9. Zum Bergviertel gehört auch die KKG Berger Block, die in diesem Jahr den Eupener Karnevalsprinzen stellt. 1949 gegründet hat sie sich stets dem Bergviertel verbunden gefühlt, wie folgender Auszug aus der Zeitung „Der Block“ zeigt, die vor genau 30 Jahren veröffentlicht wurde.


13. Karnevals-Hochburg Bergviertel
Schon immer wussten es die Berger, ihre Feste zu feiern. Zu Karneval wurden in der Vergangenheit oftmals gemeinsame Motive ausgewählt, so dass sich das Viertel in Zigeuner- oder Indianerlager, Hafenviertel und vieles andere mehr verwandelte.
Unser Bilderbogen beginnt im Jahr 1930 vor dem Hintergrund der Bergkapelle. Auf der zweiten Aufnahme aus dem Jahr 1938 vor dem ehemaligen Schwesternheim erkennt man den Friseur und Büttenredner Leo Pauquet als Schneewittchen, umgeben von mehreren kleinen Zwergen.
Reges Fastnachtstreiben herrschte im Jahr 1949, dem Gründungsjahr des Berger Block, unweit der Bergkapelle. Mit Quetschbüll und Trommeln gab es hier stets eine tolle Karnevalsstimmung. Dafür sorgten Gruppen wie die auf dem dritten Bild. 1951 zog Prinz Erich I. (Pauquet) mit seinem Prinzenwagen den Blockweg hinunter. Es folgen Szenen aus dem Karneval im Bergviertel in den 50er, 60er und 70er Jahren bis hin zu den Prinzen Ludwig I. (Dohm) im Jahre 1975 und Hans III. (Wertz) 1981, die auch heute noch im Bergviertel aktiv sind.


63. Karneval im Bergviertel

Um 1850 ist erstmals von Karnevalsumzügen in Eupen die Rede. 1858 ist es der Handwerker-Gesangverein, der einen solchen Umzug organisiert. 1863 werden gleich mehrere Züge gemeldet: Die „Carnevals-Gesellschaft 11“, die in der Gastwirtschaft Börner (Auf‘m Berg) ihr Stammlokal hat, zieht vom Bergviertel aus mit einer „Wunder-Orgel“ durch die Stadt, während die „Carnevals-Gesellschaft aus der Sektion C77“, die im Gasthaus Carbin im Schilsweg tagt, mit wohllöblicher Kelmiser Musik von der Hütte aus über Wirth und Marktplatz zum Schilsweg zieht. Das Ganze wird zum Besten der Armen und der neuen Haas-Kirche veranstaltet. 1859 wird in den Unterlagen der Stadt Eupen bereits ein Gesangverein „vom Berge“ erwähnt. Dieser bemühte sich, „auf christlicher Grundlage gesellige Unterhaltung zu pflegen und den Volksgesang zu fördern“.

Am 30. Juni 1883 gründete sich an der Bergkapelle die „Société chorale en bloc“, die man durchweg als Vorläuferin des heutigen „Berger Block“ bezeichnen darf. „Société chorale“ verweist auf den Chor der Bergkapelle, dem der Verein vermutlich entstammt. Im Jahr 1884 lud sie mittels eines Gedichtes – unter dem Titel „Eupener Fasching 1884“ - alle Mitbürger zu einer Vorbesprechung ein, denn ihr Ziel war deutlich definiert: „Auf, Eupener Bürger! Auf lasst euch erregen, es gilt hier den Eupener Fasching zu pflegen! … Doch soll uns durchaus nichts von außen betören, wir wollen partout unsere eigene Jeckerei hören!“. In der „guten Stube der Witwe Wilhelm Strube“ auf der Neustraße entschloss man sich, einen eigenen Rosenmontagszug auf die Beine zu stellen, den ersten in Eupen nachweisbaren, der immerhin aus 24 Gruppen und Wagen bestand.

1886 führte der Zugweg von Thebaten (Ecke Neustraße/Olengraben) über Bergkapell- und Bergstraße hinunter zur Klötzerbahn und weiter durch die Gospert zum Wirth. Von dort die Schleife über Hook zum Rathaus, über Pavee- und Kirchstraße zur Neustraße, über Olengraben hinunter zur Haas, um im Schilsweg zu enden.

Gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts verliert sich die Spur des Vereins. Immerhin zogen im Zug von 1900 noch die ehemaligen „Blockberger“ als Gruppe mit. Vermutlich ist der Verein in der Karnevalsgesellschaft „Löstige Grömele“ aufgegangen, die viele Aktive aus dem Bergviertel zählte.

 

Zwischen den Kriegen herrscht der Straßenkarneval im Bergviertel

Auch in der Folgezeit erhielt der Oepener Fastoovend vom Berg starke Impulse. In den 30er Jahren beteiligten sich die Berger rege am Fastnachtstreiben in der Unterstadt: Das Viertel verwandelte sich nacheinander in ein Zigeunerlager, ein Hafenviertel, eine Mühle und in ein Bauerndorf.

1934 fand sich eine Gruppe von Anwohnern des Bergviertels zusammen, um im Schatten ihrer Johannes-Baptist-Kapelle eine Karnevalsfeier zu organisieren. Dem Neubeginn war ein großartiger Erfolg beschieden, doch zur Bildung einer offiziellen Gesellschaft kam es nicht.

1935 verwandelt sich die Unterstadt an Rosenmontag in ein großes Zigeunerlager: Wäsche wird über die Straßen gespannt. Es wird an offenen Feuern gekocht und kräftig gesungen. Der Straßenkarneval lodert förmlich auf.

1936 rief die Interessen-Gemeinschaft Unterstadt dazu auf, ihre Straßen und Wege mit Schiffen und Dampfern in eine „schwimmende Hafenanlage“ umzumodeln. Das Bergviertel beteiligte sich rege daran. Es wimmelt von schunkelnden Matrosen. Flaggen werden gehisst und Leuchttürme errichtet. Auf offener Straße werden Schiffstaufen gespendet und Schiffsbrüchige gerettet. Die Eindrücke dieser Tage fanden 1948 ihren Niederschlag in der Komposition „Et Wäserscheff“ aus der Feder von Leo Brossel und der Musik von Hans Reinertz.

Zu Karneval 1937 feierte man im Bergviertel zwischen prachtvoll ausgeschmückten Häusern eine prunkvolle Bauernhochzeit. Mitten im Streit zwischen oberstädter und unterstädter Karnevalisten passierte der Oberstädter Rosenmontagszug im Sinne guter Nachbarschaft das Bergviertel. Der Haasberg bleibt eine Grenze, die respektiert werden will: am Olengraben bauen die Unterstädter für alle sichtbar eine Barriere auf. Nach einer kurzen Schleife über Bergkapell- und Judenstraße trifft der Zug wohlbehalten im Wirth ein.

 

Die Gründung des Berger Block

Nach dem Kriege bildete sich am Berg eine Karnevalsgruppe, die 1947 am ersten improvisierten Umzug teilnahm. Daraus erwuchs die Idee, eine reguläre Karnevalsgesellschaft zu bilden. Am 11. August 1949 gründeten Hubert Ortmann, Franz Baumgarten, Heinrich Dohm, Hubert Körner, Rudolf Louis, Johann Ervens, Nikolaus Förster, Robert Clooth, Mathieu Mertens und Mathieu Becker aus dem „Berger-Block“ die KG „Berger-Block Eupen 1949“. Erster Präsident war Joseph Jacobi. Für den Rosenmontagszug bastelten sie an einer riesigen Mondrakete, die vom Prinzen Joseph II. feierlich enthüllt und mit Pferdegespannen durch die Stadt gezogen wurde. Mit ihrer ersten Kappensitzung hatten sie einen durchschlagenden Erfolg. Bis heute ist die Prunksitzung des Berger Blocks im Saale Bosten ein Leckerbissen für alteingesessene Fastoovendsjecke. Denn bei den Bergern legt man seit jeher Wert darauf, die Bütt nur mit eigenen Leuten zu bestücken. Bis heute ist der Berger Block so etwas wie die Seele des Bergviertels.

 

Ein Denkmal für den Karneval

1957 soll dem Karneval ein Denkmal gesetzt werden. Die vom Bildhauer Joseph Braun geschaffene Clownfigur soll laut Stadtratsbeschluss am oberen Rotenberg aufgestellt werden, dort sei die geographische Mitte zwischen Ober- und Unterstadt. Die Narren lehnen den Plan vehement ab und plädieren für einen Standort an der unteren Bergstraße.