12. Haasberg

„Die Haas“ ist heute der volkstümliche Name für die Eupener Unterstadt. Ursprünglich aber bezeichnete man mit „Haas“ den Bergabhang zwischen Olengraben und Esel, also den heutigen Haasberg. Daraus ergibt sich auch die Richtigkeit der Bezeichnung „unter der Haas“ für die Talsohle der Unterstadt. Die Flurbezeichnung Haas weist auf einen ursprünglich unkultivierten Abhang hin. So können wir uns auch den Haasberg früherer Zeiten als einen mit Gestrüpp bestandenen Hang vorstellen, der den Übergang zum Hertogenwald bildete.

Die Besiedelung von Haas und Haasberg ist wahrscheinlich auf das 16. Jahrhundert zu datieren. Im Anwesen der Familie Rosenstein am Fuß des Haasbergs fand man ein Stück aus dem Dachgebälk das die Jahreszahl 1568 zeigt. Das Kataster aus dem Jahr 1693 weist bereits 7 Häuser im Haasberg aus.

Im 18. Jahrhundert gab es schon Färbereien im Gebiet der Haas. Zur Ausübung ihrer Tätigkeit mussten sie über ein größeres Gelände verfügen, um die gefärbten Tuche zu trocknen. Die Orte solcher Anlagen sind uns bekannt unter der Bezeichnung „Rahmen“. Die hölzernen Rahmen waren in den Hängen des Schorbergs, des Haasbergs und des Olengrabens aufgestellt. So heißt der Seitenweg vom Haasberg zur Bergkapellstraße noch heute „ä gen Rahme“. Die Häuserzeile 9 bis 15 im dortigen Bereich des Haasbergs belegte der Volksmund mit der Bezeichnung „de Lokomotiv“.

Direkt unterhalb davon befindet sich der „Prummehuck“. Dies ist die Bezeichnung für die gegenüber dem Hause op gene Balkong an der Ausbuchtung des Haasbergs liegende Häuserzeile. „Op gene Balkong“ wird das viergeschossige Haus Nummer 4 mit vorgelagerter Terasse genannt.


Diese Aufnahme aus dem Jahr 1910 zeigt den Haasberg, der bekanntlich im Volksmund in drei Teile zerfällt: „der auwe, der huge en der nöe Haasberg“
Diese Aufnahme aus dem Jahr 1910 zeigt den Haasberg, der bekanntlich im Volksmund in drei Teile zerfällt: „der auwe, der huge en der nöe Haasberg“

74. Haasberg

Von der Edelstraße zweigen seitlich mehrere Wege ab. Der bedeutendste dieser Wege ist die Straße Haasberg. Sie führt hinauf zur St. Johannes-Kapelle auf dem Berg, wo sie die Straßen Bergkapell-, Juden- und Bergstraße kreuzt. Bis zum Jahre 1846 bildeten Bergstraße und Haasberg die wichtigste Fahrwegverbindung zwischen Ober- und Unterstadt. Die Besiedelung von Haas und Haasberg ist wahrscheinlich auf das 16. Jahrhundert zu datieren. Im Anwesen der Familie Rosenstein am Fuß des Haasbergs fand man ein Stück aus dem Dachgebälk das die Jahreszahl 1568 zeigt. Das Kataster aus dem Jahr 1693 weist bereits 7 Häuser im Haasberg aus. Im 18. Jahrhundert betrieb bei jener Örtlichkeit im Haasberg, die im Volksmund „op gene Balkong“ heißt, die Familie Gensterblum ihre Tuchmanufaktur.

Der Haasberg wird in der Volkssprache selten als Weg oder Straße angesprochen; man sagt immer nur „ägene“ oder „a gene Hassberrech“. Sollte das keltische Wort „ais“ = Berg wirklich für „Haas“ Pate gestanden haben, so liegt mit „Haasberg“ eine Doppelbezeichnung vor, die unseren Vorfahren gewiss unbekannt war. Sie nannten den Weg „Haasberg“, weil er zur Haas führte oder von der Haas hinaufführte. Einige Schritte weiter die Edelstraße hinan führt ein Weg steil ansteigend zur Moorenhöhe. Im Volksmund heißt er „d‘r hohe Haasberg“. Die an seinem Fuße gelegene Örtlichkeit wird „d‘r Knö‘eckel“ genannt.

Im 18. Jahrhundert gab es schon Färbereien im Gebiet der Haas. Zur Ausübung ihrer Tätigkeit mussten sie über ein größeres Gelände verfügen, um die gefärbten Tuche zu trocknen. Die Orte solcher Anlagen sind uns bekannt unter der Bezeichnung „Rahmen“. Die hölzernen Rahmen waren in den Hängen des Schorbergs, des Haasbergs und des Olengrabens aufgestellt. So heißt der Seitenweg vom Haasberg zur Bergkapellstraße noch heute „ä gen Rahme“. Die Häuserzeile 9 bis 15 im dortigen Bereich des Haasbergs belegte der Volksmund mit der Bezeichnung „de Lokomotiv“.

Direkt unterhalb davon befindet sich der „Prummehuck“. Dies ist die Bezeichnung für die gegenüber dem Hause op gene Balkong an der Ausbuchtung des Haasbergs liegende Häuserzeile.


81. Op gene Balkong

Das viergeschossige Giebelhaus weist in seinen drei unteren Geschossen vier Achsen und im Dachgeschoss deren drei auf. Die Fenster sind blausteingerahmt mit geraden Stürzen, mit Ausnahme des Erdgeschosses, das Stichbogen hat, und die Eckquadern sind aus Blaustein in Zahnschnittfolge. Der Blausteinrahmen der Tür ist leicht profiliert. Das Ziegelmauerwerk ist mit Zement verputzt. Die Giebelspitze dieses Hauses, das wohl aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammt, wurde vermutlich in späterer Zeit verkürzt. Das Haus „op gene Balkong“ genannt hat noch vier Maueranker, aus denen sich die Jahreszahl 1712 ergibt.

Im 18. Jahrhundert betrieb bei jener Örtlichkeit im Haasberg, die im Volksmund „op gene Balkong“ heißt, die Familie Gensterblum ihre Tuchmanufaktur. Der Tuchmacherfamilie Gensterblum, die im 19. Jahrhundert in der Haasstraße (spätere Garage und Wohnhäuser Mennicken) ansässig war, entstammen mehrere edle Spender für die neuerrichtete St. Josefskirche (1860 schenkten Nik. Gensterblum und Ehefrau der Kirche den Hochaltar, 1863 die Kommunionbank, 1864 die Kanzel. Ihr Sohn Bartholomäus übernahm, neben anderen Schenkungen, 1876 die Kosten für die Ausmalung der Kirche, Tochter Margaretha Gensterblum war 1889 Stifterin und Pate der 4. Glocke an St. Josef, außerdem war sie Stifterin des großen Triumphkreuzes und vermachte schließlich 1904 als Erbin die Gensterblum‘schen Liegenschaften in der Haasstraße der St. Josefskirche. Leonhard Gensterblum (+1892), dessen Bild den Treppenaufgang im Eupener Rathaus ziert, dachte in seiner edlen Gebefreudigkeit an das Gemeinwohl der ganzen Bevölkerung. Er vermachte der Stadt Eupen eine große Geldsumme als Stiftung.

Besitzer ist 1826 Nicolas Gensterblum, 1869 der Schreinermeister Peter Joseph Wintgens. 1895 finden wir das Haus im Besitz von Gertrud Margarethe Gensterblum, 1916 der Stadtgemeinde Eupen, 1925 Maria Havenith aus Rabotrath. Über Witwe Hubert Poensgen kam das Haus in den Besitz von Dr. med. E. Poensgen.


122. Ä gen Rahme

Manche, besonders ältere, Eupener bezeichnen heute noch den Seitenweg vom Haasberg zur Bergkapellstraße, der unterhalb der Bergkapelle verläuft, mit „Ä gen Rahme“. Was bedeutet dieser Name?

Wenn im alten Eupen, als es noch keine Tuchfabriken im heutigen Sinne gab, die Tuche gewebt, genoppt, gewaschen, gewalkt, gerauht, geschoren und gefärbt waren, wurden sie vor dem Plüsen und Pressen auf Rahmen geschlagen und gespannt. Die Rahmen bestanden aus feststehenden Holzsäulen und verschiebbaren Verbindungsstücken, ähnlich wie Stickrahmen oder Gardinenspanner. Mit deren Hilfe reckte man die Tuche in die Länge und Breite, die der Kaufmann wünschte, die oft auch von staatlichen Behörden vorgeschrieben war. Das Wichtigste war dabei, dass die Tuche über die ganze Länge gleiche Breite erhielten. Damit ferner der nötige Glanz daraufkam, wurden sie angefeuchtet und mit Karden und Bürsten glatt gestrichen. Dann ließ man sie in der freien Luft trocknen. Damit die Luft gleichmäßig darüberhinstreichen konnte und die Sonne überall Zugang fand, errichtete man die Rahmen an Berghängen, die man terrassenförmig abgestuft hatte. Dies geschah nachweislich am Esel und am Haasberg, wo heute noch die Terrassen deutlich zu erkennen sind. Die am Haasberg haben wohl besondere Bedeutung gehabt, weil sich die erwähnte Bezeichnung für sie im Volksmunde gehalten hat.

Bei Regenwetter war die überaus wichtige und langwierige Arbeit des Rahmens und Trocknens natürlich unmöglich, und die Bestellungen mussten liegen bleiben. Darum machte man sich später von der Natur unabhängig und baute einfache, heizbare Trockenhäuser, ähnlich wie zum Trocknen der gegerbten Häute. Bereits um 1800 gab es in Eupen deren mehrere, zum Beispiel auf dem Hook und im Olengraben. Man heizte sie mit Holz, um 1817 mit Steinkohlen; später sogar mittels Heizröhren. Als man von der Handarbeit immer mehr zur Maschinenarbeit überging, erfand man auch eine Rahmmaschine. Diese arbeitet schneller und leistet in derselben Zeit mehr. Aber nach der Auffassung mancher Sachkenner kann sich ihr Erzeugnis nicht messen mit dem der alten Rahmen in freier Luft. (Eupener Zeitung, 16.6.1937)