2. Woher kommt eigentlich der Name ‚Bergviertel‘?

Dort, wo die Neustraße auf den Olengraben trifft und die Bergkapellstraße mit dem Rotenberg zusammenkommen, hieß es früher : „änn te baate“. Diese alte Bezeichnung für das schon früh besiedelte Viertel bei diesen Straßenkreuzungen war nicht nur im Volksmund gegeben, sondern erscheint auch schon in verhochdeutschter Namensform in den Niederschriften aus dem 17. bis 20. Jahrhundert (1622 „Batenberch“, 1725 „die Baten, Batenberg“, 19. Jahrhundert „in Thebaaten, Thebaten“). Was bedeutet diese eigenartige Bezeichnung?

Unsere Vorfahren gaben schon in frühester Zeit der Erhebung , die den ursprünglichen Ortskern (die Oberstadt) vom Ortsgebiet „unter der Haas“ (die Unterstadt) trennte die einfache Bezeichnung „der BERG“. Sie benannten die Ortslage an seinem Fuße „a gene Berrech“ (Am Berg), den höher gelegenen Teil „op gene Berrech“ (auf dem Berg). Aus ihrer Sicht lag demnach das Ortsviertel der unteren Bergkapellstraße und des oberen Rotenbergs „Hinter dem Berg“. Sie brachten das mit der Benennung „Baate gene Berrech, d‘r Baate, Thebaaten, Batenberch“ zum Ausdruck. Wir sehen, die Ortsviertelbezeichnung „Te Baaten“ ist gar nicht so eigenartig!


24. Heute ein paar Aufnahmen aus den 'Kindertagen' des Bergviertels...


44. 275-Jahr-Feier Bergkapelle

Vor 30 Jahren wurde das 275jährige Bestehen der Bergkapelle mit einem großen Viertelfest gefeiert. Am 4. Oktober 1987 traf man sich zum Bergerfest rund um die Bergkapelle und auf dem Gelände der französischen Schule. Viele ältere Anwohner werden sich noch gerne daran erinnen, sicher beim Lesen des Artikels aus dem Grenz-Echo hier unten...


50. Die Entwicklung des Quartiers Berg und Haas

In der Geschichte unserer Stadt erscheint die Herrlichkeit Eupen seit ihrem Bestehen als eine den ganzen Ort umfassende Einheit. Nur bei der Wahl der Bürgermeister finden wir eine Aufteilung in drei Wahlbezirke. Sie erscheinen in den Akten manchmal als Quartiere, manchmal auch als Kompanien oder Kapitänschaften. In jedem Quartier wurden zunächst neun Bürger, die sogenannten Neunmänner, gewählt. Die Neunmänner der drei Quartiere wählten dann unter sich die vier Bürgermeister unserer Stadt.

In der Oberstadt finden wir die Quartiere Kirchstraße und Gospert. Beide gehen in ihrer Begrenzung vermutlich auf die alten Lat- oder Lehenshöfe zurück. Das Quartier Kirchstraße dürfte aus dem Stockem-Eupener Lathof, das Quartier Gospert aus dem Frambacher Lathof entstanden sein.

Anders ist es mit dem Quartier Berg und Haas. Der dritte Eupener Lathof, St. Marien, war nur zu einem kleinen Teil auf dem Gebiet Eupens gelegen. Er umfaßte einen großen Teil des Grundbesitzes in der Gemeinde Membach und reichte in einer auslaufenden Spitze bis an das Eupener Bergviertel heran. Zu ihm gehörten, die Bergstraße hinaufgehend, die Häuser auf der rechten Seite, vom Gut Looten angefangen bis zur Bergkapelle, dann weiter auf der rechten Seite die Bergkapellstraße abwärts bis zum Rotenberg. Die linke Seite der Bergstraße ab Iberngasse und das ganze übrige Bergviertel gehörten nicht zu einem Lathof, sondern zum Gebiet des Hertogenwaldes, der in frühesten Zeiten wohl bis hierher gereicht hat. Der Hertogenwald war seit Bestehen des Herzogtums Limburg herzoglicher Besitz und nicht als Lehen vergeben. So kam es, dass die Ansiedler in diesem Gebiet ihre Siedlungserlaubnis direkt vom Herzog erhielten und auch nur ihm gegenüber abgabepflichtig waren.

Der Bach, der seit 2017 vor dem Haus Bergstraße 19 wieder sichtbar geworden ist, bildete einst die Grenze zwischen den Sektionen A (Kerckstraet) und B (Bergviertel). Das wurde erst 1873 geändert, als die Stadtverwaltung beschloss, die Straßen der Stadt genau zu begrenzen, mit Namensschildern zu versehen und die Nummerierung der Häuser straßenweise durchzuführen.

Allmählich dehnte sich das Bergviertel nach Süden aus und auch die Abhänge zur Unterstadt wurden nach und nach besiedelt, bis schließlich die Ansiedlung die Talsohle, die Haas, erreichte. Ein Blick auf eine Militärkarte aus dem Jahre 1762 gibt uns eine Vorstellung von der Entwicklung des Bergviertels im Laufe der Jahrhunderte. Die Karten hier unten stammen aus den Jahren 1762, 1777, 1803, 1850, 1930 und heute und zeigen dass sich das Bergviertel lange Zeit auf Am Berg, Bergstraße, Tebaten, Bergkapelle, unterer Teil der heutigen Judenstraße und Haasberg beschränkte. Aus dem Jahr 1930 stammt auch eine der ältesten Luftaufnahmen der Stadt. Man erkennt am oberen Bildrand, dass das heutige Ibernviertel noch gänzlich unerschlossen ist.

Über die Entstehung des Namens Haas gibt es keine gesicherten Angaben. Wir neigen dazu, diesen Namen aus der ursprünglichen Beschaffenheit des Geländes herzuleiten. Der Ortsname Haas weist auf ein Gelände an einem Hang hin, das mit niederem, gestrüppartigem Pflanzenwuchs bestanden ist. So können wir uns auch den Haasberg in ältester Zeit vorstellen. Der Bergabhang, den wir heute unter dem Namen Haasberg kennen, hieß in früheren Zeiten einfach „die Haas“.

Erst nachdem die Bedeutung des Namens verloren gegangen war, nannte man es Haasberg und verdoppelte damit unbewusst den Begriff.


53. Geschichten aus dem Eupener Bergviertel


56. Rückblick auf die Jubiläumsfeiern zum 300jährigen Bestehen der Bergkapelle


93. Brunnen im Bergviertel

Im Jahre 1833 berichtet Bürgermeister von Grand Ry dem Landrat, Herrn von Scheibler, dass die Stadt bereits vier öffentliche Pumpen und zwei laufende Fontänen hat, die eine auf dem Marktplatze, die andere auf der Klötzerbahn.

1840 sind bereits zwölf Brunnen oder Pumpen in Betrieb: am Berg, hinter den Häusern von H. Lecomte, im Wirth, am Berg, oberhalb der Wwe. Reul, in der Holundergasse, in Tebaten, im Haasberg bei Havenith, auf dem Kaperberg bei Dessonay, in der Hisselsgasse, in der Borngasse, in der Judenstraße und in der Eselsgasse, Ecke Judenstraße und eine im Werthplatz (man bemerke: die meisten dieser Brunnen oder Pumpen befanden sich im Bereich ‚des Berg‘).

Zeigte sich irgendwo und irgendwann ein „Sprung“ auf öffentlichem Boden, versucht man, die Quelle zu fassen, um eine Pumpe aufzustellen und so wenigstens einem Teil der Bevölkerung sauberes Wasser zu verschaffen.

 

Im Jahr 1885 finden wir in den verschiedenen Sektionen der Stadt u.a. :

eine Pumpe „Am Berg“, gegenüber dem Hause Nr. 54 (dort wo sich heute die Häuser Nr. 44 und 46 befinden), mit Sicherheit bereits 1862 dort;

eine Pumpe „Bergstraße“, hinter dem Hause Nr. 42 des Metzgers Martin Schlembach (jetzt Haus Nr. 40);

eine Pumpe „Bergstraße“, an dem Hause Nr. 58 des Mathias Vise (das heutige Haus Nr. 66), 1885 an das durch das Gässchen von diesem getrennt liegende Hintergebäude verlegt;

eine Pumpe „Bergstraße“, der Wirtschaft Raaff, dem Hause Nr. 90 gegenüber (heute das Kolpinghaus Nr. 124), wegen Gesundheitsgefährdung 1902 geschlossen;

eine Pumpe „Bergstraße“, am Hause Nr. 135, oberhalb der Wohnung von Martin Emonts, Schlossermeister und Eisenwarenhandlung (die heutige Ecke Bergstraße/Bergkapellstraße, etwa bei den Häusern Nr. 139/141), 1902 geschlossen;

eine Pumpe „Bergstraße“, unterhalb des Kammstrickers Joseph Mattar, Haus Nr. 115 auf den Looten;

eine Pumpe „Neustraße“, dem Hause Nr. 73 des Fuhrmanns und Wirten Nahoe gegenüber – an anderer Stelle heißt es „an der Böschung des Collard‘schen Gartens“ (heute etwa die Mitte zwischen der ehemaligen Buchhandlung Reuter und der Ecke Bergkapellstraße), 1902 geschlossen;

einen Schöpfbrunnen „Rotenberg“, in der Wiese The Losen (in den Ettersten), 1874 Hondsburg (Hondsborn?) genannt;

einen Schöpfbrunnen „Hisselsgasse“, am Hause Nr. 71 des Heinrich Kaldenbach (heute etwa Haus Nr. 69);

einen Schöpfbrunnen „Holundergässchen“ beim Bierkeller des Aloys Körfer (am Ende der heutigen Borngasse), bereits 1881 geschlossen;

eine Pumpe „Haasberg“, vor dem Hause Nr. 11 der Geschwister Miessen (etwa heute bei den Häusern Nr. 15/17), bereits 1862 erwähnt;

einen Schöpfbrunnen „Haasberg“, dem Hause Nr. 31 des Hubert Pönsgen gegenüber (das jetzige Haus Nr. 41);

einen Schöpfbrunnen „Judenstraße“, dem Hause Nr. 29 gegenüber (am Aufgang zur Moorenhöhe), 1902 geschlossen;

einen Schöpfbrunen „Judenstraße/Edelstraße“, die Ecke…, an der Wiese des Franz Homburg;

eine Pumpe „Olengraben“, vor dem Hause Nr. 2 des Bäckers August Brandenberg (auch heute noch Haus Nr. 2), 1862 aufgestellt, 1902 geschlossen.

 

Pferdetränke

Ein Brunnendenkmal im wahrsten Sinne des Wortes war die vom Bildhauer Christian Stüttgen 1908 geschaffene „Pferdetränke“ „ä Tebate“ (Rotenbergviertel). Wenn dieser Laufbrunnen auch nicht der menschlichen Trinkwasserversorgung diente, erfüllte er doch den löblichen Zweck als Tiertränke. Zumal zu jener sogenannten guten alten Zeit das Pferd im Eupener Verkehrswesen die Hauptrolle spielte. Den Auftrag zur Schaffung dieses Brunnendenkmals erhielt Christian Stüttgen vom „Eupener Verschönerungsverein“ im Jahre 1908. Zwei Jahre später stand der Brunnen. Leider hat dieses Brunnendenkmal in Eupen nur ein kurzes Bestehen erleben dürfen. Als Kraftfahrzeuge das Pferdefuhrwerk zu ersetzen begannen, entfernte man aus unerklärlichen Gründen den Laufbrunnen schon im Jahre 1934. Wie sehr ein solcher Brunnen als Pferdetränke angebracht war, versteht nur der, dem die früheren Verkehrsverhältnisse bekannt sind. Vierspännig, manchmal sogar sechsspännig zogen Pferde die schweren Holztransporte den Olengraben hinauf. Des öfteren mussten sogar bei der letzten Steigung des Olengrabens noch zusätzlich Pferde vorgespannt werden. Mit diesen Pferden kamen die Fuhrleute das kleine Gässchen von der Oe zum Olengraben hinauf und spannten sie an. Die Tiere waren dann heilfroh, im Brunnen in Tebaten der eingemeißelten Inschrift „Diese Gabe zur Labe“ Folge leisten zu können.

Von den Anliegern, die die alte Pferdetränke noch gekannt hatten, wurde der Wunsch geäußert, diese dort wieder aufzustellen. Doch außer vier Originalsteinen mit Abbildungen von Pferde- und Hundeköpfen war nichts von Stüttgens Jugendstilbrunnen übrig geblieben. Als Eupen dann 1992 auserkoren wurde, Belgien beim internationalen Blumenwettbewerb zu vertreten, war dies der Auslöser, die Wiederherstellung der „Pärdsdränk“ ernsthaft anzugehen. Nach alten Fotografien fertigte das städtische Bauamt Konstruktionspläne an und beauftragte das auf Betonguss spezialisierte Unternehmen Blanc de Bierges aus Wavre mit dem Nachbau des Brunnendenkmals.

Am 10. August 1992 konnte die aus weißem, gebürstetem Beton hergestellte neue Pferdetränke auf dem Rondell ä Tebate aufgebaut werden.


95. Die Haasprozession

Neben der Dreifaltigkeitsprozession von der Bergkapelle zum Kapellchen im Laschet, der Bittprozession zum Gnadenbild der Lieben Frau von Luxemburg im Waisenbüschchen sowie der Fronleichnamsprozession, die aber traditionell eher der Oberstadt zugeschrieben wird, ist die sogenannte Haasprozession die vierte Prozession, die regelmäßig das Bergviertel bzw. die Bergkapelle ‚aufsucht‘. Diese Pfarrprozession von St. Josef zieht alljährlich zum Kirchweihfest an St. Josef aus; dies immer am Sonntag nach Mathias, dem 21. September. Bis 1974 gab es drei sogenannte „alte Wege“, die abwechselnd von der Prozession begangen wurden:

1. zur Bergkapelle und zurück,

2. zur Hütte und zurück,

3. zur Monschauerstraße und zurück.

Ab 1974 wurden auch die neuentstandenen Wohnviertel Ibern, Selterschlag, Obere Rottergasse und Binsterweg, Mettelenfeld und Stockbergerweg sowie das Altenheim St. Josef, der Limburger Weg und Am Waisenbüschchen abwechselnd mit den „alten Wegen“ von der Haas-Prozession berührt.

 

Die Haasprozession im Jahre 1897

Im Jahre 1897 sollte die Pfarrprozession von St. Josef zum zweiten Male seit Gründung der Pfarre wieder über öffentliche Wege gehen. Wie dies sich abspielte, lesen wir in den drei nachstehenden Artikeln.

Eupen, 13. Juli. - In der Haaskirche wurde am Sonntag von der Kanzel verkündigt, dass die seit der Errichtung der St. Josefspfarrkirche nur einmal ausgegangene und nachher auf das Innere der Kirche beschränkte Pfarrprozession für die Folge wieder öffentlich stattfinden darf. Zur Abhaltung der Prozession ist der Sonntag nach dem 22. September festgesetzt. Der Weg, den dieselbe nehmen soll, wird noch näher bestimmt.

Eupen, 21. September. - Die Pfarrprozession von St. Josef, welche bisher nur ein einziges Mal, und zwar am 28. September 1873 stattfand, in Zukunft aber wieder regelmäßig ausgehen darf und für dieses Jahr auf Sonntag, den 26. September festgesetzt ist, wird folgenden Weg nehmen: Haasstraße, Haasberg, Bergkapellstraße, Olengraben, Haasstraße, Schilsweg, Hütter Wiese, Hütte, Haagen, Bellmerin, Schilsweg. Der erste Segen wird unter der Haas am Kreuz, der zweite an der auf dem Bergplatz zu liegenden Seite der Bergkapelle, der dritte im Schilsweg (unweit des Kreuzes vor dem Lenssenschen Hause), der vierte auf der Montjoierstraße an dem Hause Klinkenberg-Roderburg gespendet. Nach der Rückkehr zur Kirche wird ein Tedeum gesungen und der Schlusssegen erteilt.

Eupen, 28. September. - Dank dem herrlichen Wetter konnte sich die Pfarrprozession von St. Josef am vorigen Sonntag in vollem Gepränge entfalten. Die Pfarreingesessenen hatten alles zur Verherrlichung des Tages aufgeboten. Allerwärts prangten die Häuser in Flaggen-, Blumen- und Bilderschmuck, und der größte Teil der Straßen, durch welche die Prozession sich bewegte, war durch Laubgewinde etc. in einen Festweg umgewandelt. Die Beteiligung an der Prozession war großartig; der Vorbeizug dauerte nicht weniger als eine halbe Stunde und gewährte namentlich von den umliegenden Berghöhen, wo sich zahllose Menschen angesammelt hatten, ein prächtiges Bild. Der gewählte Weg hat sich bewährt, denn trotz seiner Windungen kam es nirgens zu einer störenden Kreuzung. Das am Nachmittag vom Cäcilien-Gesangverein von St. Josef, der Franssenschen Musikkapelle und der St. Josef-Bürger-Schützengesellschaft in der Festwiese der Herren Gebr. Carbin veranstaltete Wohltätigkeitskonzert zum Besten der Haas-Pfarrkirche war von wenigstens 1000 Personen besucht und gestaltete sich zu einem wahren Volksfest. Das Fest, an dem auch eine Anzahl Geistlicher teilnahmen, verlief ohne jede Störung.

Das »Correspondenzblatt des Kreises Eupen« veröffentlichte einige Tage vor Auszug der Prozession die Aufstellungsordnung. Aus ihr ersieht man, dass das Vereinsleben in der Unterstadt damals in voller Blüte stand. Hier der offizielle Ordnungsplan: 1. Schulkinder in doppelter Reihe; 2. Frauen und Jungfrauen, ebenfalls in doppelter Reihe; 3. Arbeitergesangsverein; 4. Das Waisenhaus und die Versorgungsanstalt; 5. Die Marianische Jungfrauen Congregation von St. Joseph; 6. Der Harmonie-Musikverein; 7. Der Jünglingsverein; 8. Der Gesellenverein; 9. Die Voß´sche Kapelle; 10. Der Concordia-Gesangsverein; 11. Die Bogenschützen von St. Johannes-Enthauptung in Nispert; 12. Die St. Nikolaus-Bürgerschützen-Gesellschaft; 13. Der Gesangverein Amicitia aus Nispert; 14. Der kaufmännische Verein; 15. Die Marianische Männer-Congregation von St. Joseph; 16. Die Constantia; 17. Bürger mit Fackeln; 18. Spalier bildet der Kavallerie-Verein; 19. a) Die St. Johannes-Bürger-Schützen-Gesellschaft und b) Die St. Joseph-Schützengesellschaft mit den Engeln in der Mitte. Aufstellung a) und b) zwischen dem Kavallerie-Verein; 20. Die Franssen´sche Kapelle; 21. Der Cäcilien-Gesang-Verein von St. Joseph; 22. Die Chorknaben; 23. Die Geistlichen; 24. Das Sanctissimum; 25. Die Mitglieder des Kirchenvorstandes, der Gemeindevertreter und Honoratioren, 26. Die Klosterbruderschaft; 27. Der Infanterie-Verein; 28. Der Tobias-Verein; 29. Gesang-Verein »Liedertafel«; 30. Der christlich-soziale Arbeiter-Verein; 31. Männer und Jünglinge, die keinem Verein angehören.


97. Straßen- und Verkehrswesen im Bergviertel

Der Mittelgebirgsausläufer, hier kurz „der Berg“ genannt, der den oberen Stadtteil Eupens vom unteren trennt, war seit jeher wegen Höhenunterschieds stark verkehrsbehindernd gewesen. Ausgefahrene, verschlammte Karrenwege führten darüber hinweg. Erst der Staatsstraßenbau Eupen-Montjoie 1846 und die damit verbundene Anlage der Neustraße brachten eine Erleichterung für die Fuhrleute.

Seitlich davon bildete jener „Berg“, der wegen seines rotschieferhaltigen Bodens den Namen „Rotenberg“ trug, weiterhin eine Verkehrsbehinderung. Von den Häusern am oberen Rotenberg (Tebaten, Waisenhaus) verlief für die Fußgänger ein kleiner Weg durch die Etterstenwiesen hinab zum Bach, wo ein Steg über denselben auf den Weg nach Stockem führte. Fuhrwerke mussten einen ähnlich verlaufenden Karrenweg nehmen, der durch den Bach führte.

Schon gleich nach seiner Wahl zum Eupener Bürgermeister (1850) veranlasste Peter Becker, auf die Etterstenwiese die städtische Schutterde anfahren zu lassen, um einen Damm für die spätere Straße aufzuschütten. Tausende und Abertausende Karren Erdaushub sind in der Folgezeit aufgeschüttet worden, bis der Höhenausgleich erreicht war. Als dann 1874 der Straßenbau begann, war nur noch das Straßenbett zu legen und eine feste Brücke über den Bach zu bauen.

Um ins Oetal mit seinen zahlreichen Fabriken zu gelangen, gab es bis Mitte des 19. Jahrhunderts nur kleine, meist von den Fabrikanten selbst angelegte Wege von Tebaten über die Teichgasse (Oeberg) oder über die private „Hüffergasse“ entlang des Waisenbüschchens hinab. Vom mittleren Olengraben führte zwar noch das sogenannte „Feygässchen“ in das Oetal, doch war die Benutzung desselben für ein Fuhrwerk schon ein riskantes Unterfangen. Von der Haas her konnte man zwar durch die sogenannte „Jauchegatz“ ebenfalls in die Oe gelangen, doch dieses war für den Fuhrverkehr ziemlich schmal. Erst durch den Bau der Landstraße nach Dolhain änderte sich dieser Zustand.

Bereits 1834 reifte der Beschluss, Eupen mit Monschau durch eine Fernstraße zu verbinden. Diese Planung kam aber erst 1844 zur Ausführung. Nach zweijähriger Bauzeit wurde die neue Straße am 10. Mai 1846 dem Verkehr übergeben.

Sie wurde als Staatsstraße erbaut und brachte gleichzeitig große Veränderungen im Eupener innerstädtischen Verkehr. Im Rahmen dieses Straßenbaus entstand die Eupener Neustraße , die den bisherigen Fuhrverkehr über die steile Bergstraße erheblich erleichterte. Der Olengraben, der wie sein Name besagt „ein Hohlgraben“ war, wurde zur Straße ausgebaut.

Im Jahr 1849 wurde die obere Bergstraße zur besseren Höhenüberwindung tiefer gelegt. Die sich heute noch dort befindenden Stützmauern erinnern daran.