105. Kolpinghaus und Kolpingfamilie

 

Gründung des Gesellenvereins

Schon im Jahre 1837 hatte der 24jährige Weber Jakob Wintgens damit begonnen, jeden Sonntag eine Anzahl junger Leute in seiner Wohnung am Schilsweg zu versammeln, um sie zu belehren und zu unterhalten. Schlicht und einfach waren die Erklärungen des Evangeliums, die er in Eupener Mundart gab. Aus diesem bescheidenen Anfang entstand der Jünglingsverein, der bis zum Jahre 1940 in Eupen eine segensreiche Tätigkeit entfaltet hat und dessen Name heute noch das Vereinsgebäude auf der Neustraße trägt.

Im Jahre 1851 drang der Ruf des Gesellenvaters und Volkserziehers Adolf Kolping bis nach Eupen. Kolping hatte als Schuhmachergeselle die leibliche und seelische Not der damaligen Handwerksgesellen kennengelernt, von denen viele auf ihren Wanderschaften leiblich und seelisch verkümmerten. Im Jahre 1851 gründete er in Elberfeld den ersten Gesellenverein und legte so den Grund zu dem gewaltigen Werk, das seine große Lebensaufgabe wurde und das noch heute funktioniert. Auf Einladung des Eupener Piusvereins sprach Domvikar Kolping schon am 28. April 1851 auf der Generalversammlung über die Lage der Gesellen und regte auch für Eupen die Gründung eines derartigen Vereins an. Vorerst geschah noch nichts. Erst als die Eupener Gesellen den Nutzen der Gesellenvereine in der Fremde kennen und schätzen gelernt hatten, reifte die Frucht. Durch die große Verbreitung der Gesellenvereine – bis zum Jahre 1856 zählte man in Deutschland, Amerika, Schweiz usw. an die 130 – war es möglich gemacht, dass bald Eupener Gesellen, die in der Fremde weilten, in irgendeiner Stadt Mitglied des Vereins wurden. So wurde der Eupener Bäcker und Bierbrauer Joseph Plankermann am 3. November 1856 zu Dortmund in den Gesellenverein aufgenommen. Der Schreiner Wilhelm Berg wurde Mitglied zu Aachen am 4. November 1857. Er verließ am 30. Januar 1859 Aachen und kam wieder nach Eupen, wo er einen Gesellenverein sehr vermisste. Berg und mit ihm der Klempner Lambert begaben sich zu Dechant Pauls, dem sie ihre Wünsche zur Gründung eines Gesellenvereins vortrugen. Dechant Pauls verwies sie an den Rektor des Waisenhauses, Herrn Schiffers, der die Idee begeistert aufgriff. Nach einigen Vorbesprechungen trat man an die Behörden heran mit der Genugtuung, überall Hilfe zu finden. Die Sache wurde den Gesellen Eupens bekannt gemacht. In einigen Wochen hatten sich so viele gemeldet, dass man den Verein ins Leben rufen konnte.

Am 18. März 1859 wurde der Eupener Gesellenverein im Lokal des Gastwirts Reinartz gegründet. Alle anwesenden Gesellen, 89 an der Zahl, erklärten ihren Beitritt. Erster Präses war Rektor Schiffers, erster Senior Wilhelm Berg. Die Gründungsurkunde mit der Unterschrift des Gesellenvaters Adolph Kolping ist heute noch im Besitz der Kolpingfamilie. In der Urkunde heißt es u.a.: Der Katholische Gesellenverein zu Eupen wurde in den Allgemeinen Verband des Katholischen Gesellenvereins durch Beschluss des Central-Vorstandes zu Köln am 21. Mai 1859 aufgenommen. Zur 100-Jahrfeier im Jahre 1959 hatte die Kolpingfamilie Eupen noch ca. 80 Mitglieder.

 

Geschichte Kolpinghaus Eupen

Im Laufe der Jahre zeigte sich immer mehr, wie wichtig es wäre, über ein eigenes Haus zu verfügen, in dem sich die jungen Handwerker zu religiösen und beruflichen Vorträgen, aber auch zum geselligen Beisammensein einfinden konnten. Aber erst in den achtziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts sollte der Traum von einem Gesellenhaus Wirklichkeit werden.

Am 31. Juli 1884 kaufte Herr Edmund Braun die beiden Häuser Bergstraße 90 und 92 und stellte sie dem damaligen Präses des Gesellenvereins Lorenz Gossen, Kaplan an der St. Lambertuskirche im Werthplatz, zur Verfügung. Kurz danach wurde auf dem höher gelegenen Gelände nach den Plänen des Aachener Baumeisters Josef Hürth, dem Vater des späteren Generalpräses des Kolpingwerkes, Theodor Hürth, der Saal erbaut. Die Grundsteinlegung erfolgte am 14. Juni 1885. Am 17. Oktober 1886 wurde der Neubau feierlich eingeweiht.

Im Laufe der mehr als hundertjährigen Geschichte hat das Kolpinghaus so machen Verschönerung und Ergänzung erfahren. So gibt die Presse am 24. November 1922 bekannt, dass der Katholische Gesellenverein auf nächsten Sonntag zur Einweihung seiner Kriegergedächtnisstätte und Eröffnung des umgebauten Saales einlädt. Nach weiteren Renovierungsarbeiten im Laufe der Jahre, wurde am 04. Februar 1995 die Einweihung des neugestalteten Kolpinghauses gefeiert. In den Monaten davor, wurden nicht nur neue Versammlungsräume angebaut, sondern der gesamte Komplex einer grundlegenden Modernisierung unterzogen.

Heute ist das Kolpinghaus Eigentum der Stadt Eupen und wird durch das Kulturelle Komitee der Stadt Eupen VoG verwaltet. Es bietet jetzt nicht mehr den wandernden Gesellen ein Zuhause, sondern zahlreichen Kulturvereinigungen unserer Stadt mit ihren Mitgliedern.