammstickereibesitzer °° 1909, Becker Maria, Eltern u.a. von Johann Pankert, 1910-2004 Fabrikant, u.a. Atlas Matrazen; 10 Leonhard Pankert, 1874-1958 Kaufmann, Herrenbekleidung am Rathaus).

Das "Haus Ephata" war der Ursprung der Matratzenfabrik Pankert, die von einem auf der Neustraße gelegenen Drahtzug das Material zur Herstellung der Stahldrahtmatratzen bezog. Später (bis Ende der 1970er) war dort der Postkartenverlag Lander. Von dort aus wurde schon im Januar 1971 die Aktion Friedensinseln gestartet, die 2001 ins Animationszentrum Ephata zurückkehren sollte. Bis 1991 wurde das zur Bergkapellstraße gelegene Vorderhaus als Wohnhaus genutzt während die angrenzende Fabrikhalle als Lagerraum der Firma Rom diente. Von 1991 bis 1993 erfolgten umfangreiche Renovierungsarbeiten, zumal das ehemalige Fabrikgebäude durch Brandstiftung arg in Mitleidenschaft gezogen worden war (siehe GE-Artikel unten). Am Wochenende des 13. und 14. November 1993 wurde schließlich das Animationszentrum Ephata feierlich eröffnet.


56. Rückblick auf die Jubiläumsfeiern zum 300jährigen Bestehen der Bergkapelle

Kaum zu glauben, dass es schon wieder fünf Jahre her ist, seit die 300-Jahr-Feiern der Bergkapelle begonnen haben. Wir erinnern an dieser Stelle noch einmal an diese Feierlichkeiten Ende 2012 mit der Veröffentlichung der damals aus diesem Anlass im Grenz-Echo erschienen Artikel-Reihe.


55. Notizen zum Jubiläum der Bergkapelle


54. 300 Jahre Eupener Bergkapelle


53. Geschichten aus dem Eupener Bergviertel


52. Kreuz im Olengraben

Der Abhang von der Bergkapelle zum Olengraben, früher mit wildem Gestrüpp bewachsen, diente ursprünglich der Tuchmacherfamilie Gensterblum zum Aufstellen der Tuchrahmen. Diese Tuchmacherfamilie wird 1827 noch im Haus Haasberg (op gene Balkong) etabliert in den Akten genannt. Sie ist aber seit 1829 in der Haasstraße ansässig und hat sich besonders durch zahlreiche Schenkungen für die St. Joseph-Pfarrkirche beliebt gemacht. Ein Familienmitglied, Fräulein Margarethe Gensterblum, schenkte der Stadt Eupen im Jahre 1902 den Bergabhang, woraufhin diese im Jahre 1905 daraus eine gepflegte Anlage machte.

Bei dieser Gelegenheit ist das im Berg stehende Kreuz auf dem Treppenaufgang neu aufgerichtet worden. Die Stützmauer ist allerdings schon im Jahre 1893 durch die Provinzialverwaltung errichtet worden.

Das schmiedeeiserne Kreuz ist vermutlich ein Gedenkkreuz eines Unfalls vom 5. Juni 1863 am Olengraben, bei dem der Fuhrmann Peter Schouffers zu Tode kam.

Am 5. Juni 1863 ereignete sich um 6.30 Uhr im Eupener Olengraben vor dem Haus Nummer 29 ein Unfall, bei dem der Fuhrmann Peter Schoffers ums Leben kam. Nach diesem tödlichen Karrenunfall ließ die Familie Schoffers im Hang des Haasbergs, am Fußweg zur Bergkapelle, einen Gedenkstein errichten. Leider hatte man es unterlassen, den Namen und das Sterbedatum des Verunglückten darauf zu vermerken. Das Korrespondenzblatt des Kreises Eupen berichtet am 5. Juni 1863: „Heute morgen gegen halb 7 Uhr, hatte im Olengraben hierselbst, ein Fuhrmann das Unglück von seinem mit sechs Pferden bespannten Wagen überfahren zu werden, worauf er bald nachher seinen Geist aushauchte.“

Was war geschehen? Das Gespann des 38-jährigen Fuhrmannes Peter Schoffers aus Weywertz hatte in der Unterstadt übernachtet und wollte anderntags früh mit zwei zusätzlich vorgespannten Kaltblütern den Olengraben hochfahren. Diese Pferde konnten unter der Haas gemietet werden und wurden nach dem anstrengenden Aufstieg an der Pferdetränke im Ortsteil Thebaten ausgespannt und wieder zurück geschickt. In der Mitte des Olengrabens befand sich die Gaststätte von August Cremer. Dort wurde Halt gemacht und nach der üblichen Stärkung an der Theke wurden die Pferde wieder angetrieben. Wie auf einem Foto von 1865 zu erkennen ist, lag die Fahrbahn des Olengrabens damals um einiges tiefer als heute. Zu der Gastwirtschaft führten zwei von Blausteinwangen schön eingefasste Steinstufen hinauf, gegen die Räder der Karren durch zwei Prellsteine geschützt. Beim Antreiben des Gespannes, so die Überlieferung, sei Peter Schoffers ausgerutscht und von dem eigenen Wagen überrollt worden.


51. Kreuze Bergstraße

 

Das Kreuz an der Bergstraße

Selbstverständlich wünschten die Anwohner von „aen den bergh“, wie das Ortsviertel zur Unterscheidung von „op den bergh“ früher geheißen hat, im vorletzten Jahrhundert ebenfalls ihr Straßenkreuz. Sie erhielten es im Jahre 1865, wie die Inschrift im Steinsockel besagt. Und es war ein besonders ins Auge fallendes, großes, markantes Kreuz in einer umrandeten Einfassung auf einem freien Platz vor der etwas zurückliegenden Häuserreihe. Das Kreuz gab auch dem dahinter liegenden Berggässchen seinen volkstümlichen Namen „Baate Herrgottsvott“.

 

Das Kreuz am Berggässchen

Wer noch ein Stückchen „Alt Eupener Ansicht“ sehen möchte, begebe sich in das kleine Gässchen, das hinter der Kreuzanlage bis zur Bergstraße verläuft. Hier findet man noch einige kleine bruchsteingemauerte Häuschen mit kleinen Fenstern und dem Ochsenauge im Oberlicht der steingefaßten Haustüre, wie Eupens Häuser im 18. Jahrhundert aussahen. Hier findet man auch, an ein Häuschen aus dem Jahre 1720 gelehnt, ein schönes Holzkreuz auf einem Steinsockel. Dieses heutige kleine Gässchen hat nicht immer sein jetziges beschauliches Dasein geführt. Bis zur Anlage der „Eupen-Montjoier-Staatsstraße“, in dessen Rahmen die Neustraße angelegt worden ist, war die Bergstraße der einzige innerstädtische Verkehrsweg zwischen Ober- und Unterstadt. Das Gelände wies eine große Steigung auf. Der Höhenunterschied zeigt sich beim Betrachten der Kellersohle der jetzt noch bestehenden alten Häuser beiderseits der Straße bis zum Gutshof Looten und bis zum Eingang des Habsburger Weges.

Die Chronik berichtet: „Waren diese Steigungsverhältnisse schon für Mensch und Zugtier ansonsten schwierig, so mussten bei Regen- und Winterzeit Vorspanndienste in Anspruch genommen werden, um sie zu überwinden.“ Für den unteren Steigungsteil ersannen die Fuhrleute einen Ausweg, sie brachten ihre Vorspannpferde seitlich des Hauptweges auf diesen durch ein kleines Weglein. Dieses Weglein war das jetzige „romantische“ Berggässchen. Ob und wann an diesem Gässchen einmal ein Unglück die Aufrichtung des Kreuzes an der Hauswand veranlasst hat? Die Akten können keine Auskunft darüber geben.

 

Das Kreuz in der Bergstraße

Bartholomäus Schummers, 1829 zu Eupen geboren und seit 1863 mit Magdalena Kaiser verheiratet, war Besitzer einer Ibernwiese, über die der alte Fußpfad auf die Bergstraße stieß. Am 10. Februar 1882 stellt er den Antrag, auf dieser Wiese ein Haus bauen zu dürfen. Es stand aber nun am Ausgang des Fußweges von alters her ein Wegekreuz. Dieser historische Fußweg, der bekanntlich im 17. und 18. Jahrhundert die Laethofgrenze bildete und im 19. Jahrhundert als Begrenzung der Pfarrsprengel St. Nikolaus – St. Joseph bestimmt worden war, mündete hier in die Bergstraße und setzte sich jenseits derselben über die Looten zum Rotenberg fort. Das dürfte wohl der Anlass zur Aufrichtung eines Kreuzes an dieser markanten Stelle gewesen sein. Schummers, der am 17. Februar 1882 die Baugenehmigung ohne die Auflage der Erhaltung des Kreuzes erhielt, war jedoch ein strenggläubiger Mann (Barth. Schummers einziger Sohn Johann, geboren am 13.10.1876 wurde am 15.08.1898 zum Priester geweiht) und ließ darum das Kreuz nicht einfach versetzen oder sogar verschwinden, sondern brachte ein neues, größeres Kreuz am Giebel seines neuerbauten Hauses an. Dieses Kreuz, auf einem Sockel an die Hauswand gelehnt, blieb bis 1981 an seiner angestammten Stelle, obwohl der Hauseigentümer im Laufe der Zeit mehrmals wechselte. Doch an dem Kreuze gingen Zeit und Witterung auch nicht spurlos vorüber, so dass der neue Besitzer, als er dem Haus 1981 eine neue vorgemauerte Ziegelsteinfassade gab, das Kreuz entfernen musste. Er brachte stattdessen jedoch ein anderes Kreuz an die neue Fassade an. Dieses Hauswandkreuz, so der Hauseigentümer, trug den Christuskorpus vom früheren Kreuz auf dem Steinsockel. Inzwischen ist nur noch das Holzkreuz übrig.