45. Das Kreuz an der Neustrasse

Die Neustraße gab es bis zum Jahre 1846 in Eupen nicht. Der Fuhrverkehr vollzog sich vom oberen zum unteren Stadtteil nur über die Bergstraße. Nachdem die Eupener mit großer Mühe und mit Beteiligung an den Kosten den Bau der Staatsstraße Eupen-Monschau ermöglicht hatten wollten sie auch eine Abänderung im innerstädtischen Verkehr, und im Rahmen des Staatsstraßenbaus entstand dann auch die über die einstigen Lootenfluren führende Neustraße. Diese Straße blieb jedoch jahrzehntelang Eupens Sorgenkind; noch um die Jahrhundertwende ist über ihren Zustand zu lesen: „In ihrem chausseemäßigen Ausbau bildet sich in derselben zur Sommerzeit ein mächtiges Staubwolkengebilde; zur Winter- oder Regenzeit lagert in ihr eine unbeschreibliche Schlammmenge, die ihr mit Recht den Namen ‚Eupener Schlammbad‘ einbrachte. Es wird dies solange der Fall sein, bis sie endlich mit einem richtigen Steinpflaster versehen wird; denn die jetzt fortwährend ausgeführten Kleinschlagsteinauflagen werden von den stets befahrenen Rollfuhrwerken wieder zu Staub gemahlen.“

Ein alter Fußpfad kreuzte die Neustraße in ihrem oberen Teil; es war dies der bedeutende Fußpfad, der von Nispert her über die Ibernfluren und Bergstraße und Looten zum Rotenberg und von dort weiter nach Membach führte. Dort, wo der alte Fußpfad die Neustraße kreuzte, stand an einem Stiegel und Wiesentor ein gusseisernes Kreuz auf einem kleinen Steinsockel. Wiesentor, Stiegel und Fußpfad sind durch den Ausbau des Fußweges zur Verkehrsstraße ‚Looten‘ genannt, längst nicht mehr vorhanden; doch das Kreuz befindet sich immer noch an seinem alten Platz. Dieses Kreuz ist zur Erinnerung an einen tragischen Unglücksfall aufgerichtet worden.

Es war in den frühen Morgenstunden des 6. März 1893, als der 46jährige Fuhrmann Johann Michel Nyhsen, wohnhaft auf der obersten Heide, mit seinem beladenen Pferdefuhrwerk die Neustraße hinaufkam. Wie üblich war die Straße nach der Schneeschmelze ein Schlammbad. Auf der Höhe des Looten-Fußpfades scheute das Pferd, die Karre schlug auf den schlammigen Boden um und warf den Fuhrmann Nyhsen zu Boden. Ein Rad der Karre ging dem Unglücklichen über den Kopf, so dass er auf der Stelle den Tod fand. Kurze Zeit danach richtete man zum Gedenken an dieses schreckliche Unglück an der Unfallstelle das Kreuz auf.


44. 275-Jahr-Feier Bergkapelle

Vor 30 Jahren wurde das 275jährige Bestehen der Bergkapelle mit einem großen Viertelfest gefeiert. Am 4. Oktober 1987 traf man sich zum Bergerfest rund um die Bergkapelle und auf dem Gelände der französischen Schule. Viele ältere Anwohner werden sich noch gerne daran erinnen, sicher beim Lesen des Artikels aus dem Grenz-Echo hier unten...


43. Pöllchesvereine


42. Aussichtsturm

Es stand auch einmal auf der Judenstraße unweit der Kapelle ein Aussichtsturm. In der Stadtratssitzung vom 6. August 1909 diskutierten die Stadtverordneten die Errichtung eines Aussichtsturms auf der Judenstraße am „Moorenkopf“. Der Vorschlag, die Stadt möge zum Bau einen Zuschuss leisten, fand lebhaften Widerspruch. Es wurde darauf hingewiesen, dass man der Feuerwehr einen festen Turm versagen musste, wegen der schlechten Finanzlage der Stadt und man somit geschweige Geld für einen Aussichtsturm habe. Schließlich genehmigte man die Überlassung des Holzes der abgebrochenen Weserbrücke am Pang.

Bürgermeister Dr. jur. Joseph Rütgers (1905-1913) berichtete ferner wie der Verkehrsausschuss unter Benutzung der großen Feuerwehrleiter auf der Moorenhöhe einen Gesamtrundblick über die Stadt genossen haben, wie man ihn sonst nirgends finden kann.

Der Turm wurde von vielen Eupenern und auch Fremden bestiegen, jeder wollte Eupen einmal „aus der Luft“ sehen oder einen Fernblick zum Venn werfen. Ganze Schulklassen zogen mit ihren Lehrpersonen dorthin, und nicht selten war diese Turmbesteigung ein beliebtes Aufsatzthema. Oben auf der Plattform des Turmes fiel immer wieder der Ausspruch: „De Utsecht hei es fin. Su fin we a gene Rhin“.

Aus dem Holz der Brücke am Pang wurde der Aussichtsturm auf der Judenstraße zwischen dem 12. und 19. September 1909 fertiggestellt. Viereckig an seinem Fuß, verjüngte er sich nach oben zu einer überdachten, abgestumpften Pyramide. Treppen im Innern führten zu den Plattformen. Von hier aus erfreute man sich eines einzigartigen Panoramas. Der schöne Aussichtsturm auf der Judenstraße wurde von vielen Eupenern und auch Fremden bestiegen. Jeder wollte Eupen einmal „aus der Luft“ sehen oder einen Fernblick zum Venn werfen. Ganze Schulklassen zogen mit ihren Lehrpersonen dorthin, und nicht selten war diese Turmbesteigung ein beliebtes Aufsatzthema. Der Schlüssel der Turmtür wurde beim Turmwächter Kreusch aufbewahrt. Er hing an einem Brett in der Küche, und die damalige Jugend erfand immer wieder neue Tricks, um „Krüsche Fin“ abzulenken und in den Besitz des Schlüssels zu gelangen. Eine Gratisbesteigung des Turms war immer ein besonderes Ereignis für die Jugend.

Im Krieg 1914-1918 wurde allen Zivilisten der Zugang zum Turm verboten. Er diente nur mehr militärischen Zwecken. Große Fernrohre auf der oberen Plattform ermöglichten einen weit größeren Ausblick „nach dem Feind“. Nach dem Krieg verschwand dann der Turm so plötzlich, wie er gekommen war. Das Holz der Brücke am Pang war morsch geworden, und der Turm drohte zusammenzubrechen, der Abbruch des Aussichtsturmes oberhalb der Moorenhöhe konnte nicht mehr aufgehalten werden. Zehn Jahre hatte Eupen einen Aussichtsturm.

 

Malakoff

ursprünglich volkstümlicher Name für die Moorenhöhe. Malakoff war eine Festung vor Sewastopol, die im Krimkrieg 1855 von den Franzosen erobert wurde. Am Haasberg ließ der Verschönerungsverein ab 1883 Erdaufschüttungen vornehmen, um eine Aussichtskanzel zu schaffen. Der Hügel wurde von den Eupener "Malakoff" genannt. Später erhielt die durch Mauern befestigte Kanzel den Namen "Moorenhöhe".


41. Erinnerungen an einen Eupener Aussichtsturm

An mehreren Tagen vor der Freigabe des Holzturmes veröffentlichte Bürgermeister Rütgers nachstehende Bekanntmachung: „Der vom Städtischen Verkehrsausschuss errichtete Aussichtsturm an der Judenstraße kann von Sonntag, dem 19. dieses Monats, an bestiegen werden. Die Besteigung ist nur gegen Lösung einer Karte beim Turmwärter, Herrn Viktor Kreusch, zulässig. Kinder haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt. Einzelkarte: 20 Pfg. 1 Dutzend Karten 1,20 Mark. Mehr als 30 Personen dürfen den Turm nicht gleichzeitig besteigen.“

Der erste Tag der Turmbesteigung durch die Bevölkerung sollte auch Anlass zu verschiedenen Festlichkeiten geben. Für morgens 11.30 Uhr war unter der Haas ein Kurkonzert des Harmonie-Musikvereins vorgesehen. Am Tag vor der Einweihung schrieb der Lokalreporter in den „Eupener Nachrichten“: „Hoffentlich ist das Wetter morgen günstig. Wir machen darauf aufmerksam, dass die einzige Gelegenheit, einmal ganz Eupen überschauen zu können, nur mittels des Aussichtsturmes geboten ist. Zu einem Fesselballon oder zu einem Luftschiff, von dem aus die Aussicht zu genießen wäre, haben wir es noch nicht gebracht. Wir wollen es begrüßen, dass der Verkehrsausschuss uns einstweilen den Turm erbaute. Der städtische Verschönerungsverein hat zu den Erbauungskosten, den hohen Betrag von 400 Mark bewilligt.“

Sonntag, 19. September 1909, sollte also der Tag der Einweihungsfeierlichkeiten werden. Das Wetter war aber sehr schlecht und eignete sich absolut nicht zum Besteigen des Turmes. Das Kurkonzert der Harmonie unter der Haas fiel aus, und der Cäcilienchor von St. Joseph, der mit seinen Sangesbrüdern aus dem Dekanat den Turm besteigen und dann in luftiger Höhe ein Liedchen zum Besten geben wollte, konnte sein Vorhaben auch nicht verwirklichen. Der Regen war an allem Schuld. Alle Festlichkeiten wurden abgesagt. Am darauffolgenden Montag war das Wetter besser; einer der ersten „Gipfelstürmer“, der vom Turmwärter Kreusch ein Fernrohr erhielt, schildert sein Turmerlebnis wie folgt:

„Mit einem Feldstecher, den mir der Turmwärter freundlich mitgab, habe ich die Ausschau genossen, und ich empfehle Dir ebenfalls einen Besuch des Turmes. Zwar ist er 16 Meter hoch, doch Du überzeugst Dich, dass er fest und stark gebaut ist, die Stufen sind bequem, wie Du die einzelnen Terassen ersteigst, so wird der Blick weiter und weiter, bis oben hoch – ein Gefühl des Schwindelns überkommt Dich nicht – Du den weiten herrlichen Rundblick genießest! Warum hat der Verschönerungsverein zu den Kosten des Baues 400 Mark beigetragen? Wohl zunächst in Anerkennung der Bestrebung zur Hebung des Fremdenverkehrs, dann aber auch deswegen, weil der Turm Gelegenheit dazu gibt, die ganze Schönheit der Stadt einmal zusammengefasst zu bewundern. Dabei durfte der Verschönerungsverein nicht fehlen. „Oben flattern die Fahnen. Die vier Holzstangen werden vielleicht nochmals eine weitere Bekrönung des Turmes zu tragen haben. Gefällig und schlank steht er da: hoffentlich wird er nicht allein von den Einheimischen, sondern recht oft von den fremden Besuchern bestiegen. Denn Eupen ist ja Kurort und Sommerfrische, es soll viele Gäste anziehen. Möge in Zukunft der Turm ein Haltepunkt zahlreicher Ausflügler sein.

Doch die Ausflügler, Sommerfrischler und auch die Eupener selbst müssen neben dem Blick auf Naturschönheiten auch andere Dinge beachten: alles kostet Geld, auch das Besteigen eines Aussichtsturmes. Darum sei ausgedrückt, dass der Zutrittspreis von 20 Pfg. vielen etwas hoch erscheint. Gemildert wird die Sache allerdings dadurch, dass Kartenblocks zu ermäßigtem Preise verkauft werden; aber man darf überzeugt sein, dass der Besuch viel zahlreicher sein wird, wenn der Zutritt – besonders jetzt anfänglich – zu geringerem Satz gestaltet ist; obwohl es ja anderswo Türme gibt, die keine solch schöne Aussicht wie die hiesigen bieten, zu denen das Besteigungsgeld nicht höher wie hier angesetzt ist.“


40. Der Aussichtsturm am Moorenhügel

Man zählte das Jahr 1909. Dr. jur. Joseph Rütgers war Stadtoberhaupt. Sein Vorgänger, Theodor Mooren, hatte aus Eupen eine grüne Stadt gemacht. Überall, wo sich nur die Gelegenheit bot, hatte der „Baumtheodor“ Bäume und Sträucher anpflanzen lassen. Die großen Volksfeste, vornehmlich die Waldfeste, hatten ihr Ziel erreicht: Viele zogen jetzt wieder an Sonn- oder Feiertagen hinaus in Gottes freie Natur.

So war es denn auch nicht verwunderlich, dass man nach Moorens Tod neue Wege suchte, um die Schönheiten der Eupener Landschaft und vornehmlich seiner großen prächtigen Waldungen der hiesigen Bevölkerung und den Kurgästen immer näher zu bringen.

So kam es, dass man sich in der Eupener Stadtratssitzung vom 6. August 1909 mit der Errichtung eines Aussichtsturmes auf der Judenstraße am Moorenkopf befasste. Zur Diskussion standen zwei Projekte, eins aus Eisen und das andere aus Holz.

Eine Eisenkonstruktion würde zwischen 2000 und 3000 Mark kosten, dagegen eine aus Holz und Beton nur 900 Mark. Der Vorstand des Verschönerungsvereins hatte sich erboten, einen Beitrag zu Verwirklichung dieses Projektes in Höhe von 400 Mark zu leisten. Der Verkehrsausschuss, so hieß es, möchte im nächsten Jahr seinen Beitrag leisten, im Augenblick ist er nicht dazu in der Lage, da die Herausgabe seiner Schrift „Der Luftkurort Eupen, geschildert von einem Kurgast“ und der „Pharuskarte“ seine Kasse vollständig geleert hat.

Der Vorschlag, die Stadt möge zum bevorstehenden Turmbau einen Zuschuss leisten, stieß im Stadtparlament auf heftigen Widerspruch. So war es nicht verwunderlich, dass man den Turmbau aus Eisen mit der Begründung „zu teuer“ verwarf. Der Lokalreporter der damaligen Zeit schreibt über das Holzbauprojekt: „Selbst der Genehmigung zur Überlassung des Holzes von der abgebrochenen Brücke im Pang wurde durch den Beigeordneten Peters widersprochen. Diese wurde aber erteilt mit 10 gegen 6 Stimmen. Ein Geldbetrag seitens der Stadt wurde nicht bewilligt.“

Stadtverordneter Peters hatte noch weitere Bedenken gegen die Errichtung des Aussichtsturmes, da nach seiner Ansicht der Turm auch abgeschlossen werden müsste, weil sonst jede Woche „mindestens ein Kind von oben herunter fiele“. Die gleichen Bedenken hatten die Herren Becker und von Asten. Stadtverordneter Gilles wies darauf hin, dass auch ein „Automatverschluss“ angebracht werden könne, „der nach Entrichtung eines Obolus sich öffne“.

In dieser Sitzung einigte man sich auf die Höhe des zu erhebenden Betrages für die Ersteigung des Aussichtsturmes. Der Bürgermeister hatte 20 Pfennig vorgeschlagen, die Versammlung stimmte aber für 10 Pfennige.

Kurz darauf begann man mit dem Bau des Aussichtsturmes auf der Judenstraße. Am 11. September 1909 stand dann folgende Lokalnachricht in der Tagespresse: „Auf der Judenstraße erhebt sich schon der neue Aussichtsturm. Er wird wohl für Sonntag, den 19. diesen Monats, wenn die Generalversammlung der Cäcilienvereine hier stattfindet, bestiegen werden können. Wie versichert wird, soll die Aussicht vom neuen Turm großartig sein: Man kann ganz Eupen überschauen. Dazu reicht der Blick über die weite Gegend.“


39. Der Schuster vom Berg

Geboren wurde Karl Willems, der Schuster „va bater gen Bärreg“, am 18. Januar 1915 in der unteren Bergstraße als zweiter von drei Söhnen der Eheleute Nikolaus Willems und Barbara Theves. Später wohnte die Familie in der unteren Neustraße, wo er eine schöne Kindheit verbrachte. Mit 14 Jahren begann er eine Schuster- und Schuhmacherlehre bei seinem Onkel Nikolaus Theves in der oberen Bergstraße, zu einer Zeit, als in Eupen noch 35 Schuster tätig waren. Er liebte seinen Beruf und eröffnete 1934 eine eigene Schusterwerkstatt auf dem Rotenberg, gegenüber der Pferdetränke im Ortsteil „än Tebaten“. 1940 heiratete er Fini Engels aus dem Bellmerin. Nach Kriegsende zogen Karl und Fini um, in den Ortsteil „bater gen Bärreg“. Dort richtete im Haus Am Berg 46 seine Schusterwerkstatt ein. Er liebte es, sich mit seinen Kunden zu unterhalten und war um keine Jeckerei verlegen. Auch Kinder brachten ihm gerne Schuhe zum Flicken, weil er immer zu Späßen aufgelegt war. Er schenkte ihnen alte Gummiabsätze für das „Hickhäuschen-Spiel“ oder machte zu Karneval den kleinen Cowboys Pistolentaschen und malte ihnen eine Schnauzbart aus hartnäckiger Lederschwärze ins Gesichtchen, der, zum großen Leidwesen der Mütter, nach am Aschermittwoch zu sehen war.

Schon in seiner Jugend hatte Karl gerne Sport getrieben. Er gehörte seit 1923 der Turnerriege des Jünglingsvereins an. Später war er in der Turn- und Sportvereinigung (TSV) als Turnwart tätig. Das Turnen am Reck war seine Leidenschaft. In dieser Disziplin gewann er etliche Preise. 1960 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Eupener Leichtathletikclubs (LAC), für den er sich als Vizepräsident sehr engagierte.

55 Jahre lang, bis zu seinem Tode war er begeisterter Sänger. Er war Mitglied im Kirchenchor an St. Nikolaus, dem er viele Jahre als Präsident vorstand. Er war ein tiefgläubiger und auf Gott vertrauender Mensch. Er ließ weder eine Chorprobe noch sonntags das Hochamt aus. Gerne organisierte er für den Chor Weihnachtsfeste mit Theateraufführungen oder Turnerriegen und Büttenreden bei Karnevalsfesten. Spaß und Religiosität wurden stets kombiniert.

Ein weiteres Hobby war der Fastovend. Schon in seiner Jugend war dieser ein fester Bestandteil seines Lebens. Als Straßenkarnevalist zog er mit den Nachbarn vom Rotenberg und der Bergkapellstraße durch die damals noch zahlreichen Eupener Wirtschaften. Er spielte Mandoline, seine Freunde „Kwéttschbüül“ und Gitarre. Immer hatte er passende Liedchen parat, um die Leute zum Lachen zu bringen. Mit dem Quartett »De veer Aunderbotze« wurde er überall eingeladen, um besonders das Liedchen »Hott Ööpe än Ihre« vorzutragen, das im Volksmund besser als »De Värkesvott« bekannt ist. Aus dieser kleinen Gruppe entstand die Karnevalsgesellschaft „Berger Block“. In den 1950er und 1960er Jahren baute er mit seinem Bruder Klaus, seinen Vettern Peter und August Mennicken und Hein Rennertz schöne Karnevalswagen. An allen vier Karnevalstagen war die lustige Truppe mit ihrem Gefährt im Eupener Straßenkarneval unterwegs.

Nun zu seiner nächsten Leidenschaft: Das Theaterspielen. Schon vor 1940 spielte er Theater im Jünglingsverein und bei Kirchenchorfesten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Mitglied der „Theaterfreunde“, erst als Schauspieler, später als Präsident. Seine Vorliebe für die Eupener Mundart brachte er in mehreren Theaterstücken zum Ausdruck, wovon er einige selbst geschrieben hat oder vorhandene ins Öüpener Platt übersetzte. Zu nennen wären z.B. „Et gruet Lott“ und „Dr Schuster Lenn“. Auch für Hochzeiten, Geburtstage und Klassentreffen schrieb er Gedichte in Hochdeutsch oder auf Platt. Nach seinem Tode fanden die Erben ein kleines Tonband, das er mit all seinen Gedichten besprochen hatte, als Erinnerung für seine Enkel. Die Stadt Eupen brachte 1989 ein Buch mit diesen Gedichten und Liedern heraus. Später wurde dann eine CD hergestellt mit dem Titel „Hott Öüpen än Ihre“.

1958 ging Karl Willems in die Gemeindepolitik: Zunächst bei der CSP, dann bei der Bürgerliste „Stadtinteressen“ (SI). Auf Ebene der Gemeinschaftspolitik war er Mitgründer der PDB. Von 1959 bis 1977 war er Präsident des Öffentlichen Sozialhilfezentrums. In seiner 18-jährigen Amtszeit wurde das alte Waisenhaus am Rotenberg abgerissen und ein neues Alten- und Pflegeheim gebaut. Am Limburger Weg entstanden die fünf Kinderhäuser.

Kurz vor seinem Tode, am 27. März 1986, verlieh die Stadt Eupen ihm die August-Tonnar-Plakette als Anerkennung für seinen unermüdlichen Einsatz zur Pflege und Erhaltung des Eupener Brauchtums.


38. Unsere Liebe Frau von Luxemburg im Waisenbüschchen

In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen errichteten im Josephsheim tätige luxemburgische Schwestern im Waisenbüschchen eine kleine Gebetsgrotte mit dem Bild der lieben Frau von Luxemburg. Im Laufe der Jahre wurde die Grotte verschönert und vergrößert, nachdem immer mehr Menschen dorthin zogen, um Maria ihre Anliegen vorzutragen und um Erhörung zu flehen. Besonders in den ersten Jahren nach dem Krieg pilgerten viele Frauen und Mütter zu der Grotte, um für eine baldige Heimkehr ihrer noch in Gefangenschaft befindlichen oder vermissten Männer und Söhne zu beten. Vor allem aus dieser Zeit zierten viele Votivtafeln und alte Rosenkränze den kleinen Gnadenort, bis derselbe einem Brand zum Opfer fiel, der alles zerstörte.

Inzwischen wurde die Grotte durch eine hübsche Anlage aus Ziegelstein mit schrägem Dach ersetzt, in deren Mittelpunkt wieder das kleine Bild unserer lieben Frau von Luxemburg steht. Auch heute trifft man dort noch immer viele Beter an.


Heute blicken wir an den Rand des Bergviertels, wo sich mit dem Alten Schlachthof ein Kulturzentrum mit regionaler Bedeutung befindet, das auf eine lange Geschichte als 'öffentliches Gebäude' zurückblicken kann, wie wir den unten stehenden Artikeln entnehmen...

 

37. Der Schlachthof am Rotenberg

Vor nunmehr 115 Jahren befasste sich die damalige Schlachthauskommission mit dem Bau eines städtischen Schlachthauses in Eupen. Zu diesem Zweck hatte sie den mit der Ausführung des Bauwerks beauftragten Dürener Architekten Walter Frese eingeladen.
Seit Erlass des Gesetzes über die Errichtung öffentlicher, ausschließlich zu benutzender Schlachthäuser vom 18. März 1868 stand auch in Eupen die Frage einer solchen Anlage auf der Tagesordnung. In dieser langen Zeit sind Projekte erstellt und wieder verworfen worden. Man wird nicht fehlgehen, wenn man die Hauptursache des Nichtzustandekommens derselben auf den Mangel an Wasser zurückführt, unter dem bis zum Jahre 1902 die Stadt zu leiden hatte. Durch die in diesem Jahr vollendete Zuleitung zur Clouse wurde eine ausreichende Wasserversorgung sichergestellt und auch das Wasserwerk in den Stand versetzt, der erheblichen Inanspruchnahme durch einen Schlachthof Rechnung tragen zu können. Die Verwirklichung dieses Projekts in Verbindung mit dem in den Kreisen der Bevölkerung stets lebhafter werdenden Wunsch, eine solche im gesundheitlichen wie wirtschaftlichen Interesse der Stadt gleich bedeutsame Anlage zu erhalten, gab den Anstoß, dieser Frage nunmehr ernstlich näher zu treten und dieselbe zu einem endgültigen Abschluss zu bringen. Am geeignetesten wurde hierfür eine Wiese des städtischen Waisenhauses in den Ettersten befunden.
Eine städtische Kommission besuchte die Schlachthöfe von Düren und Eschweiler, um sich ein Bild von derartigen Anlagen zu machen. Mit der Ausführung des Projekts beauftragte man den Dürener Architekten Frese, der auch den Bau des dortigen, unlängst fertiggestellten großartigen Schlachthofes geleitet hatte. Dieser legte dann die detaillierten Pläne zum Bau eines solchen Hauses in den Ettersten vor. Nach eingehender Prüfung wurden sie von der Kommission angenommen. Diese wurden dann mit den diesbezüglichen eingeholten Kostenvoranschlägen der Stadtverordnetenversammlung vom 22. August 1902 zur Begutachtung und zur Beschlussfassung vorgelegt. Nach den Plänen war vorgesehen, dass die Grundarbeiten noch vor Einbruch des Winters in Angriff genommen werden sollten. In einer geheimen Sitzung des Stadtrates vom 24. September 1902 wurde dem niedrigsten Angebot der Zuschlag zum Bau des Schlachthofes gegeben. Dem Betrieb Max Heck an der Nörether Straße wurde der Auftrag zur Ausführung der Erd- und Mauerarbeiten gegeben. Kostenpunkt: 46558 Mark. Der Schreinermeister Wilhelm Berg, Bergstraße 58, erhielt den Auftrag zur Ausführung der Zimmerarbeiten zum Preis von 8060 Mark.
Am 6. Oktober 1902 erfolgte die Grundsteinlegung. Unweit der Baustelle Ettersten hatte man ein Baubüro errichtet. Ohne unvorhergesehene Schwierigkeiten gingen die Arbeiten zügig voran, so dass am 21. August 1903 der Eupener Schlachthof fix und fertig da stand.
Anhand des »Correspondenzblattes« können wir über die feierliche Eröffnung ausführlich berichten. So schrieb man: »Der gestrige Tag bezeichnet in der Fleischversorgung unserer Stadt einen Wendepunkt, der schon mit Rücksicht auf die spätere Ortsgeschichte eine besondere Besprechung verdient. Das viel ersehnte und viel bekrittelte »Schlachthaus« steht endlich fertig da, und zwar als eine stolze Anlage, die auch einer größeren Stadt als Eupen Ehre machen würde.
Zu der gestrigen Eröffnung des Schlachthofes hatten sich der Magistrat, die Stadtverordneten, die Mitglieder der Fachkommission, die Handwerksmeister, welche Arbeiten für den Bau ausgeführt haben, sowie zahlreiche Interessenten in den Ettersten eingefunden«.
Vor Betreten der Gebäulichkeiten hielt Oberbürgermeister Theodor Mooren (1881-1905) am Haupteingang auf dem Hof eine Festansprache, in der er auf die Bedeutung eines öffentlichen Schlachthofes auch für die kleinste Stadt besonders in gesundheitlicher Beziehung hinwies. Er bedankte sich auch bei den Stadtverordneten, die ihm die Mittel zur Verwirklichung des Werkes bewilligt hätten, und namentlich dem Herrn Beigeordneten Arthur Peters seine Anerkennung aussprach, der während seiner Abwesenheit die Arrondierung des Baugeländes und die Regelung des Stadtbaches so gut geleitet habe.
Nachdem er dann noch dem Architekten Frese, der den Entwurf zu dem Ganzen geliefert habe, dem Ingenieur Wettlaufer, der ständig die Aufsicht über den Bau geführt habe, und allen Handwerksmeistern, welche an den Arbeiten beteiligt gewesen seien, gedankt hatte, überreichte der Bürgermeister dem Schlachthofdirektor Bolsinger die Schlüssel des Schlachthofes und übergab diesen damit dem öffentlichen Gebrauch. Dieser sagte dann in einer Ansprache: ‚Mit dem Antritt seines Amtes übernehme er schwere Pflichten, da sie im Wesentlichen den Schutz der menschlichen Gesundheit bezweckten und deshalb der allgemeinen Wohlfahrt dienten, aber zugleich übernehme er aber auch Rechte, und zwar Rechte, ohne welche jene Pflichten nicht zu erfüllen seien. Er sei sich bewusst, dass diese Rechte ihn zwingen würden, zuweilen in die Privatinteressen der Metzger, die fortan das Schlachthaus zu benutzen gesetzlich gehalten seien, empfindlich einzugreifen. Erfahrungsgemäß habe dieser Umstand in vielen Fällen zu Meinungsverschiedenheiten, zu Anfeindungen, und sogar zu unerträglichen Feindseligkeiten der Gewerbetreibenden dem Schlachthofleiter gegenüber geführt, aber er habe das feste Vertrauen, dass diese Metzgerschaft ihn in der Ausübung seiner Pflichten nicht behindern, sondern ihm vielmehr behilflich sein werde, den Eupener Schlachthof zu einer Stätte friedlicher Arbeit zu machen. Nur dann könne der hohe Zweck der neuen Anlage, einerseits der Gesundheit der Bürger zu dienen, andererseits die gewerblichen Interessen der Metzger zu fördern, errichtet werden.’«
Errungenschaften
Das Gebäude an sich machte mit seinem gediegenen und dabei doch zierlichen Stil einen großartigen Eindruck auf die zahlreich geladenen Gäste. Groß angelegte Blumen- und Grünanlagen waren noch geplant und sollten in Kürze angelegt werden. Das Innere des Gebäudes verriet überall die Verwertung der neuesten Errungenschaften auf dem Gebiet der Technik und der Baukunst. Links vorne am Eingang war das Verwaltungsgebäude mit der Kasse, einem Direktionszimmer, einem Zimmer für die Trichinenbeschauer und hier befanden sich auch die Wohnungen des Direktors und des Hallenmeisters.
Rechterseits befanden sich straßenwärts die Freibank und das Laboratorium, daran anschließend waren die Stallungen für die Fuhrpferde und Zughunde der Metzger. Ging man jetzt geradeaus weiter, so gelangte man zunächst in die geräumige Schlachthalle für Großvieh, Kälber usw. Hier wurden die Tiere durch einen kaum hörbaren Schuss ins Gehirn blitzschnell getötet, sodass jede Quälerei ausgeschlossen war.
Dann wurde das getötete Tier mittels verstellbaren Patentspreizen aufgehangen und dann an einen Laufkran befestigt, durch den es mit größter Leichtigkeit in den Vorkühlraum befördert werden konnte. Nach der Abkühlung kam das Fleisch in die eigentlichen Kühlzellen. Es konnte hier ungefähr drei Monate aufbewahrt werden, ohne seinen Wert als Nahrungsmittel zu verlieren, jedoch war es nach ärztlichem Gutachten am zartesten und schmackhaftesten, wenn es etwa 10 Tage in der Kühlzelle gehangen hatte. Das Fleisch der geschlachteten Tiere wurde auf dem Transportgleis automatisch gewogen.
In der Schweineschlachthalle konnten täglich bis zu 60 Tiere geschlachtet werden. Nach der Schlachtung wurden die Schweine in einem mächtigen Brühkessel abgebrüht und dann fertig zerlegt. Beanstandetes Fleisch kam in besondere, innen so eingerichtete Behälter, dass von Unbefugten nichts mehr herausgeholt werden konnte, wodurch ein Verkauf von schlechtem Fleisch völlig ausgeschlossen war.
Die Kuddelei…
Den Schlachthallen gegenüber befanden sich die Stallungen für Groß- und Kleinvieh sowie die Kuddelei, in der die Gedärme usw. gereinigt werden konnten. Der Darminhalt wurde mit Kalk gemischt und so in ein vorzügliches Düngemittel verwandelt.
Getrennt von den Hauptschlachthallen lagen das so genannte Sanitätsschlachthaus für krankheitsverdächtiges Vieh und das Pferdeschlachthaus. Dann kam noch das Maschinenschlachthaus. Hier waren zwei Dampfkessel, die abwechselnd benutzt wurden, um den Dampf für die dreißigpferdige Maschine zu erzeugen. Diese war mit einer Ammoniakeismaschine gekuppelt, welche täglich 25 bis 30 Zentner Eis liefern konnte. Daneben lag der Raum, wo der Sterilisator untergebracht war. Dort wurde das nicht ganz vollwertige Fleisch gedämpft, um schließlich auf der Freibank verkauft zu werden. Weit hinter den großen Schlachthallen befanden sich die großen Kläranlagen, in welchem die Abwässer des Schlachthofes gereinigt wurden, ehe sie schließlich im Stadtbach einflossen.
Die ganzen Schlachtgebäude waren mit Gasbeleuchtung und Luftheizung versehen. Sämtliche Fußböden waren zementiert und die Wände in den Schlachthallen mit weißen Glasurplatten bekleidet. Überall achtete man auf peinlichste Sauberkeit.
Zur Eröffnung des Schachthausbetriebes hatten der Obermeister der Metzgerinnung einen prächtigen bekränzten Ochsen sowie zwei andere Metzgermeister zwei Mastkälber und ein Schwein dem Schlachthof zuführen lassen. »Die vor den Augen der Besucher vorgenommene Schlachtung des Ochsen vollzog sich mit einer verblüffenden Sicherheit und Schnelligkeit…«. Eine Woche lang konnten interessierte Bürger den neuen Schlachthof, der nach den modernsten und fortschrittlichsten Erkenntnissen errichtet worden war, in Augenschein nehmen.
Die Befürchtungen der Bevölkerung, durch die Anlage und Betriebskosten würden die Fleischpreise erheblich steigen, erwiesen sich als unbegründet. Andererseits kam die Genugtuung zum Ausdruck, eine Einrichtung zu besitzen, deren Zweck die Versorgung der Einwohnerschaft mit einwandfreiem Fleisch bildete.
Die 59 Metzgerläden, die Eupen damals zählte, eine im Vergleich zur Einwohnerzahl sehr stattliche Menge, besaßen noch keine Kühlschränke. Im neuen Schlachthof befanden sich auch die ersten Kühlanlagen. Die ganzen Schlachtgebäude waren mit Gasbeleuchtung und Luftheizung versehen. Die Befürchtungen der Bevölkerung, durch die Anlage und Betriebskosten würden die Fleischpreise erheblich steigen, erwiesen sich als unbegründet.

Kurmilchanstalt und Milchrestauration
Da in Eupen zu Anfang des 20. Jahrhunderts die Säuglingssterblichkeit ziemlich hoch war, beschloss das Stadtverordnetenkollegium am 30. Januar 1906, zur Erinnerung an die Silberhochzeit Seiner Majestät des Kaisers und Ihrer Majestät der Kaiserin eine Säuglingsmilchanstalt in der Kurmilchanstalt am Schlachthof zu errichten. Die Anstalt unterstand der Aufsicht und der Verwaltung der städtischen Armenverwaltung, die Leitung wurde dem Schlachthofdirektor Bolsinger übertragen.
Im Adressbuch und auch in anderen Broschüren stand damals ein ganzseitiges Inserat, in dem es u.a. hieß: „Die Milch wird nur von Kühen entnommen, die der Anstalt gehören und deren Gesundheitszustand einwandfrei ist. Die Bearbeitung der Milch nach Professor Biedert´s Sytem wird auf das Strengste kontrolliert und kommt daher nur in jeder Weise einwandfreie Säuglings- und Vollmilch zur Ausgabe. Bei kranken Säuglingen wird die Mischung nach Anordnung der behandelnden Ärzte vorgenommen.“
Außer Säuglingsmilch wurde auch sterilisierte und Vollmilch zum Hausgebrauch abgegeben. Ein Liter nichtsterilisierte Milch kostete ab Schlachthof 20, und ans Haus geliefert 25 Pfennige. Für den Milchverkauf ließ die Stadt Eupen eigens dafür geprägte Münzen herstellen, die auf der Vorderseite folgende Beschriftung trugen: Stadt Eupen und die laufende Nummer, die Rückseite wies auf den Zweck dieser Münzprägung hin: 1 Liter nicht sterilisierte Kurmilch.
Die Milchmarken konnte man käuflich erwerben, und alle Auskünfte ob der Milchlieferung erteilten fernmündlich das Bürgermeisteramt unter Rufnummer 82 und der Schlachthof unter Nummer 121. Für Familien, die mit 31 Mark und weniger zur Staatseinkommensteuer veranlagt waren, wurden die Preise ermäßigt. Die Ermäßigung erfolgte auf Antrag.
Lieferung mit Eiswagen
Die Ausgabe der Milch erfolgte an Wochentagen mit dem Eiswagen ins Haus, und zwar zwischen 7 und 12 Uhr morgens. Man erhielt die Milch auch nachmittags zwischen 3 und 5 Uhr am Schlachthof. An Sonn- und Feiertagen wurde nur morgens ins Haus geliefert und am Schlachthof.
Bestellungen wurden im Schlachthof entgegengenommen. Ebenfalls waren Milchmarken zum Empfang eines Liters Milch berechtigt, und diese für längere Zeit zu vorstehenden Preisen käuflich zu erwerben.
„Frische Milch“ auf einem Aushängeschild an einem Eupener Restaurant war zu dieser Zeit keine Seltenheit. Ein Glas frische Kuhmilch nach einer Wanderung war damals selbstverständlich..
Vollmilch war im Eupener Land stets ein beliebtes Getränk. Einige Weidewirte verkauften ihre gesamte Vollmilch oder einen Teil ihrer Milch in Eupen oder Aachen. Sie besaßen Pferd und Wagen und fuhren allmorgendlich in die Stadt. Dort verkauften sie nicht nur die Milch ihres eigenen Hofes, sondern zusätzlich auch Milch, die sie in den Nachbargehöften von Haus zu Haus aufgekauft hatten.
Die Städtische Kinder- und Kurmilch-Anstalt hatte auch eine eigene Milchrestauration, die täglich zwischen 10 und 12 Uhr geöffnet war. Dieser Milchausschank wurde im Sommer besonders den zahlreichen Kurgästen und Passanten empfohlen.


36. Die Kreuzigungsgruppe an der Bergkapelle

Eine der bedeutendsten Kreuzanlagen der Stadt Eupen befindet sich seit mehr als 130 Jahren an der dem Haasberg zugewandten Außenseite der Bergkapelle. Dazu hier unten ein Zeitungsartikel aus dem Jahre 1969 sowie der entsprechende Abschnitt aus dem Buch "Eupen - Eine Stadt im Zeichen des Kreuzes" von Gottfried Loup.


35. Bäckereien im Bergviertel

 

Plaudereien um eine alte eupener Bäckerei

Aus den Erinnerungen von C. Meyers-Michel

Meine Eltern heirateten noch im 19. Jahrhundert, im Jahre 1896. Zunächst führten sie eine Bäckerei in Thebaten, heute Rotenberg genannt … Der Backofen war im allgemeinen viereckig. Er bestand aus nur einem Hohlraum, der Heiz- und Backraum in sich vereinigte. Unser Backofen hatte nur eine Tür, das sogenannte Mundloch, welches sowohl zum Heizen, wie zum Einschieben benutzt wurde. Dieser Ofen wurde direkt geheizt, d.h. die Backware kam auf dieselbe Backfläche, wo vorhin das Heizmaterial abbrannte. Kein Wunder, dass sich manchmal auf der Unterseite des Brotes eine Holzkohle ansässig gemacht hatte und mit eingebacken wurde ... Der Backofen wurde nun mit Holz gefüllt und angezündet. Die weißglühenden Steine zeigten an, dass die nötige Hitze erreicht war. Der Bäcker nahm nun das Dampffass, ein aus Eisenblech gefertigtes Fass mit einem Verschlussdeckel. Er stellte das offene Fass unter das Mundloch des Ofens und schob das zu Holzkohlen gewordene Heizmaterial mit einem Krätzer in das Fass. Dieses wurde nun verschlossen und auf der unteren Bordseite rollend nach draußen befördert ... Die erkalteten Holzkohlen wurden verkauft. Die Hausfrauen benutzten dieselben zum Wärmen der Bügeleisen, zum Anzünden des Feuers. Ja, selbst in der Kirche fanden sie Verwendung, indem man glimmende Holzkohlen in das Weihrauchfass legte … Nachdem das Holz aus dem Ofen entfernt war, wurde dieser mit einem feuchten Tuch, dem Wesch, gründlich gereinigt. Dann nahm der Bäcker den Schiesser aus den Haken, und ein Brot nach dem anderen wanderte in den Ofen.

Die größte Vorbereitung erforderte der Reisfladen. Stundenlang musste der Reis gekocht werden, keine leichte Sache, besonders im Sommer, wenn die Nähe eines starken Herdfeuers grade nicht sehr angenehm war. Der Milch fügte man die entsprechende Menge Reis, Zucker und eine Stange Vanille zu. Nachdem der gekochte Reis erkaltet war, wurden die Eier untergerührt. Wie oft kam es bei gewittriger Schwüle vor, dass die Milch umging! Heute würde man den ersten besten Milchhändler anrufen, und recht bald stände frische Milch bereit. Damals musste man die Milch im voraus bestellen und sie meist selbst holen gehen. Besonders im Winter war es oft ein Problem, mit genügend Milch beliefert zu werden.

Eine Eupener Spezialität war und ist auch heute noch der Platz. Platzteig ist natürlich auch ein Hefeteig. Statt des Stampfzuckers nimmt der Bäcker Würfelzucker, den er in kleinere Stücke bricht, die nach dem Backen im Platz zu finden sind. In den Platzteig kommen auch Rosinen und Korinthen. Der alte Eupener Bäcker nahm zur Hälfte Butter, zur Hälfte Schmalz.

„Kninsköppe“, kleine brötchenartige Kuchen, die aneinanderhingen, backte man aus Platzteig. Die vier zusammengebackenen Kninsköppe nannte man in echt Eupener Mundart „Ne Kröttel Kninsköpp“. Auch die zu Nikolaus oder Weihnachten hergestellten Klosmänner wurden und werden noch heute aus demselben Teig und in allen Größen gebacken. Zu Fastnacht gab es Pöffele, heute nennt man dieses Backwerk Berliner.

 

Liste der Bäcker und Konditoren im Bergviertel nach einem Adressbuch von 1896

Berg, Nic., Haasberg 1

Bong, Heinrich, Bergstraße 57

Bourseaux, Math., Rothenbergstr. 32

Brandenberg, A. Wwe., Olengraben 2

Cloot, Johann S. Wwe., Haasberg 15

Cormann, Nikolaus, Bergkapellstraße 2

Collard, Mathias, Olengraben 1

Derousseaux, Hermann, Bergstraße 129

Emonds, August, Bergstraße 94

Hausmann, Nicolaus, Neustraße 19

Herbrandt, Mathias, Bergkapellstraße 28

Klein, Geschwister, Bergstraße 104

Klein, Johann, Bergkapellstraße 36

Kück, Johann, Bergkapellstraße 66

Kück, Johann W., Bergkapellstraße 19

Kück, Leonard, Bergkapellstraße 48

Lüchem, Geschwister, Bergstraße 91

Michel, Hubert, Rothenbergstr. 40

Michel, Heinrich Wwe., Bergstraße 69

Michel, Leonard, Olengraben 21

Mockel, August, Judenstraße 11

Müllender, Joseph, Haasberg 2

Tilgenkamp, Rudolph, Bergstraße 114

Weinand, Joseph, Neustraße 54


34. Vor 144 Jahren erhielt die Bergkapellstraße ihren Namen

Als die Eupener Stadtverordneten am 25. Juli 1873 beschlossen, die Straßen der Stadt genau zu begrenzen und mit Namensschildern zu versehen, schlug auch die Geburtsstunde der Bergkapellstraße.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man deren unteren Teil zum Te Baaten-Viertel gezählt, während der obere Teil im Bereich der Sankt-Johannes-der-Täufer-Kapelle „op gene bergh“ genannt wurde.

Seit jeher hat die Bergkapellstraße einen höher gelegenen und einen tiefer gelegenen Fahrweg. Der erste dient heute nur dem Anliegerverkehr, der andere dem allgemeinen Verkehr. Getrennt sind die beiden Wege durch eine Böschung, die im unteren Teil, der ehemals zum Te Baaten-Viertel gehörte, mit Rasen, im einstigen Bereich „op gene bergh“ mit Sträuchern und Blumenbeeten bepflanzt ist.

Dass hier zwei Straßen parallel zueinander verlaufen, kommt nicht von ungefähr. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit bildete die Böschung zwischen den beiden Wegen die Grenze zwischen dem Grundeigentum des Herzogs von Limburg und dem des Herrn von Eupen bzw. ab 1648 der Herrlichkeit Eupen.

In alter Zeit reichte der Hertogenwald bis auf die Höhe des Berges, der Eupen in eine Ober- und eine Unterstadt teilt. Der mit Gestrüpp bestandene Bergabhang zwischen dem heutigen Olengraben und der Edelstraße – der Haasberg – bildete den Übergang vom großen herzoglichen Wald zum frühen Eupener Siedlungsgebiet. Ob diese Grenze auch für den doppelten Straßenverlauf in der Judenstraße verantwortlich ist, ist nicht eindeutig erwiesen. Laut einer undatierten Grenzbeschreibung, die vermutlich aus der Regierungszeit der Kaiserin Maria Theresia (1740-1780) stammt, verlief die besagte Grenze damals über die Ibernwiesen. Doch könnte es vorher anderes gewesen sein. Bis zur Abzweigung der Edelstraße – des Äsel – weist die Judenstraße ja eine außergewöhnliche Breite auf.

 

Unter der Nazi-Herrschaft wurde die Judenstraße zur Rötgener Straße

Die Judenstraße war übrigens einer der drei Eupener Verkehrswege, die schon vor 1873 das Attribut Straße im Namen führten. Sie hieß damals „Jöesstroot oder aber Jöestraat“, wohl nach dem Dialektwort für Johann. Dem hl. Johann war ja die Kapelle auf dem Berg geweiht. In Dokumenten aus den Jahren 1580 und 1645/1685 ist freilich schon die Rede von „Jeudestraat“ bzw. „Judestrass“. Unter der Nazi-Herrschaft wurde aus der Judenstraße die „Rötgener Straße“.

Doch zurück zur Bergkapellstraße. Auf dem alten Foto hier unten, das wahrscheinlich Caspar Franken um 1900 geschossen hat, sind die Zwillingsstraßen deutlich zu erkennen. Hier ist zu bemerken, dass die obere Straße, nachdem die Straßenbahnlinie zum Bellmerin ab 1910 ziemlich nahe an deren Einmündung in die Neustraße vorbei führte, durch Steine blockiert wurde, um Unfälle mit Fuhrwerken zu vermeiden. Seitdem wird sie im Volksmund auch „Blockwäig“ genannt.

Dieser höher gelegene Teil der Bergkapellstraße dient nur dem Anliegerverkehr. Manche alte Eupener bezeichnen auch den tiefer gelegenen Teil der Judenstraße vor den Häusern 9 bis 29 als Blockwäig. Auch der Fußweg von der Moorenhöhe zur oberen Edelstraße wird von manchen Blockwäig genannt.

 

Steine verhinderten am „Blockwäig“ die Durchfahrt, um Unfälle mit Fuhrwerken zu vermeiden.

Die Bergkapellstraße bildet seit jeher einen festen Bestandteil des Bergviertels, zu dem auch die Judenstraße, die obere Bergstraße und der Haasberg mit den sogenannten Rahmen gezählt werden. Dieses Viertel auf der Scheide zwischen Ober- und Unterstadt bildete, mit der Sankt-Johannes-Kapelle als Mittelpunkt, seit 1712 beinahe eine selbstständige Pfarre mit einem eigenständigen Dorfleben. Als die Kapelle errichtet wurde, stand die Eupener Feintuchmanufaktur in voller Blüte. In vielen Häusern auf dem Berg klapperten Holzwebstühle, auf denen emsige Weber die Tuche herstellten, mit deren Vertrieb die Tuchkaufleute große Vermögen machten.

1811 beschlossen die „Berger“ die Gründung einer Bogenschützengesellschaft, die sie nach ihrem „Pfarrpatron“ Sankt Johannes-Bürgerschützengesellschaft nannten. Bis 1834 übte man sich auf dem Berg im Bogenschießen, seitdem bevorzugen die Jannder das Kugelgewehr.

 

Das Bergviertel war eine Hochburg des Fasst´oëvents, wovon noch heute die Gesellschaft Berger Block zeugt

1859 wird in den Akten ein „Gesangverein vom Berge“ erwähnt. Wahrscheinlich ging daraus 1883 die „Société chorale en bloc“ hervor, deren Ziel es war, „gesellige Unterhaltung und den Volksgesang zu fördern“. Bereits ein Jahr nach der Gründung organisierte dieser Verein den ersten bekannten Eupener Rosenmontagsumzug. Nach 1886 verliert sich die Spur der „Société chorale en bloc“. 1928 wurde zur Förderung des geselligen Lebens die Gemeinschaft „Berger-Block“ gegründet. Diese organisierte seit 1934 die Karnevalsfeiern im Bergviertel. Aus der Vereinigung Berger-Block ging dann 1949 die Karnevalsgesellschaft Berger-Block hervor, die heute eine der tragenden Säulen des Öüpener Fasst´oëvonts ist.

An der Bergkapellstraße war von 1969 bis 2014 die Französische Schule der Stadt Eupen angesiedelt. Vor dem Ersten Weltkrieg hatten Pläne bestanden, im unteren Bereich des Blockwegs, dort, wo die Eupener Baugenossenschaft anstelle von 1956 abgerissenen romantischen Altbauten 1959 zwei Häuser mit zwölf Mietwohnungen errichtete, ein städtisches Realgymnasium zu bauen. In den 1930er Jahren tauchte diese Idee nochmals auf, doch dann entschloss man sich stattdessen zum Ausbau des Collège Patronné am Kaperberg.


33. Die Geschichte des Waisenbüschchens

Es wird gewiss nur ganz wenige Eupener geben, die noch nie ihren Fuß ins Waisenbüschchen gesetzt haben. Die Kinder kennen und lieben das dortige „Wolfsloch“, ein Tummelplatz hoch oben über der Landstraße nach Membach. Verliebte Pärchen suchen die dortigen stillen Wege auf, um gemeinsame Pläne des Glücks für die Zukunft zu schmieden, während die älteren Menschen vielfach mit ihren Sorgen und Anliegen im Waisenbüschchen zum Gnadenbild der Lieben Frau von Luxemburg gehen.

Waisenhaus und Waisenbüschchen sind zwei Wörter, die aus dem Vokabular des Eupeners nicht wegzudenken sind. Aus dem Waisenhaus wurde jetzt das Josephsheim, aber das Waisenbüschchen hat nach wie vor seine ursprüngliche Bezeichnung behalten. Viele gehen heute zum Waisenbüschchen, ohne jemals über den Sinn der Bezeichnung nachzudenken.

Dieser bewaldete, hoch gelegene Berghang über Weser und Unterstädter Industrie hat eine historisch interessante Bedeutung. Um die folgende Historie des Waisenbüschchens nachzuzeichnen, bedienten wir uns der diesbezüglichen Aufzeichnungen des Postmeisters Rutsch und des Pfarrers J.G. Heinen.

Auf Antrag des derzeitigen Pastors und einer Anzahl anderer Herren von Eupen wurde durch Hofordonanz des Kaisers Karl VI. Vom 17. Juli 1710 gestattet, in Eupen ein Waisen- und Arbeitshaus zu gründen. Die Anstalt wurde in einigen alten Häusern auf der Stelle des jetzt niedergelegten Josephsheims ins Leben gerufen. Zum Unterhalt dieses Heims fehlten größtenteils die Mittel. Das Waisenhaus war fast gänzlich ohne Einkommen, es war auf die Wohltätigkeit der Eupener Einwohner und auf den sehr geringen Ertrag aus der Arbeit der „Zöglinge“ angewiesen. Um aber den Fortbestand dieses Hauses zu sichern, wendeten sich die verantwortlichen Herren 1712 an die königliche Grundstücksverwaltung in Herve, mit der Bitte, ihnen einen Landstreifen in der Oe frei von allen Angaben oder gegen eine nur geringe Gebühr zu überlassen. Durch eine auf Pergament in französischer Sprache ausgefertigte Urkunde wurde dieser Bitte „gewillfahrt“. Die Urkunde lautet in deutscher Übersetzung wie folgt:

Karl, durch die Gnade Gottes böhmischer Kaiser, König von Spanien, Indien, Ungarn, Böhmen, Dalmatien Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund, Brabant und Limburg.

Allen denjenigen, welche dies sehen werden, unseren Gruß.

Wir haben die Bitte des Pastors und anderer Provisoren, welche von uns zur Leitung des Waisenhauses, welches vor ungefähr zwei und einem halben Jahr zu Eupen nach unserem Willen errichtet worden ist, eingesetzt worden sind, empfangen. In dieser Bittschrift wird angeführt, dass unser Gerichtshof für die Provinz Limburg dafür die Regeln und Befehle am 7. März 1711 unter Beifügung einer authentischen Abschrift derselben erlassen hat.

Es ist bekannt, dass die Gemeinde Eupen zum größtenteil aus Handwerkern besteht, welche einzig und allein von der Arbeit ihrer Hände leben, daher ereignet es sich täglich, dass diejenigen derselben, welche sterben, Kinder hinterlassen, welchen alle Mittel zu ihrer Existenz fehlen, die sich alsdann der Bettelei und dem Elende ausgesetzt sehen, welches auch dazu führt, dass dieselben durch diejenigen zu der reformierten Religion, welche sich von Tag zu Tag vermehren, verführt werden.

Die Bittsteller haben, um der Dürftigkeit ab- und der guten Erziehung der besagten Waisen besser nachzuhelfen, ihr Augenmerk auf ein Grundstück, „Oe“ genannt, geworfen, welches an das genannte neu entstehende Haus angrenzt. Dieses Grundstück liegt ganz abgelegen und wird sehr passend und nützlich, für dieselben Waisen sein; ebenso schmeicheln sich die Bittsteller mit der Hoffnung, dass sie mit Hilfe von Frondiensten und guten Leistungen der emsigen Einwohner der Stadt Eupen das Grundstück fruchtbar machen werden, obgleich es gegenwärtig noch ganz unfruchtbar ist und weder hohes Holz noch Schlagholz, sondern nur Gestrüpp trägt, welches für seine Majestät von keinem Nutzen ist. … Wir bewilligen die oben erwähnte Bitte um 11 Bonniers zu Gunsten der römisch-katholischen Waisen oder des obengenannten Hauses in dem Zustande, in welchem sie sich gegenwärtig befinden, um zu dem oben angegebenen Zweck verwandt zu werden und fortan als Bestandteil bei dem genannten Hause zu bleiben; sie nehmen ihren Anfang am Fuße des Marktfleckens Neaux nach Membach hin, an der Wasserleitung (Mühlenteich), die von dem Weserbach gespeist wird, an welcher Leitung vier Mühlen fast in gerader Linie liegen, welche an der vierten und unteren Walkerei endigen, mit drei Bonniers und 375 kleinen Ruthen des Berges, welcher Oeberg genannt wird. Dazwischen ist ein Weg von zwei kleinen Ruthen Breite dem Teiche entlang von einer Mühle zur anderen zu lassen, und der Hauptkasse in Limburg eine jährliche Abgabe von 10 Sols auf jeden Bonnier zu zahlen, welche jährlich am Tage des hl. Andreas fällig ist.

Das Grundstück umfasste zehn Hektar Land in der Oe und mehr als drei Hektar des zum Waisenhaus hin gelegenen Berghanges. Nur ein kleiner Anerkennungsbeitrag war jährlich zu entrichten.

Allmählich und mit viel Mühe wurden die öden Ländereien in der Oe gerodet oder zu Wiesen umgestaltet. Der zum Waisenhaus gelegene Berghang wurde mit Bäumen bepflanzt. Der so entstandene kleine Wald wurde in der Folge „Waisenbüschchen“ genannt, ein Name, den es nun schon rund 300 Jahre trägt. Das Waisenhaus bezog aus seinem Büschchen, wie es aus den Chroniken ersichtlich ist, den größten Teil des benötigten Brennholzes.

Heute weist das Waisenbüschchen einen großen Bestand an prächtigen Eichen auf. Die steil bergan oder bergab sich schlängelnden Wandelpfade verleiten immer wieder zu einem Besuch des hochgelegenen Waisenbüschchens. Die gesunde Luft des nahen Hertogenwaldes erhält man hier „aus erster Hand“. Zu jeder Jahreszeit wirkt das Waisenbüschchen einladend. Die Wege sind stets gepflegt, man hat den Eindruck, als ob hier die näheren Anwohner „ihr“ Waisenbüschchen in einem Bestzustand erhalten möchten. Das St. Josephsheim ist größer und schöner geworden, das Waisenbüschchen trägt nach wie vor seinen alten Namen und präsentiert sich weiterhin als dicht bewachsener Berghang.


32. Endlich war sie da: ...die „Tram“…

1906 kam die sehnlichst erwartete elektrische Straßenbahn nach Eupen, Aachen und Raeren in Betrieb. Ab 1910 rollte die Tram dann auch in den unteren Stadtteil. Benutzer dieses neuen Verkehrsmittels, ein Wunderwerk der damaligen Technik, waren größtenteils in den Morgen- und Abendstunden die Arbeiter, die zu den Betrieben nach Eupen und Aachen fuhren.

Wir können uns heute kaum noch vorstellen, was es für die damaligen Generationen bedeutete, als im Sommer 1906 die erste Straßenbahn zwischen Aachen und Eupen verkehrte. Für die arbeitende Bevölkerung der Dörfer war der Nutzen dieser Verbindung gar nicht abzusehen. Alle Wege mussten damals noch zu Fuß gemacht werden, wenn man von einem Dorf ins nächste wollte; tägliche Fußmärsche der Arbeiter zu den Arbeitsstätten waren an der Tagesordnung, Fußmärsche, vor denen wir heute zurückschrecken würden, waren damals eine Selbstverständlichkeit. Die Kleinbahn wurde denn auch, wenngleich es an Kritiken nach dem Abflauen der ersten Begeisterung nicht fehlte, mit Recht als eine große Verbesserung gewürdigt.

In den ersten Jahren kam es mitunter zu unvorhergesehenen Schwierigkeiten beim Personentransport mit der Straßenbahn. Einmal war es Strommangel, ein anderes Mal war es der Mangel an Straßenbahnwagen, oder auch die „Tram“ war dermaßen überladen, dass in Steigungen an eine Weiterfahrt nicht gedacht werden konnte.

Trotzdem wurde der Ausbau des Straßenbahnnetzes durch die Stadt und zur Unterstadt geplant und schließlich auch ausgeführt. Bei der Planung für den Ausbau der Strecke in Eupen ab Aachener Straße bis Rathaus und ab Rathaus über Pavee- und Kirchstraße, Neustraße, Olengraben bis Bellmerin kam es immer wieder zu mitunter heftigen Auseinandersetzungen in der hiesigen Presse und in den Stadtratssitzungen. So schrieb man u.a.: „Schon die Anlage des Bahnkörpers dürfte große Schwierigkeiten bieten. Wir denken zunächst an die enge Passage im Olengraben, der tagsüber von vielen und schweren Fuhrwerken passiert wird, und in dem zwei Fuhrwerke kaum aneinander vorbei können. Eine Parallelstraße gibt es dort nicht, es sei denn, dass man eine herstellte und auf den Gedanken käme, nämlich die Bahn in Thebaten am Hause des Herrn Kropp vorbei mittels eines Viadukts zur Oestraße und von dort zur Haas zu leiten.“ Die Inbetriebnahme der Stadtbahn zum Bellmerin fand am 2. September 1910 statt.


31. Die gute alte Tram

1901, in preußischer Zeit, wurde mit dem Bau der Kleinbahn (Straßenbahn-)Verbindung von Aachen nach Eupen über Köpfchen begonnen. Erst nachdem 1904 die finanziellen Mittel zum Bau des Eupener Netzes gesichert waren, konnte die Verlängerung durch den Aachener Wald ins Eupener Butterländchen in Angriff genommen werden. Diese wurde 1906 fertig gestellt und führte ab September 1910 auch bis zum Bellmerin. Die Wagen auf der Hauptstrecke Aachen-Eupen verkehrten alle 30 Minuten, und so war die eingleisige Strecke mit Ausweichen schon bei der kleinsten Verspätung überfordert, stauten sich doch die Wagen in den Ausweichen, und weitere Verspätungen waren die Folge.

Durch den Versailler Vertrag kam das preußische Gebiet Eupen-Malmedy 1919 ans Königreich Belgien und somit auch das Eupener Netz der AKG. 1923 übernahm die SNCV (dt. NKG) die Verwaltung. Im Anschluss an den deutschen Westfeldzug im Frühjahr 1940 kam Eupen wieder unter deutsche Verwaltung und die Hauptverwaltung der AKG in Aachen übernahm die Geschäftsführung ihres ehemaligen Eupener Netzes.

Die Linie 54 „Eupen Rathaus – Bellmerin“ führte über 2,6 km mit 3 Ausweichen und mit 11 Haltestellen. Wegen zu wenig Lichtraumprofil an einigen Häuserecken sowie zu engem Gleismittelabstand in den drei Ausweichen durfte nur 25 km/h gefahren werden. Aus Fahrzeug- und Strommangel wurde hier in den letzten Kriegsjahren nur noch im 40-Minuten-Takt mit einem Wagen gefahren.

Nachdem am 11. September 1944 amerikanische Truppen Eupen erreicht hatten, mussten die Eupener Linien ihren Betrieb einstellen. Erst im Mai 1945 wurden die Kleinbahnanlagen wieder der Verwaltung der NKG unterstellt. Allerdings waren Gleise, Bahnkörper und Oberleitungen durch die Kriegshandlungen sehr in Mitleidenschaft gezogen worden, so dass es das ganze Jahr 1945 dauerte, bis der Kleinbahnverkehr wieder laufen konnte. Am 12. April 1953 wurde die Stadtstrecke der Tram nach Bellmerin auf Bus umgestellt.


30. Zum Fest Johannes der Täufer: Aus der Geschichte der Bergkapelle

Der Festtag des Hl. Johannes des Täufers am 24. Juni soll uns Anlass sein, nochmals in die Geschichte der Bergkapelle zurück zu schauen. Wir tun dies mit einem Artikel von Leo Kever aus dem Alt-Eupener Bilderbogen XIX aus dem Jahr 1987, als die Bergkapelle auf eine 275jährige Geschichte zurück blicken konnte.


29. Sicher leben auf dem Berg

Ein Vorteil des Lebens auf dem Berg ist, dass man im Gegensatz zu manchen Bereichen der Ober- und Unterstadt selten mit den Gefahren des Hochwassers zu kämpfen hat. Hochwasser hat es immer wieder in Eupen gegeben, zuletzt im Januar 2011. Doch die Flut vor 64 Jahren war ein Schock für die ganze Region. Feuerwehr, Soldaten und viele Freiwillige versuchten damals zu retten, was zu retten war - nicht ohne Gefahr für die Menschen.

Es war Eupener Kirmes, als stundenlange Gewitter und Wolkenbrüche niedergingen. „Man muss sich vorstellen, ein Bett schwimmt plötzlich über den Küchenherd“, erzählt Leo Kever. „Die Fluten hatten unwahrscheinliche Kraft und nahmen alles mit, was im Weg stand.“ Im Rahmen der Kirmes gastierte auf der Klötzerbahn ein Zirkus. Die Tiere seien mit Mühe und Not aus den Käfigen gezogen worden.

Früher gehörten Überschwemmungen im Eupener Land zu jeder Schneeschmelze, wie auch im Jahr 1911, als in der Karnevalsnacht die Straßen überflutet wurden. Doch das Hochwasser von 1953 war ein Schock – für die ganze Region.

 

Hochwasser: Vor 64 Jahren stand die halbe Weserstadt unter Wasser

Genau zur Kirmeszeit, vor 64 Jahren, kam es über Eupen zu Gewittern mit starken Niederschlägen. Eine verheerende Flut suchte die ganze Oberstadt heim und richtete erheblichen Schaden an.

Damals berichtete das GrenzEcho über das Geschehen im Eupener Land, der starke Regen habe die Weiher auf Buschberg in Kettenis zum Überlaufen gebracht, sodass das ganze Wasser in die Innenstadt floss. Obwohl die Kanalisation in Eupen damals schon ziemlich modern war, waren die Wassermassen zu gewaltig, um ablaufen zu können, und es bildete sich eine gefährliche Strömung. Viele Bewohner, deren Häuser im Zentrum lagen, konnten sich erst in letzter Minute retten, und auch die Kirmesleute, deren Wagen auch damals schon auf der Gospertstraße und der Klötzerbahn standen, hatten es schwer, ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen.

Vor allem aber der Zirkus, der eigens für die Kirmes angereist war, hatte mit der Rettung seiner Tiere zu kämpfen. In letzter Sekunde konnte ein Traktor den Bärenkäfig, in dem sich Muttertier samt Jungem befand, retten. Glücklicherweise forderte die damalige Flut keine Menschenleben, es blieb bei erheblichen Sachschäden.

Zum Vergleich : das Hochwasser vom Jahresende 1916 :


28. Die Dreifaltigkeitsprozession zum Kapellchen im Laschet

Das schön gelegene und von einer stets gepflegten Anlage umgebene Kapellchen am Lascheterweg wurde 1907 erbaut und ersetzte den kleinen verputzten Bruchsteinbau von 1694. Im Keilstein der rundbogigen Tür erkennt man beide Baudaten. „Et Laascheter Kapellje“ ist der heiligsten Dreifaltigkeit geweiht, woran die Dreifaltigkeitsgruppe in seinem betont einfachen Innern erinnert.

Im 19. Jh. war dort mit dem Dreifaltigkeitsfest ein kleiner Jahrmarkt verbunden, bei dem die Verkäufer von Obst- und Zuckerwaren hauptsächlich auf Kundschaft der Jugend spekulierten. Dadurch wurde aber mehr oder weniger die Andacht, die wegen der Raumbeschränkung der Kapelle im Freien gepflegt werden musste, beeinträchtigt. Die Einführung verpflichtender Sonntagsruhe scheint diesen Jahrmarkt aufgehoben zu haben, dessen man sich heute nicht mehr erinnert; nur in alten Zeitungen aus der Zeit findet man ab und zu darüber eine Notiz:

Die idyllisch schön gelegene und zur Sommerzeit viel besuchte Dreifaltigkeitskapelle, gewöhnlich „Et laascheter Kapellje“ genannt, hatte auch am vorigen Sonntag eine große Anzahl von Verehrern der allerheiligsten Dreifaltigkeit angezogen. Vor Jahren war dort mit diesem Feste ein kleiner Jahrmarkt verbunden, wobei die Verkäufer von Zucker- und Obstwaren es hauptsächlich auf die Gunst der Jugend abgesehen hatten. Dadurch wurde aber mehr oder weniger die Andacht, welche wegen der Beschränkung des Raumes der Kapelle im Freien gepflegt werden musste, beeinträchtigt. Die Einführung der Sonntagsfeier, die anfangs strenger noch als nachher gehandhabt wurde, scheint diesen Jahrmarkt aufgehoben zu haben, dessen man sich heute kaum noch zu erinnern weiß.

 

Der alte Bau

In der Pfarrgeschichte von Rektor Heinen steht ein kurzer Bericht über das alte Kapellchen: „Das Lascheter Kapellchen hat die Form eines gewöhnlichen Häuschens, doch sind die Seitenmauern nebst Bedachung nach vorn weiter durchgeführt, um den vor der Tür knieenden Betern Schutz gegen die Unbilden Der Witterung zu gewähren. Nur von der Vorderseite dringt einiges Licht in die Kapelle. Nach der Inschrift am Schlussstein der Türwölbung (M. 1694. K) ist sie vor 200 Jahren gebaut worden. Wer der Erbauer gewesen ist, ist wohl kaum zu ermitteln; es liegt die Vermutung nahe, dass ein Mees Kr… (zwei entsprechende Familiennamen finden sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts) die Kapelle hat errichten lassen. Zur französischen Zeit soll sich in derselben nur eine Altartreppe befunden haben. Bis zum Jahre 1891 war sie mit einem Altaraufsatz ausgestattet, der eine sehr unvollkommene Nachbildung des Hochaltars in der Pfarrkirche war; derselbe ist durch einen anderen ersetzt worden, welcher vorher um Fronleichnam auf dem Markte Verwendung fand.

Eine schöne Dreifaltigkeitsgruppe ist 1893 in der Nische des Altars aufgestellt worden; auch sonst haben gutgesinnte Personen es sich angelegen sein lassen, den Altar mit angemessenem Schmuck auszustatten.“

Auch über das Äußere des kleinen Kapellchens und seiner nächsten Umgebung weiß Rektor Heinen recht anschaulich zu berichten und fährt fort: „Die Kapelle steht unter der Verwaltung des Kirchenvorstandes. Dieser hat die Kapelle im Inneren und Äußeren vor kurzem tünchen lassen, so dass dieselbe nunmehr sich sauber und gefälliger ausnimmt, als dies in früheren Jahren der Fall war. Die geringen Opfergaben, welche sich vielleicht im Opferstock vorfanden, haben vor einigen Jahren freche Diebe veranlasst, wiederholt die Türe zu erbrechen. Umgeben ist die Kapelle von fünf Lindenbäumen, welche vor etwa 50 Jahren zum Ersatz der niedergelegten zwei alten mächtigen Linden gepflanzt worden sind. Am Weg ist ein Kreuz errichtet; zur Seite desselben sind noch zwei Bäume gepflanzt worden.

 

Dreifaltigkeitsprozession

Am Dreifaltigkeitssonntag finden sich viele Eupener nach altem Brauch an der alsdann geöffneten Kapelle ein, um ihre Andacht zu verrichten. Seit den 50er Jahren zieht an diesem Tag in der Frühe bekanntlich eine Prozession von der Bergkapelle aus dorthin; dieselbe wurde auf Anregung von zwei Dachdeckern eingeführt.“

 

Abbruch und Neubau

Im Juli des Jahres 1907 wurde mit dem Abbau des alten Kapellchens begonnen. In der Nähe des Bauplatzes errichtete man eine Notkapelle, die aber nur so groß war, dass man die schöne Dreifaltigkeitsgruppe darin unterbringen konnte. „Obgleich der Opferkasten fehlt, lagen schon einige Geldstücke vor dem Bilde, was beweist, dass der Opfergeist hier keine Schranken kennt. Nur lässt die Spitze des Notbehelfs zu wünschen übrig, indem es doch ein leichtes wäre, etwas Passenderes dort anzubringen. Jedes religiöse Zeichen an noch so einsamer Stelle ist ein Fingerzeig nach oben und geeignet, heilsame Gedanken in dem Wanderer hervorzurufen.“ Dieser Auszug aus dem Lokalteil der „Eupener Bürger-Zeitung“ des Jahres 1907 beweist, dass der Neubau im Laschet im Mittelpunkt des Interesses der Bevölkerung stand.


27. Pferdetränke

Es war einmal eine Zeit, da fuhren ein und zwei PS mit Wagen, Kutschen und Fuhrwerken den Olengraben auf und ab. Da hörte man noch kein Motorengeräusch, kein Hupen, kein Schalten. Die Luft war rein und frisch und nicht wie heute durch Gase vergiftet. Ganz gemütlich ging es von einem Stadtteil zum anderen auf und ab. Nur wenn die Last zum Aufstieg des Olengrabens zu schwer war, wurden ein oder zwei Pferde ab Malmedyer- oder Haasstraße vorgespannt bis Thebaten. Meistens waren die Fuhrleute guter Laune. Sie summten ein munteres Liedchen oder pfiffen eine bekannte Weise, indem sie peitscheknallend ihr Gespann anfeuerten. Natürlich konnten sie auch furchtbar fluchen und schelten, wenn die Pferde nicht vorwärts wollten. Selten traf man Fuhrleute, die ihre Pferde misshandelten. Das mussten schon Rohlinge sein, die bald im Städtchen als solche bekannt waren.

In Thebaten wurde haltgemacht. Dort stand eine Pferdetränke, ein Werk des Eupener Bildhauers Stüttgen. In der Mitte war ein großes Becken, eingefasst von zwei rechteckigen Pfeilern. Über dem Mittelbecken sah man einen wasserspeienden Kopf. Die Vorderseite der Pfeiler war mit einem Pferdekopf verziert. Seitlich befanden sich tiefer liegende kleinere Becken. Auf dieser Seite konnte man einen Hundekopf wahrnehmen, wodurch man auf den Zweck dieser Becken schließen konnte. Sie dienten dazu, den Durst der kleineren Vierbeiner zu stillen. Rund um das Mittelbecken stand in schönen Buchstaben ausgehauen: „Diese Gabe werde zur Labe“.

Die Pferdetränke war also das Rendez-vous der Tiere und ihrer Führer. Im Sommer wie im Winter herrschte hier reges Leben. Mensch und Tier ruhten aus, und wenn die Tiere ihren Durst stillten, taten die Fuhrleute dasselbe in dem an der Ecke der Neustrasse gelegenen Restaurant. Selbst die dreisten Spatzen benutzten die Gelegenheit, etwas zu ergattern; denn die Pferde ließen ja oft auf dem Boden duftende, rauchende Nahrung zurück. Wenn sie auch noch mit Hafer gestärkt wurden, dann wagte sich gar mancher gefiederte Freund bis auf den Futterbeutel seines großen Kameraden.

Es war ein friedliches, schönes Bild an der Pferdetränke in Thebaten, und manches Erlebnis, mancher Witz wird wohl dort erzählt worden sein. Erbaut im Jahre 1910 hat die Pferdetränke 1934 verschwinden müssen. Dem stetig wachsenden Verkehr war sie ein Hindernis.

1992 wurde die Pferdetränke nach den Plänen des Originals wiedererrichtet. Es stellte sich jedoch die Frage, wie man denn wieder zu einer Pferdetränke kommen sollte; die alte hatte ja schließlich den Krieg nicht überlebt. Außerdem war bei der Stadt kein Bildmaterial dieses prachtvollen Brunnens vorhanden, der dem ganzen Viertel den Namen „a gen Pferdetränk“ gegeben hatte. So spielte man zwar lange Zeit mit der Idee der Wiedererrichtung, schob die Realisierung aber immer wieder vor sich her, bis feststand, daß Stadt Eupen in diesem Jahr 1992 Belgien beim Blumenwettbewerb vertreten sollte. Das war der Auslöser intensiver Planungen. Die erste Schwierigkeit bestand darin, gutes Bildmaterial des Originals zu finden. Ein im Grenz-Echo veröffentlichter Aufruf an die Bevölkerung erbrachte dann sofort mehrere Fotos, worüber sich die Planer im Eupener Bauamt natürlich sehr freuten, denn ohne die Hilfsbereitschaft der Bürger wäre das ganze Projekt schon hier beendet gewesen. Wenn auch alle eingegangenen Bilder Ausschnitte oder Abzüge einer einzigen Aufnahme von Photo Franken waren, ermöglichten sie dem Bauamt doch die Erstellung originalgetreuer Konstruktionspläne. Mit diesen Plänen und die Fotos ging die Firma "Blanc de Bierges" ans Werk. Am 10. August 1992, 84 Jahre nach ihrer ersten Einweihung, wurde die Pferdetränke wieder neu aufgebaut. Das Projekt wurde auf Anfrage der Stadt von mehreren Service-Clubs unterstützt.


26. Moorenhöhe

Ein schöneres und gepflegteres Stadtbild erhielt Eupen ab 1881 durch die Gründung des Verschönerungsvereins. Der Verein bezweckte die Herstellung und Unterhaltung von öffentlichen Promenaden, Ruhesitzen, sowie aller solcher Anlagen innerhalb der Bürgermeisterei Eupen, welche zur Bequemlichkeit und Annehmlichkeit der Besucher und Einwohner Eupens und seiner Umgebungen beitragen können. Der Verein arbeitete unter der tatkräftigen Leitung von Bürgermeister Theodor Mooren (1881-1905).

Oberbürgermeister Mooren, der fast 25 Jahre an der Spitze des Eupener Stadtrates stand und sich größter Beliebtheit bei der Arbeiterbevölkerung erfreute, ist in die Annalen der Geschichte als der große „Stadtgärtner“ eingegangen. Überall, wo sich die Gelegenheit bot, irgendeinen Baum oder Strauch anzupflanzen, ließ Oberbürgermeister Mooren die Gelegenheit nicht verstreichen, aus Eupen eine grüne Stadt zu machen. Der 1881 gegründete Verschönerungsverein leistete Theodor Mooren bei diesem großen Grünplanprojekt Schützenhilfe.

Im Lauf des 19. Jahrhunderts wurden eingeführt: Färbereien und Gerbereien, Seifen- und Maschinenfabriken, Eisengießereien, Getreidemühlen, Kalkbrennereien und Bierbrauereien, die alle sich bald einer gewissen Blüte erfreuten. Nicht zu vergessen den Handel mit Getreide, Futtermitteln, Tuchen und Holz und so manches andere. Doch wurde in Eupen neben dem Nötigen und Nützlichen auch das Schöne nie ganz vergessen. Ein glänzendes Zeugnis dafür ist z. B. die Moorenhöhe mit ihren Anlagen.

Die Moorenhöhe wurde 1883 angeschüttet, terrassenförmig durch Mauerwerk gestützt, wie ihr unterster Teil im Olengraben, und zum Aussichtspunkt umgebildet. Die Moorenhöhe, auf Haasberg gelegen, war bis 1891 ein öder und kahler Abhang ohne Baum und Strauch, an dem auf zwei Seiten mehrere waagerecht eingeebnete, stufenförmig übereinander geordnete schmale Erdabsätze geschaffen worden waren, welche (ähnlich wie auf Heidberg) dem Aufhängen der Tuche in ihren „Rahmen“ und ihrem Trocknen dienstbar gemacht wurden. Die Eigentümer von Grund und Boden bewog Oberbürgermeister Mooren, ihren Besitz der Stadt zu schenken, mit der Bedingung, dass er nie verkauft werden dürfe. Nun trat der damals gegründete Verschönerungsverein seine Arbeit an. Nun wurde zunächst auf beiden Seiten gute Erde angefahren und alles zur Bepflanzung des Hügels vorbereitet, die bei dem felsigen Untergrund keine leichte Sache war. Später wurde der Hügel durch ein schönes Mauerwerk befestigt. Zuerst waren die aufgeschütteten Erdmassen nur von starken Baumstämmen gehalten. Eines Tages aber gaben sie nach, und es gab einen Bergrutsch im kleinen, indem die Erdmassen sich zum Olengraben hinabwälzten. Der Vorbau erhielt darauf bei seiner Wiederherstellung als Untergrund das bereits erwähnte feste Mauerwerk, das noch heute steht und von einem hübschen Eisengitter gekrönt ist, das ein unbekannt gebliebener Gönner dem Verschönerungsverein stiftete. Erst zu Beginn des Jahres 1930 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, die Moorenhöhe weiter auszugestalten und zu verschönern. Das schönste Panorama der Unterstadt genießt man von der „Moorenhöhe“ aus (der Murekopp). Dieser balkonartig ausgebuchtete und hübsch ummauerte Bergvorsprung wird immer wieder von Touristen besucht. Kleinere dieser Aussichtshügel, wie auf Binstert (der Knüll), auf der Judenstraße, auf dem Kehrweg pflegte der Volksmund in früheren Zeiten, kurzweg mit „Mureköppkere“ zu benennen (nach C. Meyers-Michel). Der Verschönerungsverein pflanzte an vielen Straßen Doppelreihen von Bäumen. Auch die kahlen Böschungen am Olengraben und Hassberg wurden mit Gras, Sträuchern und Bäumen bepflanzt. Gewaltige Mengen von Bäumen wurden angepflanzt an öffentlichen Plätzen, Straßen und Abhängen, bis 1900 im eigentlichen Stadtgebiet etwa 20.000. Der gleichfalls wüste Heidberg wurde zum Stadtpark umgewandelt.


25. Die alte Schmiede

 

Erinnerungen an eine alte Familientradition

Seitdem vielerorts ein geradezu fieberhaftes Bestreben aufgeblüht ist, Zeugen der Vergangenheit aufzuspüren, sie zu pflegen und der Nachwelt zu erhalten, sind zahlreiche Bauwerke und Kunstgegenstände „entdeckt“ und vor der Zerstörung gerettet worden. Erfreulicherweise dehnt sich auch der interessierte Personenkreis immer mehr aus, so dass altes Kulturgut besser geschützt werden kann als je zuvor. Eines der – gewiss nicht wertvollen, für die Geschichte der Stadt Eupen jedoch besonders markanten – Gebäude ist seit Anfang 1975 von der Bildfläche verschwunden, weil es einem der modernen Wohnsilos weichen musste. Vielen ist sie kaum aufgefallen, die alte Schmiede an der Judenstraße, wo ein heller Klang von Hammerschlägen über dreihundert Jahre lang den Rhythmus des Lebens bestimmt hat. Ihre alten, robusten Mauern verrieten den Passanten mit keinem Zeichen die ehemals gemächliche Betriebsamkeit in einem der eigentümlichsten Viertel der Stadt. Die Einheimischen gingen gedankenlos vorüber, weil jeder die nichts sagende, graue und verrußte Fassade kannte und nichts Aufregendes daran zu finden vermochte. Erst ein Blick in den staubigen und schummerigen Innenraum ließ erahnen, dass man an dieser Stelle einem harten und aussterbenden Handwerk und einer inhaltsreichen Vergangenheit auf der Spur kam.

 

Von Generation zu Generation

Um die fünfziger Jahre des 17. Jahrhunderts entstand auf der Judenstraße eine Schmiede, primitiv eingerichtet und von einem Mann namens Mattar geführt. Er begann an dieser Stelle ein Handwerksgeschäft, da angesichts der vielen Pferde in der näheren Umgebung in kürzester Zeit florierte. Aus der damaligen Zeit ist nur noch wenig über die Tätigkeit in diesem Haus bekannt. Fest steht nur, dass die Schmiede vom Vater auf den Sohn über viele Generationen vererbt wurde und seit ihrem Bestehen im Familienbesitz blieb. Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts – soweit kann sich die heutige Generation noch erinnern – war die Judenstraße die Hauptverkehrsader Eupens, das Zentrum des Dorflebens, weil sich dort die Fuhrleute trafen, ihre Pferde beschlagen oder einen Pferdewagen anfertigen bzw. ausbessern ließen und gleichzeitig das Gesellschaftsleben bestimmten.

 

Alles in Handarbeit

Zu dieser Zeit waren drei Brüder, außerdem ein Schwager und ein Stellmacher dort beschäftigt. Sie kamen den zahlreichen Aufträgen kaum nach, obgleich sie morgens beim ersten Sonnenstrahl schon in der Schmiede standen und abends ihre Schatten noch im Schein der Tran- oder Petroleumlampe an den Fenstern vorbeihuschten. Sie waren alle Meister ihres Fachs und kannten sich in ihrem Beruf ebenso aus wie im Umgang mit Pferden. Ihre Arbeit beschränkte sich nicht allein auf die Schmiede im engsten Sinne, sie waren gleichzeitig ausgezeichnete Pferdekenner, Tierpfleger und fast Ärzte. Auch beherrschten sie das Schreinerhandwerk und waren in jedem Fall lustige Gesprächspartner.

Alles wurde von Hand gefertigt : die Hufeisen, das Werkzeug, Radbeschläge, Karrengestelle, die großen Holzräder, die Speichen und Naben, eben alles, was zu Pferd und Wagen gehörte. Auf einer uralten Drechslerbank, die von zwei Arbeitern mit einem Schwungrad betrieben wurde, entstanden die Einzelteile für einen Pferdewagen. Bei dieser manuellen Herstellung benötigte man allein für zwei Wagenräder zwei Wochen – heute wäre das eine Arbeit für wenige Stunden. Bis weit hinein in die Judenstraße standen die reparaturbedürftigen Wagen, die angesichts des mühsamen und langsamen Arbeitsvorganges längere Zeit für den Bauern oder Fuhrmann entbehrlich sein mussten. Die Vielzahl der Aufträge und die rund 20 zu beschlagenen Pferde pro Tag ließen die Stellmacher und Schmiede in ihrer Arbeit fast ersticken.

Das Rohmaterial bezog man aus Aachen. Werkzeuge, Nägel und Hufeisen wurden selbst angefertigt. Zwei abgeschlissene Hufeisen ergaben nach fachmännischer Behandlung ein neues! Die Radbeschläge wurden von Hand geschnitten, in zwei großen Feuern erhitzt und dann auf das bereits fertig gestellte Rad gepresst.

Die Hufgröße aller Pferde aus der näheren und weiteren Umgebung war dem Schmied bekannt, und rundherum hingen die entsprechenden Eisen – nach Maß gefertigt – an den Wänden. Geschmiedet wurde in einem durch Kohle geheizten Feuer, das zunächst durch einen handbetriebenen Blasebalg und später von einem Zylindergebläse aufrechterhalten wurde. Die meiste Arbeit gab es im Winter, wenn die Hufgriffe, das vorstehende Ende des Hufeisens, im Eis schneller verschlissen als sonst und jeden Tag neu geschliffen werden mussten. Heutzutage ist das durch die eingesetzten Stollen nicht mehr notwendig.

Die Kunst des Beschlagens bestand darin, die richtige Stelle für den Nagel zu finden und das Pferd nicht zu verletzen. Da alles heiß geschmiedet wurde, war die Verletzungsgefahr vielfach größer, zumal wenn das Eisen nicht genau passte. Die Wandung des Pferdehufes ist nicht dicker als 5 Millimeter, und in diese Wandung wurden die Nägel hineingetrieben. Auch das ist heute vereinfacht, denn Eisen und Nägel werden jetzt „kalt“ angebracht.

Der Tagesablauf eines Schmiedes war ebenso vielseitig wie reizvoll. Allein die kleinen Geschichten am Rande füllten bereits einen großen Teil des Lebens aus .Auch damals wurde bereits möglichst rationell gearbeitet, gemessen an den zu dieser Zeit gültigen Begriffen. Eine große Verdienstspanne gab es nicht; oft sahen die Schmiede statt Bargeld lieber eine Flasche Schnaps, die ein großzügiger Kunde mitbrachte und die dann sogleich geleert wurde… Rechnungen wurden nur einmal im Jahr geschrieben.

 

Ausgezeichnete Pferdekenner

Lambert Mattar, ein nicht mehr als Schmied tätiger Sohn aus der traditionsreichen Familie, dessen Bruder Mathias als letztes Glied in dieser Kette in der Schmiede tätig war, erinnert sich noch sehr gut an die Zeit vor und nach dem ersten Weltkrieg. Mathias und dessen Vater verstanden sich nicht allein auf das Schmieden, sie wurden auch oft um Rat gebeten, wenn es galt, ein neues Pferd zu kaufen oder ein Tier zu pflegen .Zu den Arbeiten in der Schmiede gehörten auch das „Zu-Ader-lassen“, die Pflege von Wunden oder das Schwanz-Beschneiden. Gemeinsam mit den Bauern oder Fuhrleuten besuchte der Schmied die Pferdemärkte von Tongern, Maastricht oder in Deutschland und gab vor seinem Kauf sein meist entscheidendes Urteil über das fragliche Tier. Sein Urteil hatte vor allem deshalb Gewicht, weil man sich auf den Sachverstand des Schmiedes verlassen konnte.

Mittelpunkt des Lebens

Im Stadtbereich Eupen gab es um die Jahrhundertwende bis nach dem ersten Weltkrieg mehr als ein Dutzend Schmieden; wichtigste unter denen war die auf der Judenstraße, wo sich das Gesellschaftsleben Eupens abspielte. Hier traf sich die halbe Stadt, denn hierhin kamen die meisten Fuhrleute aus der Umgebung, die natürlich immer Neuigkeiten zu erzählen wussten. Während die Pferde beschlagen wurden und die Kunden warten mussten, blieb genügend Zeit zu einem gemütlichen Plausch, wobei die obligate Flasche Branntwein die Runde machte.

Die Schmiede war auch der Treffpunkt der Kinder aus der Nachbarschaft, denn im tiefen Staub des verqualmten Raums amüsierten sie sich am besten. Die Arbeiter störte das nicht, im Gegenteil, sie hatten ihre Freunde an dem lustigen Völkchen. Ein weiterer Anziehungspunkt für die Kinder war neben der Schmiede ein privater Tierpark mit Hunden, Ziegen, Katzen, Eichhörnchen und anderen Viechern. Gelegentlich durften die Knirpse auch „mitarbeiten“, beispielsweise den Blasebalg ziehen oder am staubigen Boden die Nägel aufsammeln. Bei dieser Gelegenheit mischte auch hin und wieder ein „geschäftstüchtiger“ Kunde mit, der die aufgelesenen Nägel dann in die eigene Tasche steckte .Diese „Kunden“ kannte der Schmied natürlich unter allen anderen und machte sich eine teuflische Freude daraus, unauffällig einige Nägel aus dem Feuer zu nehmen und sie unter die anderen zu streuen. Anschließend wartete er nur noch auf den Augenblick, da der „Sammler“ sich an dem heißen Metall die Finger verbrannte…

 

Autos verdarben das Geschäft

Während vor 1900 eigens ein Nagelschmied benötigt wurde, um den Bedarf am Nägeln zu decken, und neben Meister Mattar noch mehrere Gehilfen bzw. Stellmacher voll beschäftigt waren, leitete die zunehmende Motorisierung des Straßenverkehrs einen schlagartigen Rückgang des Geschäftsleben auf der Judenstraße ein. Pferdewagen waren kaum noch gefragt, der Pferdebestand (in Blütezeiten über 400 allein in Eupen!) nahm ab, die Kundschaft schrumpfte dementsprechend zusammen. Autos wurden für die Fuhrleute lohnender.

Nach dem ersten Weltkrieg gab es anstelle von von Pferden noch Zugochsen, die gleichfalls beschlagen wurden, nach und nach aber ebenfalls der Modernisierung durch Kraftfahrzeuge weichen mussten. Für die Erhaltung des Berufszweiges in der Schmiede sorgten die reichen Besitzer von Reitpferden sowie die Waldarbeiter, die für die Schlepparbeiten auch weiterhin auf die stämmigen Gäule nicht verzichten konnten. Unterdessen wurden in den fünfziger und sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts ein absoluter Tiefpunkt im Pferdebestand erreicht, bevor der Reitsport einen neuen Aufschwung erlebte und Ende der siebziger Jahre wieder mehr als 300 Tiere im Eupener Stadtgebiet gehalten wurden.

Inzwischen hatte der Schmied auf andere Beschäftigungen umgesattelt, beispielsweise auf Kunstschmiedearbeit oder Reparaturen an Werkzeugen oder Metallgegenständen. Aber davon konnte dieser einst blühende Betrieb nicht leben, und so starb mit dem Tod von Mathias Mattar gleichzeitig eine über dreihundert Jahre alte Tradition, an die inzwischen nicht einmal mehr der Standort erinnert. Ein Stück romantische Vergangenheit ist verschwunden, auf nimmer wieder.


24. Heute ein paar Aufnahmen aus den 'Kindertagen' des Bergviertels...


23. Neustraße, die neue Straße
In früheren Zeiten führte der Weg von der Eupener Ober – zur Unterstadt die steile Bergstraße hinauf und den Haasberg hinab. Um nun die Montjoier Landstraße von der Eupener Oberstadt und der Aachener Straße auf einem weniger ansteigenden Wege erreichen zu können, wurde in der Zeit von 1844 bis 1846 von der Bergstraße aus unter Umgehung des Bergkapellhügels eine neue Straße angelegt, die zunächst Montjoiner Straße und später Neustraße genannt wurde. Die Straße liegt somit in dem Stadterweiterungsgebiet des 19. Jahrhunderts, welches zur Entstehungszeit durch Gründerzeitbauten geprägt ist, und bei späteren Grundstückserschließungen mit Gebäuden im Stil der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts bebaut wurde.

 

Vor 50 Jahren verstarb Martin Berg im Alter von 81 Jahren. Am 3. April 1966 schloss Bergs Lichtspielhaus „Schauburg“ seine Pforten, und das gleiche Schicksal ereilte das „Capitol“ am 1. September 1970. Das Grenz-Echo schrieb damals: „ Das Ende einer Geschichte, die doch eigentlich so gut begonnen hatte. Doch ist es wie im Film: Es gibt nicht immer ein Happy-End“…

 

Am 7. Februar 1963 verstarb der Eupener Kino-Pionier Martin Berg. Den ersten Kinosaal besaß er 1911 schräg gegenüber dem Jünglingshaus. Hier im Apollo-Kinotheater wurden die ersten Stummfilme ausgestrahlt. In der Eupener Residenz „Eupener Hof“ richtete Berg 1924 das Kinotheater „Moderne Lichtspiele“ ein. Schließlich setzte er mit dem Bau des supermodernen „Capitol“ neue Kinomaßstäbe für Eupen. Am 18. Februar 1925 erwarb er an der Neustraße das unter Sequester stehende Grundstück der Fabrikantenfamilie Krantz. Die Eröffnung des neuen Eupener Lichtspielhauses fand Ende Dezember 1933 statt. Im „Werbeblatt“ vom 17. November 1986 stand u. a. geschrieben: „Wie groß Martin Bergs Freude und Stolz gewesen sein muss, als 1933 sein Prunkstück die Pforten öffnete, kann man sich heute kaum vorstellen – Stolz nicht zuletzt auf seine eigene Leistung, denn schließlich hatte er jede freie Minute in seinen Traum investiert. Und wie schnell hätte in den Kriegsjahren dieser Traum wie eine Seifenblase jäh zerplatzen können. Zum Glück gingen diese harten Jahre relativ problemlos vorüber bis auf die Unterbrechungen in den Kinovorführungen während dem Fliegeralarm.“ Mit den Amerikanern zog ein erstes Mal die breite Unterhaltung ins „Capitol“ ein. Die Befreier machten aus dem Kinotheater ein „Erholungszentrum“ und nannten es „The Capitol Recreation Center“. Die US-Boys boten die tollsten Variétéprogramme, anfangs nur für ihre Soldaten, die von der Front zurückkamen und auf andere Gedanken kommen sollten, später für jedermann. In der Blütezeit des Lichtspieltheaters kassierte die Stadtkasse an „Lustbarkeitssteuer“ recht ansehnliche Summen. Ins städtische Säckel flossen 1967 nur mehr 183.304 Franken, während zehn Jahre zuvor noch stolze 416.989 Franken verbucht werden konnten.

 


22. Am 4. Mai feiern wir den Festtag des Heiligen Florian, des Schutzpatrons der Feuerwehr. Die heutige Reportage beschreibt die Geschichte der Brandbekämpfung in Eupen. Unter anderem wird darin ein Einsatz im Bergviertel vor 150 Jahren beschrieben. Daraus entnehmen wir u.a. auch, dass die Judenstraße zu dieser Zeit noch „Jöschstroet“ hieß – ein deutlicher Hinweis auf den Bezug zur Bergkapelle, die dem Heiligen Johannes dem Täufer geweiht ist.

Leider ist der Text der ersten Spalte abgeschnitten, darum hier nochmals der volle Wortlaut zum besseren Verständnis : „Eine romantische Figur im städtischen Leben früherer Jahrhunderte war der Nachtwächter. Im Falle von Feuer und Brand blies er Alarm. Die Mahnung auf Feuer und Licht zu achten, war in früherer Zeit von größter Bedeutung. Das Feuer brannte offen auf dem Steinherd und konnte sich durch herabfallende Kohle und Asche sehr schnell den leichten Fachwerkbauten nähern, so daß es oft zu verheerenden Bränden kam.“


21. Op ge Panorama

Auf dem Wiesengelände auf dem Pfuhl zwischen dem heutigen Stockbergerweg (vorher Goettsche Stiegele bzw. övver gen Wééje) und der Judenstraße sowie Kaperberg legte die Stadt Eupen 1909 einen Spielplatz für alle Schulen an, der auch den verschiedenen Turn- und Sportvereinen zur Verfügung stand. In den 1920er Jahren nannte die Bevölkerung diese Sportwiese, auf der in den 1930er Jahren das Städtische Stadion errichtet wurde, op ge Panorama. Das dort nicht immer nur sportliche Aktivitäten stattgefunden haben, zeigen die historischen Aufnahmen hier unten.

 

De Trööt

Auf der Wiesenlandschaft Treut an der oberen Judenstraße befinden sich heute der Fußballplatz des FC Eupen und die Feuerwehrkaserne.



19. Bildstöcke zur Düvelscheidt
Vor 320 Jahren wurden vom Platz der heutigen Bergkapelle aus über den Haasberg nach Düvelscheidt (ungefähr der Standort des Pfadfinderhauses La Rocca/ehemals Jugendheim Unterstadt) Bildstöcke mit den Abbildungen aus der Leidensgeschichte Jesu Christi angebracht. An der Südseite der Bergkapelle ist lange Zeit noch eine Reliefplatte aus dieser Epoche erhalten geblieben.
Man nannte diese Heiligenhäuschen auch Fußfälle. Es waren Vorläufer der heutigen Kreuzwegstationen und Aufbauten mit plastischen Darstellungen aus der Leidensgeschichte, vor denen das Volk zu Füßen zu fallen und zu beten pflegte, wie es die Palästinapilger an den traditionellen Stätten des wirklichen Leiden taten. Die an der Südseite der Bergkapelle eingemauerte und um 1900 ersetzte Kreuzigungsgruppe war vielleicht das letzte Überbleibsel davon. Heute erinnert noch eine Darstellung der Grablegung Christi an der rückseitigen Außenfront der Kapelle an diese Frühform des Kreuzwegs.
Unweit der heutigen Bergkapelle wurden diese Bildstöcke in der üblichen Siebenzahl errichtet. Von deren Verehrung stammt auch der Eupener Ausdruck: für einen Kranken »de sövve Foutfäll besöke«. Die Zeit, wann die Fußfälle »gegangen« wurden, war nicht überall gleich. Gewöhnlich geschah dies während des Todeskampfes eines Sterbenden bzw. nach dem Hinscheiden. In der Regel führten sieben Mädchen verschiedenen Alters diese Gänge aus. Auf dem Eupener Friedhof steht vermutlich noch ein vollständig erhaltener Fußfall aus dem Jahre 1689. Er ziert die Grabstätte einer bekannten Eupener Familie.

Hintergrund
Der Gang zu den Sieben Fußfällen ist eine der ältesten Formen des Kreuzwegs. Von Jerusalempilgern im späten Mittelalter ins Rheinland vermittelt, stellte er einen Bittgang durch die Dorfstraßen oder die Flur dar, wobei an sieben Flurkreuzen, Kapellen oder Heiligenhäuschen, den sogenannten Fußfällen, jeweils einer Station des Leidensweges Christi in Jerusalem betend gedacht wurde. Mancherorts haben sich eigens für den Gang gestiftete Bildstöcke, Passionsszenen darstellend, erhalten.
Seinen Namen erhielt der Bittgang von der Gewohnheit, sich an den einzelnen Stationen mit beiden Knien gleichzeitig zu Boden fallen zu lassen. Die sieben Stationen wurden aber ebenso mit den sieben Hauptkirchen der Stadt Rom in Verbindung gebracht, in denen sich in der Karwoche der päpstliche Stationsgottesdienst vollzieht, woraus sich auch der mancherorts übliche Begriff „Römerfahrt“ herleitet. Man kann im heute üblichen Kreuzweggebet mit seinen 14 Stationen eine Verdopplung der sieben Stationen der Fußfälle bzw. der Römerfahrt sehen.


18. Ende 2012 feierte die Bergkapelle ihr 300jähriges Bestehen, und ein ganzes Viertel feierte mit. Die Ostbelgien-Ausgabe der Aachener Kirchenzeitung berichtete damals ausführlich über das Jubiläum und die damit verbundenen Planungen. Doch Geschichte schreibt sich ständig fort. So wird am Montag, dem 3. April 2017 zum ersten Mal die Communauté von Taizé in der Bergkapelle zu Gast sein, wenn von dort aus der Pilgerweg des Vertrauens quer durch die drei Gemeinschaften unseres Landes starten wird, der mit einem großen Taizé-Treffen in Brüssel seinen Abschluss findet...


17. Am Rande des Bergs

Baate gen Berrech heißt das Viertel Am Berg auf Eupener Platt. Am Berg liegt das Haus Nr. 6, ein Wohnhaus in Sandbruch- und Blaustein. Muschelnische über dem Eingang mit den Worten: MATER DEI O.P.N. Dieses guterhaltene Giebelhaus in Bruchsteinmauerwerk mit Blausteinrahmungen stammt vermutlich aus dem Ende des 17. Jh.

Zu diesem Viertel gehört auch die Gasse a gen Bärch. Das sogenannte Berggässchen, früher bekannt unter den Bezeichnungen Bloumekuhlgätzke oder ä gene Bloumekuhl (im Blumenkohl), Clossetsgätzke (nach einem Anwohner), Onnegätzke (Zwiebelgasse = besagter Anwohner war Gemüsehändler) oder auch Baate Herrgottsvott, weil es sich hinter dem Kreuz an der Bergstraße erstreckt. Neben dem neuen offiziellen Namen »Berggässchen« soll die alte Bezeichnung »Baate Herrgotts Vöttche«, wie die Gasse bis heute liebevoll genannt wird, ebenfalls erhalten bleiben. Zur Einweihung des neugestalteten Berggässchens im Jahr 2008 wünschte sich Dechant Helmut Schmitz, dass Straßen und Gassen zu Begegnungsorten werden können, an denen multikulturelles Miteinander möglich ist.

Am Born: A gene Bore (Am Brunnen) hieß früher der steile Fußpfad vom Viertel Am Berg zu den unteren Ibern.


16. Bergstraße

Unsere Vorfahren gaben schon in frühester Zeit der Erhebung , die den ursprünglichen Ortskern (die Oberstadt) vom Ortsgebiet „unter der Haas“ (die Unterstadt) trennte die einfache Bezeichnung „der BERG“. Sie benannten die Ortslage an seinem Fuße „a gene Berrech“ (Am Berg), den höher gelegenen Teil „op gene Berrech“ (auf dem Berg). Die Bergstraße war der alte Verbindungsweg zwischen den beiden Vierteln. Diese Vierteleinteilung ist älter als die Pfarraufteilung, denn eine unterstädter St. Josefspfarre gibt es erst seit 1872. Die Einteilung in Lathöfe, als Eupen vom Herzog von Limburg abhing, ist bis heute spürbar. Der Stadtbezirk Eupen war in drei Lathöfe (St. Marien, Frambach und Stockem-Eupen) eingeteilt. Am Ort „a gen Loote“, dem alten Bauernhof mitten in der Bergstraße, stießen die drei Lathöfe zusammen. Der obere westliche Teil der Bergstraße bis „a gen Loote“ gehörte zum Lathof St. Marien (der große Teile der heutigen Unterstadt umfasste), der obere östliche Teil der Bergstraße gehörte zum Frambacher Lathof, der sich von Judenstraße und Kehrweg über Kaperberg, Voulfeld und Nispert bis hin zum Wirth, Heidberg und Heggen und der gesamte untere Teil „a gene Berrech“ (Am Berg) gehörte zu beiden Seiten zum Stockem-Eupener Lathof.

Mittelst Ordonnanz vom 10. Oktober 1734 wird den Einwohnern von Eupen das ausgedehnteste Wahlrecht in Bezug auf ihre Neunmänner und Bürgermeister bewilligt. Das Reglement enthält 14 Artikel und es werden in demselben die Einwohner der Orte „die Haas“ und „der Berg“ genannt.

Dass der Berg ein wichtiger Ort im städtischen Leben war geht auch aus folgender Mitteilung hervor : „Unter Trommelschlag wurde am 21. November 1767 auf dem Markt, im Wirth und auf dem Berg bekannt gemacht und an der Pfarrkirche, Berg- und Wirthkapelle angeheftet eine Verordnung über den Verkauf von Backwaaren, - witten broeden ende vontzen (Wecken) – Gebrauch von kölner Gewicht und die Schwere der verschiedenen Brodsorten und Wecken, sowie die Aufstellung eines Tarifs betreffend.“

 

Gegenüber von „a gen Loote“ verlief das Schiere Gätzke, ein einstiger Fußweg von den Ibern zur Bergstraße. 1973 wurde die Gasse ausgebaut und Habsburgerweg benannt. Der volkstümliche Name stammt von der Hebamme Schieren, die dort wohnte.

 

Fänke (Fincke) Ganck

Seitenweg an der Bergstraße, an dem die Häuser 92 bis 100 quer zur Straße stehen. Vor der Tieferlegung der Bergstraße im Jahr 1846 führte dieses, nach einer Familie Fincken benannte Gässchen, zu den den Fußpfaden über die Ibernwiesen.


15. Edelstraße
Bis zur ersten amtlichen Benennung der Eupener Straßen wurde der steile Weg von aunder gen Haas zur Judenstraße einfach Äsel genannt, was soviel wie großer Hügel oder Berg bedeutet. Die Stadtväter machten 1873 daraus die Edelstraße.

Was die Eupener Stadtväter bei ihrer neuen Straßenordnung dazu bewogen hat, dem steilen Weg den Namen Edelstraße zu geben, bleibt für immer ein Rätsel. Wahrscheinlich schätzten sie eine 'Eselsbezeichnung' zu gering ein; obwohl das gute Grautier besonders in den südlichen Ländern seit jeher ein treuer Diener der Menschen gewesen ist.
Offiziell gehört auch der sogenannte Knöckel. Dies ist die volkstümliche Bezeichnung für den unteren Fußweg von der Edelstraße (ä gene Äsel) zur Moorenhöhe. Auch d‘r hu‘ge Haasberg genannt. Am Knöckel liegt ‚de ô Apotiek‘ - so wird das Haus Edelstraße 7 noch heute von den Hääsern genannt, weil sich dort einst die Löwen-Apotheke von Peter Raisin befand.
Op gene Moussel wird das alte Bauernhaus Edelstraße 12 genannt, das ein wenig abseits der Straße im rechten Hang des Äsel liegt. Das Mousselsgätzke führt am Moussel vorbei zur Jugendherberge, zum Ortsteil Panorama sowie zum Schorberg und zur Frankendelle.

Das Bildmaterial zeigt uns den unteren Bereich der Edelstraße mit dem sogenannten Knöckel, ein beliebtes Foto- und Postkartenmotiv in Verbindung mit der oberhalb befindlichen Moorenhöhe. Von Haasberg und Moorenhöhe bietet sich in der entgegengesetzten Perspektive eine interessante Sicht auf die Edelstraße. Eine neuere Aufnahme von den Häusern Edelstraße 9-11 zeigt, dass sich in diesem Bereich kaum etwas verändert hat. Von der Edelstraße hatte auch die Edelklause ihren Namen, ein beliebtes Lokal am Beginn der Haasstraße vis-à-vis der Edelstraße.


14. Rotenberg

Wenn der Straßen der städtischen Umgebung gedacht wird, so kommt vor allem der „Rothe Berg“ in Betracht, denn bei keiner andern lag der Urzustand so im Argen wie hier, keine ist mit so geringen Mitteln auf ihren verhältnismäßig guten Stand gebracht worden wie die Rotenbergstraße. Während in früheren Jahren der Personenverkehr an den kleinen Cloot'schen Häusern vorbei einer ziemlich steilen schiefen Ebene hinunter zunächst durch die erste Ettersten-Wiese, dann unter Benutzung eines über dem Bach liegenden Steges nach Stockem führte, musste das Fuhrwerk den hinter den genannten Häusern heute noch vorhandenen Hohlweg dazu benutzen und in der Nähe des Steges durch den Bach fahren.

Jahrzehntelang war der Rotenberg die Ablagerungsstelle für allen möglichen Schutt und Unrat und bot der Bürgerschaft, namentlich dem bauenden Publikum, weil nahe bei der Stadt, eine willkommene Gelegenheit, sich desselben zu entledigen. Tausende und abertausende Karren sind dortselbst angeschüttet worden, bis das Gelände die jetzige Höhe erreichte, um endlich planiert und chausseemäßig ausgebaut zu werden, um eine wertvolle Verbindung der Ober- und der Unterstadt herbeizuführen. Die Straße konnte allerdings an der Krone breiter und die Steigung durch weiteres Ausfüllen der Mulde vor dem Schlachthofe, die noch sehr aufnahmefähig war, verbessert werden. Dass dies nicht geschehen ist, lag zu jener Zeit an der Stadtratsmajorität, welche einen kleinen Mehrkredit zum Ankauf eines dazu benötigten Streifens aus der Ettersten-Wiese zwecks Erbreiterung der Straßenunterlage verweigerte.

Aus denselben Gründen blieb die starke Steigung für Fuhrwerke in der Nähe des Rotenbergkreuzes bestehen, da dem Oberbürgermeister Becker, der jahrelang sich für dieses Straßenprojekt interessierte, die Inanspruchnahme einer Parzelle aus der anliegenden „Waisenhauswiese“ zur Herstellung einer größeren Serpentine kurzweg verweigert wurde. Auch in der jetzigen Gestalt bietet die Straße ja eine wesentliche Verbesserung und einen schönen, zugfreien und im Sommer schattigen Spaziergang. Bedauerlicherweise drohen die von dem „Verschönerungsverein“ in den Böschungen angepflanzten Tannen, vermutlich, weil des Guten zu viel, einzugehen. Man sieht aber, wie kleinliche Sparsamkeit sich häufig im Leben rächt…

Oberbürgermeister Becker pflanzte entlang der neuen Straße die ersten richtige Alleebäume, und zwar die schönen Linden, welche die Straße vom Hospital bis zur Rotenbergbrücke zierten. Die Fortsetzung dieser Pflanzungen mit anderen Baumarten weiter hinauf datieren aus der Zeit von Oberbürgermeister Theodor Mooren (1881-1905). Mit dessen Amtsantritt trat mit einem Schlage auf dem erwähnten Gebiete ein Wandlung ein.

 

Köttcheshaunderlock

Mit diesem sonderbaren Namen werden die Häuser seitlich und hinter dem Rondell mit der Pferdetränke im Ortsteil Tebaten am oberen Rotenberg bezeichnet. Auf die Pferdetränke selbst kommen wir in einem späteren Beitrag zurück...


13. Karnevals-Hochburg Bergviertel
Schon immer wussten es die Berger, ihre Feste zu feiern. Zu Karneval wurden in der Vergangenheit oftmals gemeinsame Motive ausgewählt, so dass sich das Viertel in Zigeuner- oder Indianerlager, Hafenviertel und vieles andere mehr verwandelte.
Unser Bilderbogen beginnt im Jahr 1930 vor dem Hintergrund der Bergkapelle. Auf der zweiten Aufnahme aus dem Jahr 1938 vor dem ehemaligen Schwesternheim erkennt man den Friseur und Büttenredner Leo Pauquet als Schneewittchen, umgeben von mehreren kleinen Zwergen.
Reges Fastnachtstreiben herrschte im Jahr 1949, dem Gründungsjahr des Berger Block, unweit der Bergkapelle. Mit Quetschbüll und Trommeln gab es hier stets eine tolle Karnevalsstimmung. Dafür sorgten Gruppen wie die auf dem dritten Bild. 1951 zog Prinz Erich I. (Pauquet) mit seinem Prinzenwagen den Blockweg hinunter. Es folgen Szenen aus dem Karneval im Bergviertel in den 50er, 60er und 70er Jahren bis hin zu den Prinzen Ludwig I. (Dohm) im Jahre 1975 und Hans III. (Wertz) 1981, die auch heute noch im Bergviertel aktiv sind.


12. Haasberg

„Die Haas“ ist heute der volkstümliche Name für die Eupener Unterstadt. Ursprünglich aber bezeichnete man mit „Haas“ den Bergabhang zwischen Olengraben und Esel, also den heutigen Haasberg. Daraus ergibt sich auch die Richtigkeit der Bezeichnung „unter der Haas“ für die Talsohle der Unterstadt. Die Flurbezeichnung Haas weist auf einen ursprünglich unkultivierten Abhang hin. So können wir uns auch den Haasberg früherer Zeiten als einen mit Gestrüpp bestandenen Hang vorstellen, der den Übergang zum Hertogenwald bildete.

Die Besiedelung von Haas und Haasberg ist wahrscheinlich auf das 16. Jahrhundert zu datieren. Im Anwesen der Familie Rosenstein am Fuß des Haasbergs fand man ein Stück aus dem Dachgebälk das die Jahreszahl 1568 zeigt. Das Kataster aus dem Jahr 1693 weist bereits 7 Häuser im Haasberg aus.

Im 18. Jahrhundert gab es schon Färbereien im Gebiet der Haas. Zur Ausübung ihrer Tätigkeit mussten sie über ein größeres Gelände verfügen, um die gefärbten Tuche zu trocknen. Die Orte solcher Anlagen sind uns bekannt unter der Bezeichnung „Rahmen“. Die hölzernen Rahmen waren in den Hängen des Schorbergs, des Haasbergs und des Olengrabens aufgestellt. So heißt der Seitenweg vom Haasberg zur Bergkapellstraße noch heute „ä gen Rahme“. Die Häuserzeile 9 bis 15 im dortigen Bereich des Haasbergs belegte der Volksmund mit der Bezeichnung „de Lokomotiv“.

Direkt unterhalb davon befindet sich der „Prummehuck“. Dies ist die Bezeichnung für die gegenüber dem Hause op gene Balkong an der Ausbuchtung des Haasbergs liegende Häuserzeile. „Op gene Balkong“ wird das viergeschossige Haus Nummer 4 mit vorgelagerter Terasse genannt.


11. Winterimpressionen aus dem Bergviertel

Nach dem kurzen Intermezzo vom Samstag ist die weiße Pracht im Bergviertel wieder dahin... "Früher war mehr Schnee!" werden die Älteren behaupten. Die Aufnahmen hier unten scheinen ihnen Recht zu geben...


10. Bergkapellstraße

Bei dem hohen Alter der „Kapelle auf dem Berg“ - sie wurde bekanntlich 1712 an der Stelle eines schon im 17. Jahrhundert erwähnten „Heiligenhäuschens op gene Berch“ erbaut – sollte man auch schon eine frühe „Bergkapellstraße“ vermuten. Das ist jedoch nicht der Fall! Erst bei der Straßenverordnung von 1873 erhielt sie die Bezeichnung. Vorher war ihr unterer Teil dem Ortsgebiet „Tebaaten“, ihr oberer Teil dem „op gene Berch“ (auf dem Berg) zugeteilt gewesen. Die Bergkapellstraße hat einen höhergelegenen und einen tiefergelegenen Fahrweg. Beide Fahrwege sind durch eine gepflegte Rasenböschung getrennt (im oberen Teil seit jeher durch Strauch- und Blumenbeete). Den hochgelegenen Anliegerfahrweg blockierte früher eine Steinsperre zur Neustraße hin; der Volksmund nennt ihn deshalb „Blockweg“ (darauf kommen wir zu einem späteren Zeitpunkt zurück).

An der Bergkapellstraße liegt auch „Op gen Brack“. Auf dieser Flur am Blockweg befindet sich heute das Gelände der ehemaligen französischen Schule.


9. Zum Bergviertel gehört auch die KKG Berger Block, die in diesem Jahr den Eupener Karnevalsprinzen stellt. 1949 gegründet hat sie sich stets dem Bergviertel verbunden gefühlt, wie folgender Auszug aus der Zeitung „Der Block“ zeigt, die vor genau 30 Jahren veröffentlicht wurde.


8. Der Olengraben - Vom Hohlgraben zur wichtigen Verkehrsachse

Der Olengraben ist heute eine der wichtigsten Verkehrsachsen auf dem Gebiet der Stadt Eupen. Dazu wurde er nach der Anlage der Neustraße durch die Lootenfluren in den Jahren 1844-1846, die im Rahmen des Baus der Landstraße Eupen-Monschau erfolgte.

Vorher diente der Olengraben hauptsächlich als Verbindungsweg zwischen dem Haasviertel und dem Oetal; die Oestraße wurde erst 1854 angelegt. Von der Haas führte vorher nur das schmale „Jouchegätzke“ zum Stauwehr des Oeteiches, von dort aus gab es lediglich einen Wiesenweg bis zur Walkmühle der Gebrüder Salm im heutigen Ortsteil „Mon Plaisir“ am Ufer der Weser. Der Fuhrverkehr verlief damals über den Olengraben und die steile Teichgasse (heute Oeberg) die vom Ortsteil Thebaten zur Weser hinab führt.

Aus alten Urkunden ist an der unterschiedlichen Schreibweise des Namens zu ersehen, dass „Olengraben“ aus Hohlgraben entstanden ist. Bei der ersten offiziellen Straßenbezeichnung im Jahre 1873 erhielt die Straße den amtlichen Namen „Olengraben“. Auch das Aussehen des Weges wandelte sich nun. Die Straßendecke wurde höher gelegt und mit Steinen gepflastert, so dass von einem Hohlweg nicht mehr die Rede sein konnte.

Um die Mitte des 19. Jh. betrieb der Fuhrunternehmer August Cremer in der Mitte des Olengrabens eine Gastwirtschaft, zu der vom tief ausgefahrenen Hohlweg zwei Treppenstufen hinaufführten. Die Wirtschaft bot den Fuhrleuten Gelegenheit, sich und ihren Pferden nach Zurücklegung der Hälfte des steilen Anstiegs nach Thebaten eine kleine Verschnaufpause zu gönnen, ehe der letzte „Knepp“ (Knipp = volkssprachlich höchste Stelle des Berges) in Angriff genommen wurde.

1893 ließ die Provinzialverwaltung die Straßendecke des Olengrabens anheben und mit Pflastersteinen stabilisieren. Der Hang des Haasbergs wurde durch eine solide Futtermauer gesichert. Die Treppe vor dem Haus Cremer wurde überflüssig. Deren schön gearbeitete Blausteinwangen und die beiden Prellsteine wurden nach rechts an den Eingang zu den Pferdeställen des Fuhrunternehmers August Cremer und zur späteren Schreinerei Bülles-Cremer versetzt, von wo aus auch der als „Kriemesch Bergelche“ (Kremers Berglein) bekannte Weg ins Oetal abzweigte.

Über das „Kriemesch Bergelche“ wurden vom Oetal aus die Vorspannpferde herangeführt, die besonders bei schweren Langholztransporten erforderlich waren, um das letzte Stück des steilen Anstiegs zu bewältigen. Den Pferden wurde äußerster Einsatz abverlangt. Als die Straße gepflastert war stoben auf dem glatten Belag die Funken von den abrutschenden Hufeisen, die Peitschen der Fuhrleute knallten, um die schweißtriefenden Tiere anzufeuern.

Auf der Höhe des Bergrückens konnten die Tiere sich ab 1910 dann an dem Laufbrunnen laben, der im Volksmund „Pferdetränke“ heißt.

 

OLENGRABEN - KREUZ

Das schmiedeeiserne Kreuz ist vermutlich ein Gedenkkreuz eines Unfalls vom 5. Juni 1863 am Olengraben, bei dem der Fuhrmann Peter Schouffers zu Tode kam.

Am 5. Juni 1863 ereignete sich um 6.30 Uhr im Eupener Olengraben vor dem Haus Nummer 29 ein Unfall, bei dem der Fuhrmann Peter Schoffers ums Leben kam. Nach diesem tödlichen Karrenunfall ließ die Familie Schoffers im Hang des Haasbergs, am Fußweg zur Bergkapelle, einen Gedenkstein errichten. Leider hatte man es unterlassen, den Namen und das Sterbedatum des Verunglückten darauf zu vermerken. Das Korrespondenzblatt des Kreises Eupen berichtet am 5. Juni 1863: „Heute morgen gegen halb 7 Uhr, hatte im Olengraben hierselbst, ein Fuhrmann das Unglück von seinem mit sechs Pferden bespannten Wagen überfahren zu werden, worauf er bald nachher seinen Geist aushauchte.“

 

OLENGRABEN 35 - VILLA

1867 – Das prächtige Villengebäude mit vorgelagertem Platz und historischem Gittertor zur Straße hin gehörte ehemals dem Tuchfabrikanten Peters. Das Gebäude entstand auf den Ruinen der alten Gasanstalt, die in einem früheren Trockenhaus eingerichtet worden war. Das Villengebäude belegt die qualitätsvolle Bauweise für repräsentative Wohnbauten der Jahrhundertwende. Die Gesamtanlage ist bedeutend für die Entwicklung der Lebens- und Wohnverhältnisse der Stadt Eupen.


7. Woher kommt eigentlich die Bezeichnung Waisenbüschchen? Manch einer mag denken, dies habe mit den nahe gelegenen Kinder- und Jugendhäusern des Zentrum Mosaik zu tun haben, doch die Geschichte des Waisenbüschchen reicht viel weiter zurück in die Vergangenheit...


6. „A gen Loote“: An den Lathöfen

 Mehrfach sind Landstücke auf dem Boden der heutigen Stadt von dem Landsherren vergeben worden. Denn dort wo heute die Stadt liegt, gab es jahrhundertelang außer anderen kleineren Lehen drei Lathöfe. Erhalten sind deren Schriftstücke seit dem 16. bzw. 17. Jahrhundert. Da aber Herren von Eupen in anderen Urkunden schon seit dem 13. Jahrhundert erscheinen, bestanden diese Lathöfe schon lange vor dem 16. Jahrhundert.

Aus den im Archiv der Stadt befindlichen Schriftstücken hat man Namen und ungefähren Umfang der drei Lathöfe festgestellt. Nach den erwähnten Schriftstücken gab es den Lathof von St. Marien, den Frambacher und den Stockem-Eupener Lathof.

Der Lathof St. Marien umfaßte, die meisten heutigen Häuser weggedacht, als Nachbar der Herrlichkeit Vreuschemen, etwa: Membach, die Wiesen zwischen Membach und Eupen bis zum Stendrich, Oe, Rotenberg, Thebaten, Haas, Düvelscheid, Schilsweg, Hütte, Esel, Haasberg, den westlichen Teil der Bergstraße bis „a gen Loote“.

Der Frambacher Lathof umfasste im ganzen: Heggen, Gospertstraße, Hook, Wirth, Heidberg, Oberste Heide, Nispert, Kaperberg, Voulfeld, Kehrweg, Judenstraße, östliche Seite der Bergstraße.

Der Stockem-Eupener Lathof umfasste etwa: Overoth, Stockem, Stendrich, Laschet, Lommerich, Gemehret, Nöreth, Hufengasse, Paveestraße, Hostert, Kirchstraße, Marktplatz, Klötzerbahn, Bergstraße mit den östlich gelegenen Gassen, die Ibern und Heukebend.

Diese Dreiteilung zeigt sich später noch daran, dass bis 1795 Eupen in drei Quartiere (Kirchstraße, Gospert mit Wirth, Haas mit Berg) und die Bürgerwehr in drei Kompanien eingeteilt war, dass man seit der Franzosenzeit bis 1873 noch drei Stadtteile (die Sektionen A, B und C) unterschied.

Die drei Bauernhöfe stießen da zusammen, wo sich heute das Gut „a gen Loote“ (an den Lathöfen) an der Bergstraße befindet. Man kann also gewissermaßen behaupten, dass im Bergviertel das Herz von Eupen schlägt...


5. 200 Jahre Bergkapelle

Es ist noch nicht so lange her, da feierte das Bergviertel den 300. Jahrestag der Weihe der Bergkapelle. Sicher werden sich noch viele an die Feierlichkeiten und das damit verbunden Festjahr erinnern! Doch wie sah dies beim 200jährigen Bestehen der Bergkapelle aus? Aufschluss darüber und über die (bauliche) Entwicklung der Kapelle im 18. und 19. Jahrhundert gibt der Artikel hier unten; dazu einige historische Fotografien aus der Geschichte der Kapelle. Übrigens: durch Anklicken lassen sich der Artikel und die Bilder vergrößern.

 

Warum im Bergviertel das Herz Eupens schlägt, erfahren wir in der kommenden Woche...


4. Zur Zeit der französischen Besetzung gegen Ende des 18. Jahrhunderts war der Gebrauch der Bergkapelle kurzzeitig verboten. Und während der Rundstedt-Offensive im Winter 1944 entging die Bergkapelle nur knapp einem Bombenabwurf, der die Straßenkreuzung auf Höhe des heutigen Kreuzverkehrs traf. Mehr dazu im untenstehenden Artikel, der auch die älteste bekannte Abbildung der Bergkapelle enthält (das Bild haben wir in besserer Qualität nochmals separat beigefügt).


3. Judenstraße?

Hätten mich nicht schon die ältesten mir bekannten Niederschriften aus dem 16. und 17. Jahrhundert von der Namensschreibweise „Judenstrasse“ überzeugt (1580 „Jeudestraat“ - 1645/1685 „Judestrass“), dann würde ich sagen; „Hier liegt eine unberechtigte Straßenbezeichnung vor“. Denn es ist weder zu irgendeiner Zeit eine größere Ansiedlung von Juden im Eupener Raum nachgewiesen, noch entspricht die volkssprachliche Straßenbenennung „Jöes-stroot“ dem Dialektwort für Juden (= Jüdde). „JOES“ - „Jöes“ war in alter Zeit die Schreib- und Ausdrucksweise für den männlichen Vornamen „Johann“ (in der lateinischen Abkürzung „Joes“). Es liegt daher die Vermutung nahe, dass der heilige Johannes, dem schon im 17. Jahrhundert das nahegelegene „Heiligenhäuschen auf dem Berg“, die spätere Bergkapelle geweiht war und ist, der Straße ihren Namen gab. Irgend ein „Formfehler“ machte irgendwann (und zwar schon in früher Zeit) aus einem „Jöös“ ein „Jütt“ und damit die Bezeichnung „Judenstrasse“, wobei man es dann auch über Jahrhunderte hinweg beließ. Und so wollen wir es auch dabei belassen. Denn keiner der vielen Bewohner dieser traditionellen Eupener Straße möchte wohl eine Umänderung des alten Straßennamens. In alter Zeit wurde diese Straße auch „Judengasse“ genannt. Die Judenstraße wurde 1852 teils neu gepflastert, „theils neu chaussiert“.

Der mit Gestrüpp bestandene Bergabhang zwischen dem heutigen Olengraben und der Edelstraße – der Haasberg – bildete den Übergang vom großen herzoglichen Wald zum frühen Eupener Siedlungsgebiet. Ob diese Grenze auch für den doppelten Straßenverlauf in der Judenstraße verantwortlich ist, ist nicht eindeutig erwiesen. Laut einer undatierten Grenzbeschreibung, die vermutlich aus der Regierungszeit der Kaiserin Maria Theresia (1740-1780) stammt, verlief die besagte Grenze damals über die Ibernwiesen. Doch könnte es vorher anderes gewesen sein. Bis zur Abzweigung der Edelstraße – des Äsel – weist die Judenstraße ja eine außergewöhnliche Breite auf. Die Judenstraße war übrigens einer der drei Eupener Verkehrswege, die schon vor 1873 das Attribut Straße im Namen führten. Unter der Nazi-Herrschaft wurde aus der Judenstraße die „Rötgener Straße“.


2. Woher kommt eigentlich der Name ‚Bergviertel‘?

Dort, wo die Neustraße auf den Olengraben trifft und die Bergkapellstraße mit dem Rotenberg zusammenkommen, hieß es früher : „änn te baate“. Diese alte Bezeichnung für das schon früh besiedelte Viertel bei diesen Straßenkreuzungen war nicht nur im Volksmund gegeben, sondern erscheint auch schon in verhochdeutschter Namensform in den Niederschriften aus dem 17. bis 20. Jahrhundert (1622 „Batenberch“, 1725 „die Baten, Batenberg“, 19. Jahrhundert „in Thebaaten, Thebaten“). Was bedeutet diese eigenartige Bezeichnung?

Unsere Vorfahren gaben schon in frühester Zeit der Erhebung , die den ursprünglichen Ortskern (die Oberstadt) vom Ortsgebiet „unter der Haas“ (die Unterstadt) trennte die einfache Bezeichnung „der BERG“. Sie benannten die Ortslage an seinem Fuße „a gene Berrech“ (Am Berg), den höher gelegenen Teil „op gene Berrech“ (auf dem Berg). Aus ihrer Sicht lag demnach das Ortsviertel der unteren Bergkapellstraße und des oberen Rotenbergs „Hinter dem Berg“. Sie brachten das mit der Benennung „Baate gene Berrech, d‘r Baate, Thebaaten, Batenberch“ zum Ausdruck. Wir sehen, die Ortsviertelbezeichnung „Te Baaten“ ist gar nicht so eigenartig!



Eindrücke vom Karnevals-Viertelcafé 2017


Fußspuren im Schatten der Bergkapelle

 

Einige fleißige Anwohner haben sich kurz vor Allerheiligen damit beschäftigt, Fußspuren auf die Asphaltdecke zwischen den Grasinseln aufzumalen, die die Begegnungsräume im Bergviertel kennzeichnen sollen. Rund um das Pferd "Cheval du monde" soll ein solcher Ort geschaffen werden. Sitzbänke und ein großes Tipi laden zum Verweilen ein; zusätzlich zu den Spielgeräten für Kleinkinder wird in den kommenden Tagen eine Nestschaukel für Kleinkinder das Angebot bereichern. Die großen Fußstapfen, die aufeinander zu zeigen, drücken aus: Gleich wer wir sind und woher wir kommen – wir müssen uns auf einander zu bewegen, achtsam sein miteinander, Verantwortung übernehmen in unserem Viertel. Doch diese aufgemalten Fußspuren werden irgendwann verblassen, deshalb wollen wir sie in diesem Jahr ersetzen, durch die Schritte, die wir aufeinander zu machen wollen. Nur in der Begegnung können wir uns besser kennen lernen und so unser Viertel lebensfreundlicher und fürsorglicher gestalten.


Viertelcafé mit zahlreichen Gästen

 

Am Mittwoch, dem 26. Oktober fand wieder eines der beliebten Viertelcafés im Animationszentrum Ephata statt. Als besondere Überraschung besuchten De Kraffte und Erich Krafft das Treffen und begeisterten die Teilnehmer mit Liedern, Gedichten und Anekdoten auf Eupener Platt. Dabei kam auch die neue Tonanlage zum Einsatz, die mit Unterstützung der König Baudouin Stiftung angeschafft werden konnte, um die Angebote des Sozialen Treffpunkts und der Viertelarbeit in Zukunft noch besser gestalten zu können. Daneben gab es wie immer Informationen zu den aktuellen Projekten und Angeboten im Viertel und im Haus Ephata. Vorgestellt wurden u.a. das Projekt 'Hallo Nachbar', das zum Kennenlernen und zur besseren Integration von neu Hinzugezogenen beitragen soll, sowie die Angebote zur Förderung der Fitness und des allgemeinen Wohlbefindens am Dienstag und Donnerstag Vormittag, die auch für die Senioren im Viertel einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität darstellen können.

Übrigens: das nächste gesellige Beisammensein im Bergviertel findet am Sonntag, dem 4. Dezember um 9.30 Uhr statt. Dann steht das traditionelle Adventsfrühstück auf dem Programm.


Franziskuswoche in der Bergkapelle

 

In der Woche vom 30. September bis 09. Oktober stand der Hl. Franziskus im Mittelpunkt der kleinen Kapelle auf dem Berg.

Die Eupener Künstlerin Petra Michel-Neumann bot dem Besucher mit einem Bilderzyklus zum „Sonnengesang“ des Hl. Franz von Assisi eine Hilfe, die Botschaft des Poverello in die heutige Zeit zu übertragen. Rund um die Ausstellung veranstaltete das Kapellenkomitee in Zusammenarbeit mit dem Haus Ephata eine Franziskuswoche mit unterschiedlichsten Angeboten: meditative Konzerte, Lesungen, Gottesdienste und Gebetszeiten verarbeiten in unterschiedlicher Form und mit Beteiligung verschiedenster Ehrenamtlicher die Themen des Sonnengesangs. Zum Abschluss wurde die Bergkapelle als Veranstaltungsort in das Unterstädter Lichterfest eingebunden. Vom Temsepark aus konnte man über die St. Josefs-Pfarrkirche, durch die besonders beleuchtete Haasstraße über die Edelstraße (mit Station am Haus Edelstraße 11), Moorenhöhe (Music und Lightshow "Klanghöhe") und Judenstraße (mit Ausstellung im Atelier Moorenhöhe, Judenstraße 23) zur Bergkapelle gelangen. Wo Malateliers für Kinder und Erwachsene, meditativer Tanz und eine Abendandacht mit musikalischer Begleitung in eine Zeit der Stille und Besinnung mündeten, die erst kurz vor Mitternacht endete.


Viertelfest mit Dreifaltigkeitsfrühstück und Einweihung der Pferdeskulptur des Bergviertels

 

Am Sonntag, dem 22. Mai 2016 fand endlich die langersehnte Einweihung der neuen Attraktion des Eupener Bergviertels statt. Bereits um 9.30 Uhr fanden sich zahlreiche Gäste aus dem Viertel zum traditionellen Dreifaltigkeitsfrühstück in den Räumlichkeiten des AZ Ephata ein. Gelegenheit für einige Anwohner, das Wort zu ergreifen und auf ihre Anliegen oder Projekte aufmerksam zu machen. Um 11.00 Uhr ging es dann hinaus ins Freie wo das neue Kunstobjekt noch in die belgische Landesfahne eingehüllt seiner feierlichen Vorstellung entgegen blickte. In Anwesenheit des Schöpfers der Skulptur, des hiesigen Künstlers Romain van Wissen, des Initiators des Projektes, Ludwig Dohm, seines Zeichens Anwohner und echtes Berger Urgestein, der Schöffen Philippe Hunger und Michael Scholl vom Gemeindekollegium der Stadt Eupen, sowie Herrn Norbert Kreusch von der Christian-Sylvain-Stiftung, die das Kunstwerk für den neuen Standort zur Verfügung stellte, und Karl-Heinz Brüll für das Viertelkomitee des Bergviertels wurde das "Cheval du monde" (Pferd der Welt) enthüllt und erntete herzlichen Applaus. In ihren Beiträgen gingen die verschiedenen Redner nicht nur auf die Wichtigkeit der Pferde als Helfer der Menschen ein, sondern betonten auch den stets damit verbundenen Begegnungscharakter der Pferdestandorte; sei es die alte Schmiede im Bergviertel, die Pferdetränke oberhalb des Olengraben, die ehemalige Reithalle Zur Moorenhöhe oder nun der neu gestaltete Platz gegenüber der Bergkapelle, der demnächst noch um eine Nestschaukel für die Kleinsten erweitert werden soll. Der Festakt klang aus mit einem Empfang im Haus Ephata, wohin sich die Festgäste in Anbetracht des einsetzenden Regens zurückziehen konnten.


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