15. Edelstraße
Bis zur ersten amtlichen Benennung der Eupener Straßen wurde der steile Weg von aunder gen Haas zur Judenstraße einfach Äsel genannt, was soviel wie großer Hügel oder Berg bedeutet. Die Stadtväter machten 1873 daraus die Edelstraße.

Was die Eupener Stadtväter bei ihrer neuen Straßenordnung dazu bewogen hat, dem steilen Weg den Namen Edelstraße zu geben, bleibt für immer ein Rätsel. Wahrscheinlich schätzten sie eine 'Eselsbezeichnung' zu gering ein; obwohl das gute Grautier besonders in den südlichen Ländern seit jeher ein treuer Diener der Menschen gewesen ist.
Offiziell gehört auch der sogenannte Knöckel. Dies ist die volkstümliche Bezeichnung für den unteren Fußweg von der Edelstraße (ä gene Äsel) zur Moorenhöhe. Auch d‘r hu‘ge Haasberg genannt. Am Knöckel liegt ‚de ô Apotiek‘ - so wird das Haus Edelstraße 7 noch heute von den Hääsern genannt, weil sich dort einst die Löwen-Apotheke von Peter Raisin befand.
Op gene Moussel wird das alte Bauernhaus Edelstraße 12 genannt, das ein wenig abseits der Straße im rechten Hang des Äsel liegt. Das Mousselsgätzke führt am Moussel vorbei zur Jugendherberge, zum Ortsteil Panorama sowie zum Schorberg und zur Frankendelle.

Das Bildmaterial zeigt uns den unteren Bereich der Edelstraße mit dem sogenannten Knöckel, ein beliebtes Foto- und Postkartenmotiv in Verbindung mit der oberhalb befindlichen Moorenhöhe. Von Haasberg und Moorenhöhe bietet sich in der entgegengesetzten Perspektive eine interessante Sicht auf die Edelstraße. Eine neuere Aufnahme von den Häusern Edelstraße 9-11 zeigt, dass sich in diesem Bereich kaum etwas verändert hat. Von der Edelstraße hatte auch die Edelklause ihren Namen, ein beliebtes Lokal am Beginn der Haasstraße vis-à-vis der Edelstraße.


80. Haus Edelstraße 7 : ‚de ô Apotiek‘

Das Haus steht auf dem alten Besitz des herzoglichen Försters Lennert Moeckel. 1740 findet sich dort die Angabe von einem neuerbauten Wohnhaus. Vermutlich ist Johann Salm der Erbauer. ‚de ô Apotiek‘ - so wird das Haus noch heute von den Hääsern genannt, weil sich dort einst die Löwen-Apotheke von Peter Raisin befand, der es seinerseits von dem Apotheker Heinemann erworben hatte. Im Eupener Adressbuch des Jahres 1886 werden drei Apotheken aufgeführt: die Löwenapotheke in der Edelstraße, die Adler-Apotheke in der Bergstraße und die Schwanen-Apotheke in der Kirchstraße.

Das zweigeschossige Wohnhaus hat fünf Achsen mit zentral gelegenem Eingang. Es ist in Bruchstein errichtet mit blausteingerahmten Stichbogenfenstern. Das abgewalmte Mansardendach hat vier doppelte Fenstergiebel. Auf der Rückseite des Hauses ist noch der alte Lastenaufzug sichtbar. Besonders auffallend ist die schöne Umrahmung des Portals, mit der davor gelegenen Freitreppe. Ein schönes Werk alter Handwerkskunst ist das geschmiedete Treppengeländer, dessen Anfang durch eine große und eine kleine Spirale gebildet wird. Im unteren Teil findet sich ein Mäanderfries auf der ganzen Länge, während sich im oberen Teil ein Wellenband aneinanderreiht: Ellipsen, die durch kleine Rosetten miteinander verbunden sind.


102. Militärhospital im Esel
Ende des 18. Jahrhunderts finden wir in Eupen die Präsenz mehrerer Militärhospitäler. Eine erste Erwähnung finden wir Anfang 1785 in einer Zahlungsanweisungen für die Lieferung von Kohlen für das Hospital des Regiments Preijs „in den capucinen“. Zu diesem Zeitpunkt hatten Streitigkeiten zwischen dem österreichischen Kaiser Josef II. Und den Vereinigten Provinzen Hollands Anlass zu Truppenbewegungen gegeben, die Anfang 1785 auch Eupen berührten. Der Tuchscherer Breuer berichtet in seinem Tagebuch: „Den 8. Januar 1785 sind nach Kettenis 90 Husaren vom Regiment Esterhazy und am 9. noch 50 vom Regiment Wurmser gekommen und 3 Tage dort geblieben. Am 10. Januar kamen in Eupen an und blieben eine Nacht 160 Dragoner des Regiments Koburg. Den ersten Februar 1785 sind 500 Mann vom Regiment Tillier nach Eupen gekommen und am 2. wieder abmarschiert. Die Kranken waren für eine Nacht in das Hospital an die Capuciner gelegt worden; 2 Mann starben. Den 7. sind die Kranken des Regiment Preijs bei den Capucinern für 8 Tage untergebracht worden; es starben 2 Mann. Von den kranken Soldaten angesteckt, sind bei uns vom 28. Februar bis 15. März 8 Capuciner, 5 Priester und 3 Brüder gestorben“.
Ab Dezember 1790 finden wir in den Zahlungsanweisungen der Gemeinde Eupen erneut einige Hinweise auf das Vorhandensein eines Militärhospitals. Auch hier war es die Wiederkehr militärischer Einheiten, die die Schaffung eines solchen Spitals mit sich brachte. Nach der Proklamation der Vereinigten Belgischen Staaten am 10. Januar 1790 hatten die österreichischen Truppen das Land verlassen müssen, kamen aber im Dezember des gleichen Jahres schon wieder zurück.
Zunächst legt am 10. Dezember 1790 Peter Palm eine Rechnung über 10 Gulden vor für eine mehrtägige Arbeit und für Kalklieferungen „im Hospetal“. Eine andere Rechnung, vom 2. Dezember 1790, ausgestellt durch den Herver Lieferanten Serrurier, vermerkt die Zustellung von neuen Öfen mit Ofenrohren und Kniestücken im Gesamtgewicht von 583 Pfund „an das hiesige königliche Hospital“, und am 17. Januar 1791 wird Johan Hendrik Messier für Reparaturarbeiten an den Fenstern des Hospitals entlohnt. Wo lag nun dieses Hospital der Österreicher? Einen einzigen Hinweis geben uns dazu die unten abgebildeten Rechnung und Zahlungsanweisung an Joh. Hend. Messier mit dem Vermerk : „Vor die Gemeinde im Esel gemacht wie folgt...“. Dieser kurze Vermerk auf der Rechnung gibt einen Standort preis, den wir mangels zusätzlicher Angaben nicht näher festlegen können. Da die Hospitäler allgemein in platzbietenden Gebäulichkeiten eingerichtet wurden, dürfte es sich höchstwahrscheinlich um das einzige große Gebäude dieses Ortsteils gehandelt haben, nämlich das jetzige Haus Edelstraße 7. Zur Zahl der Verwundeten und Kranken, die dort behandelt wurden, ist in den Archiven der damaligen Verwaltung nichts zu finden, jedoch stößt man auf eine Vielfalt von Gemeindeausgaben für Lieferungen und Dienstleistungen in den Hospitälern „bei den Capucinern“ und „unter die haas“, wie es sehr oft heißt. Spätestens am 10. Dezember 1792 muss das Militärhospital unter der Haas geräumt worden sein, denn Hubertus Jerusalem meldet an diesem Tag, dass er „nach transportierung der kranken das stroh weggeräumt und neun tag lang das spital wieder gesäubert“ habe. Doch schon nach der Schlacht von Aldenhoven (1. März 1793) muss unter der Haas wieder ein Lazarett vorhanden sein. Im Stadtarchiv wie auch im Tagebuch des Scherers Breuer kann man nachlesen, dass Eupen nun monatelang Einquartierungsort durchziehender österreichischer Einheiten ist. Diese Truppenbewegungen dauern bis in den Monat September 1794 hinein. Am 21. September 1793 sind die Franzosen wieder hier und richten in Eupen zwei Militärhospitäler ein, das eine bei den Kapuzinern, das zweite wieder unter der Haas, in einem Gebäude der heutigen Edelstraße. Das Gebäude lag im damaligen Quartier Haas, deshalb auch einmal die Bezeichnung „unter der Hass“, einmal „im Esel“. Neben den Lieferungen und Arbeiten, die dort von hiesigen Handwerkern ausgeführt werden, leisten verschiedene Einwohner Pflege- und Aufsichtsdienste in diesem Hospital, untergebracht in einem Haus des Advokaten Legro. Dieser besaß im Haasquartier die Häuser Nr. 693, 693 A und 694. Es ist dies die Häusergruppe auf dem Verbindungsweg zwischen Edelstraße und Haasberg. Man darf annehmen, dass der französische Lazarettbetrieb sich in dem mächtigen, 1740 dort erbauten Wohnhaus (jetzt Edelstraße 7) abspielte.
Fazit: Bei Kriegsgefahr und Kriegswirren in jenen Jahren europaweiter Konflikte richteten die durchziehenden Truppen zeitweilig auch in Eupen Lazarette für die Kranken und Verwundeten ein. Von Dauer waren diese Institutionen nie. Mit den kriegsbewaffneten Heereseinheiten zogen auch die Militärhospitäler wieder von hier fort, so wie wir es auch im 20. Jahrhundert erlebt haben.