65. Die Eybornfluren und ihre Besiedlung

Das hochgelegene Wiesenland zwischen Bergstraße und Hisselsgasse, Schulstraße und Judenstraße trug in alter Zeit den Namen Eyborn. In der Sprach- und Schriftentwicklung änderte sich die Bezeichnung in Ibern. Bei der Deutung dieser Flurbezeichnung ist von „Ey, ei, y, ue“ = Wasserstelle und „born“ - Pfuhl, Quelle auszugehen. Im vorliegenden Falle bezieht sich der Name auf die zahlreichen Wiesenpfuhle in diesem Gelände. Der größte Wiesenpfuhl im Flurbereich Eyborn trug keinen Eigennamen, er war einfach „der Pfuhl“ (d‘r Poel, op gene Poel). Wiesenpfuhl und gleichnamiger Bauernhof lagen etwa dort, wo heute das Städtische Stadion am Kaperpberg grenzt.

Von besonderer Bedeutung in der Geschichte unseres Ortes war der sogenannte „Holunderborn“ am Fuße der Eybornfluren gelegen. Durch die stete Zufuhr frischen Grundwassers von den höher gelegenen Eybornfluren und seinem Abfluss zum Bach bot er alle Voraussetzungen für gutes Wasser, woran es in früheren Zeiten in dem Ort Eupen oft mangelte. Da der Holunderborn in den alten Niederschriften öfter als ‚der born‘ bezeichnet wird, verdankt die uralte Borngasse ihm vermutlich ihren Namen. Der Holunderborn, heute ein kleiner Ententeich in den Gärten hinter den Häusern der Borngasse, gab auch dem Gässchen nach „Am Berg“ seinen Namen: Holundergasse.

Die Eybornfluren waren viele Jahrhunderte lang unbesiedeltes Wiesen- und Weideland. Von der Bergstraße her führte ein kleiner Pfad über sie bis zur Hisselsgasse. Bei der Gründung der Haaspfarre bestimmte der Bischof diesen Fußpfad als Begrenzung des neuen Pfarrsprengels zur Hauptpfarre St. Nikolaus hin. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Eybornfluren Bauland. In den Jahren 1951 bis 1955 entstanden die neubesiedelten Straßen „Obere“ und „Untere“ Ibern, die jedoch in der St. Nikolauspfarre gelegen sind. Als in den 1970er Jahren auch eine weitgehende Besiedlung der oberhalb des Fußpfades gelegenen „Eybornfluren“ einsetzte und hier neue Straßen entstanden, mussten diese eine Bezeichnung erhalten.

 

Mettelenfeld

Da mit den bestehenden Straßennamen „Obere“ und „Untere“ Ibern der Flurnamenschatz dieses Gebietes erschöpft zu sein schien, galt es, für die noch hinzukommenden neuen Straßen auf andere Bezeichnungen zurückzugreifen. Es fand sich jedoch im alten Kataster (17.-18. Jhdt.) noch der Name eines Ackerfeldes „auf die Eyborn“. Das Feld dürfte einer Besitzerin mit dem Vornamen Mechthilde gehört haben. Diesen Vornamen sprachen die Eupener mit „Mettele“ aus; und so hieß das Feld „ett Mettelefeld“. Eine neue Straße im Wohnbezirk Ibern/Stockbergerweg erhielt den Namen „Mettelenfeld“.

Fortsetzung folgt...


101. Ibern Anekdoten

Theodor Breuer (1815-1904), der erste bekannte Mundartdichter des 19. Jh., berichtet von einer Eupenerin des 18. Jh. Angnys (Agnes) mit Namen, die als Tochter des Schompel-Jann im Volke Schompel-Janns-Angnys genannt wurde und im Rufe stand, infolge eines Bündnisses mit dem Teufel Hexenkünste zu beherrschen. Ihr Sohn hatte sich in Limburg durch Folterqualen das Geständnis abpressen lassen, dass er einen Diebstahl begangen habe, und sollte nachmittags um vier Uhr gehenkt werden. Da eilte Angnys um die Mittagszeit dahin, wo der Teufel in jeder Gestalt, als Katze, Pudel, Eule oder Kröte hauste, wo die Zauberer und Hexen ihm um Rat zu fragen pflegten, auf die Iberen nämlich, die deshalb von anderen Menschen gemieden wurden. Dort wuchs an einem kleinen Teiche ein Baum, der Hexenstuhl. An diesem setzte sie sich nieder und klagte den Fröschen ihr Leid. Da kam auch schon der Teufel herbei; rotes Haar umstand seinen Kopf, wie den Igel die Stacheln. Zunächst gebärdete er sich wie ein verliebter Geck; da ihr aber gerade die Sinne nicht danach standen, wies sie ihn gründlich zurecht und verlangte Hilfe für ihren Klaes. Nun wusste er natürlich bereits, dass der wirkliche Dieb tags zuvor in Köln festgenommen worden war. Darum gab er ihr ein Schreiben an die dortigen Richter und Flugsalbe. Als sie diese auf Füße, Hände und Kopf gestrichen und gerufen hatte: Über Hecken und Zäune!, war sie alsbald in Köln. Die Kölner Richter waren sehr erstaunt und meinten: „Der diesen Brief dir schrieb, war ein kundiger Mann. Dein Klaeschen braucht nicht gehenkt zu werden, weil hier tatsächlich ein anderer den Diebstahl eingestanden hat. Wir bescheinigen dir das auf Stempelpapier, und werden die Limburger Herren deinen Sohn freigeben“. Kaum hatte sie das Schriftstück, da lief sie in die Stadt, verzehrte schnell ein Tart und schwang sich mit Hilfe ihrer Hexensalbe nach Limburg. Den dortigen Richtern fiel zwar sogleich auf, dass die Bescheinigung erst an demselben Tage in Köln angefertigt war, und sie argwöhnten, dass auf rechte Weise die Übermittlung nicht geschehen sein konnte. Aber Angnys reinigte sich von dem gefährlichen Verdacht dadurch, dass sie die Geschwindigkeit mit ihrer Mutterliebe erklärte. Und als ihr dann der Sohn zugeführt wurde, kregh AngnäSke Klößken än ponndn hm bau duht, aen danzde: Jong, komme, vr hand ut dr Nuht!