14. Rotenberg

Wenn der Straßen der städtischen Umgebung gedacht wird, so kommt vor allem der „Rothe Berg“ in Betracht, denn bei keiner andern lag der Urzustand so im Argen wie hier, keine ist mit so geringen Mitteln auf ihren verhältnismäßig guten Stand gebracht worden wie die Rotenbergstraße. Während in früheren Jahren der Personenverkehr an den kleinen Cloot'schen Häusern vorbei einer ziemlich steilen schiefen Ebene hinunter zunächst durch die erste Ettersten-Wiese, dann unter Benutzung eines über dem Bach liegenden Steges nach Stockem führte, musste das Fuhrwerk den hinter den genannten Häusern heute noch vorhandenen Hohlweg dazu benutzen und in der Nähe des Steges durch den Bach fahren.

Jahrzehntelang war der Rotenberg die Ablagerungsstelle für allen möglichen Schutt und Unrat und bot der Bürgerschaft, namentlich dem bauenden Publikum, weil nahe bei der Stadt, eine willkommene Gelegenheit, sich desselben zu entledigen. Tausende und abertausende Karren sind dortselbst angeschüttet worden, bis das Gelände die jetzige Höhe erreichte, um endlich planiert und chausseemäßig ausgebaut zu werden, um eine wertvolle Verbindung der Ober- und der Unterstadt herbeizuführen. Die Straße konnte allerdings an der Krone breiter und die Steigung durch weiteres Ausfüllen der Mulde vor dem Schlachthofe, die noch sehr aufnahmefähig war, verbessert werden. Dass dies nicht geschehen ist, lag zu jener Zeit an der Stadtratsmajorität, welche einen kleinen Mehrkredit zum Ankauf eines dazu benötigten Streifens aus der Ettersten-Wiese zwecks Erbreiterung der Straßenunterlage verweigerte.

Aus denselben Gründen blieb die starke Steigung für Fuhrwerke in der Nähe des Rotenbergkreuzes bestehen, da dem Oberbürgermeister Becker, der jahrelang sich für dieses Straßenprojekt interessierte, die Inanspruchnahme einer Parzelle aus der anliegenden „Waisenhauswiese“ zur Herstellung einer größeren Serpentine kurzweg verweigert wurde. Auch in der jetzigen Gestalt bietet die Straße ja eine wesentliche Verbesserung und einen schönen, zugfreien und im Sommer schattigen Spaziergang. Bedauerlicherweise drohen die von dem „Verschönerungsverein“ in den Böschungen angepflanzten Tannen, vermutlich, weil des Guten zu viel, einzugehen. Man sieht aber, wie kleinliche Sparsamkeit sich häufig im Leben rächt…

Oberbürgermeister Becker pflanzte entlang der neuen Straße die ersten richtige Alleebäume, und zwar die schönen Linden, welche die Straße vom Hospital bis zur Rotenbergbrücke zierten. Die Fortsetzung dieser Pflanzungen mit anderen Baumarten weiter hinauf datieren aus der Zeit von Oberbürgermeister Theodor Mooren (1881-1905). Mit dessen Amtsantritt trat mit einem Schlage auf dem erwähnten Gebiete ein Wandlung ein.

 

Köttcheshaunderlock

Mit diesem sonderbaren Namen werden die Häuser seitlich und hinter dem Rondell mit der Pferdetränke im Ortsteil Tebaten am oberen Rotenberg bezeichnet. Auf die Pferdetränke selbst kommen wir in einem späteren Beitrag zurück...


75. Rotenberg

Die Straße vom Schlachthof über den „Bach“ bis hinauf zur Anhöhe, wie wir sie heute kennen und „den Rotenberg“ nennen, ist ein künstlich angelegter Straßenbau aus dem 19. Jahrhundert. Sie ist ein Werk des damaligen Eupener Oberbürgermeisters Peter Becker (1850-1881). Mehrere Jahrzehnte lang ließ derselbe hier die Aushuberde und den Bauschutt anfahren, wodurch sein erhöhte Fahrbahn entstand, die im Jahre 1875 als neue Verkehrsstraße eingeweiht wurde. Vor dieser Zeit verlief der Fuhrverkehr seitlich durch die Wiesenflur „Ettersten“ und stieg dann steil zur Anhöhe an.

So verhältnismäßig jung diese neue Straße auch ist, sehr alt ist der Name „Rotenberg“. Er galt allerdings der schon früh besiedelten Anhöhe, deren gewachsener Boden aus Rotschiefer besteht (daher: roter Berg). Hier entstand im Jahre 1710 ein „Werk aen Weeshuys“, das im 19. Jahrhundert den Namen „Versorgungsanstalt und Waisenhaus“ trug. Im Jahre 1922 erhielt die Anstalt den Namen St. Josefsheim. Es entstand unter dem Schutz des Hl. Josef, wie auch die Pfarre, zu der es gehörte. 1969 siedelten die Kinder in die neuerbauten Häuser am Limburger Weg über. 1970 begann man mit dem Bau eines neuen großen Altenheimes; 1972 fielen alle alten Bauten an der Straße, die vorwiegend aus dem 19. Jahrhundert stammten, der Spitzhacke zum Opfer. Nur das sogenannte Schwesternhaus, ein denkmalgeschütztes Bauwerk aus dem Jahre 1748, das dem genialen Baumeister Mefferdatis zugeschrieben wird, blieb stehen, und steht heute noch.


84. Bürgerhäuser am Rotenberg

 

Rotenberg 30

Die ganze Häuserreihe dieser Seite gehörte im Jahre 1826 der Wwe. Jakob Von Grand Ry und wurde 1848 an Einzelkäufer veräußert. Das kleine zweigeschossige Haus hat vier Achsen. Das Bruchsteinmauerwerk umschließt die kleinen blausteingerahmten Rechteckfenster. Ein typisches Kleinbürgerhaus des 17. Jh. Die Eingangstüre scheint in späterer Zeit erneuert zu sein, doch findet sich der korkbogige Kellereingang noch in der alten Form. Im Keilstein der Haustür befindet sich die Jahreszahl 1735.

 

Rotenberg 32

Dieses ebenfalls zweigeschossige Haus hat nur zwei Achsen. Das schwere Bruchsteinmauerwerk umschließt die kleinen blausteingerahmten Fenster. Interessant sind die kleine Rundbogentür und der korkbogige Kellereingang. Leider ist der Gesamteindruck dieses schönen Kleinbürgerhauses durch den Mansardenaufbau gestört.

 

Rotenberg 35 (Klassiert durch Königliche Verordnung vom 11. Oktober 1950)

Das erste Eupener Waisenhaus wurde in einigen alten Häusern etwa an der Stelle des jetzigen klassierten Gebäudes um etwa 1710 ins Leben gerufen. Das jetzige Gebäude wurde im Jahre 1748 errichtet.

Der sehr harmonisch gestaltete dreigeschossige Bau mit 15 Achsen stammt aus dem Jahre 1748. Er ist aus Bruchsteinen errichtet und hat blausteingerahmte Stichbogenfenster mit leicht hervortretendem Keilstein. Die Eckquadern sind aus Blaustein in Zahnschnittfolge. Im dreiachsigen Mittelrisalit befindet sich eine Stichbogentür mit schön profiliertem Rahmen, wohl der Eingang zur alten Kapelle des Hauses. Darüber sehen wir eine barocke Figurennische mit der Statue des hl. Josef, flankiert von zwei kleinen Säulen, die einen Dreiecksgiebel tragen. Den seitlichen Abschluss bilden zwei Voluten. Über der Nische befindet sich eine quadratische Aussparung, die, jetzt durch einen Strahlenkranz verdeckt, wohl in früheren Zeiten eine Uhr getragen hat. Zu beiden Seiten befindet sich in der vorletzten Achse je eine Stichbogentür mit einfacherem Blausteinprofilrahmen und kleiner Kragplatte als Bekrönung, die in das jeweilige Treppenhaus führte. Das Gebäude hatte ursprünglich nur eine Tiefe von 6,50 m und wurde durch einen späteren Anbau auf etwa das Doppelte gebracht. Das Satteldach des Vorderhauses hat einfache Fenstergiebel.


94. Seifenkistenrennen am Rotenberg

Anfang der 50er Jahre fanden in Eupen Seifenkistenrennen u.a. am Rotenberg und an der Malmedyerstraße statt. Jüngeren Zeitgenossen dürfte die spätere Version der 90er Jahre die Neustraße hinunter in Erinnerung sein.

In den Tagen vor dem eigentlichen Rennen und besonders abends sah man auf dem Rotenberg jugendliche Seifenkistenfahrer, welche in vollem Tempo die künftige Rennstrecke hinunterrasten und dabei nicht nur ihr eigenes, sondern auch das Leben anderer Straßenbenutzer aufs Spiel setzten. Die Organisatoren sahen sich zur öffentlichen Androhung veranlasst, „jeden Fahrer, der auf dem Rotenberg oder einer anderen öffentlichen Straße beim Training betroffen wird, ohne jede Gnade von der Teilnehmerliste“ zu streichen. Die Väter der jugendlichen Fahrer wurden dringend gebeten, selbst darauf zu achten, dass diese Anordnung befolgt werde. Von den hiesigen Geschäftsleuten wurde an die 100 Preise gestiftet. Die gespendeten Preise wurden bereits lange vor der Veranstaltung im Schaufenster der Frau Schmalhausen in der Bergstraße ausgestellt, was dazu führte, dass sich zu jeder Tagesstunde Neugierige vor dem Schaufenster drängten. Für das gesamte „Rennwochenende“ wurde der Rotenberg für den Verkehr gesperrt. In den letzten Tagen vor dem Start wurde in Doppelschichten eine Startrampe fertiggestellt und auf der Rennstrecke aufgebaut. Die städtischen Behörden sorgten dafür, dass die Fahrbahn von überflüssigem Splitt gesäubert wurde. Die Eintrittskarten zur Veranstaltung konnten im Vorverkauf zum Preise von 15 Fr. (Erwachsene) und 5 Fr. (Kinder) erworben werden.

Am Renntag selbst war die Begeisterung groß, so dass auch kleinere technische Probleme mit tatkräftiger Hilfe aus der Bevölkerung behoben werden konnten: „Durch unglücklichen Zufall hatte in Eupen der kleine Karly Even aus St. Vith Achsenbruch. Eine Ausscheidung war für ihn so gut wie sicher. Da erbot sich ein unbekannter Herr (er wollte seinen Namen nicht nennen) unaufgefordert, den Schaden zu beheben. Die Achse wurde abmontiert und dem Herrn mitgegeben. Nach anderthalb Stunden Arbeit war der Wagen wieder fahrbereit. Von einer Bezahlung wollte der edle Helfer nichts wissen. Seine Antwort lautete: Ne: Soviel Sportgeist muss man schon haben, um jedem, der in der Klemme ist, zu helfen. Kein Wunder also, wenn alles in so guten Händen lag, dass beim Seifenkistenrennen in Eupen alles wie am Schnürchen funktionierte.


116. Erinnerungen an den „Alten Schlachthof“

Als im September 2015 der „Alte Schlachthof“ in Eupen seiner neuen Bestimmung als Kulturzentrum übergeben wurde, rief das bei den alten Metzgern der Stadt lebhafte Erinnerungen hervor. Der preußische Industriebau am Rotenberg war jahrzehntelang ihr Arbeitsplatz gewesen. Denn neben der Tätigkeit im Geschäft verbrachten die Metzger jeden Monat auch mehrere Tage im Schlachtbetrieb, wo sie selbst zu Werke gingen.

Als Ende des 19. Jahrhunderts, um 1890, der Gedanke an einen ortseigenen Schlachthof reifte, gab es noch 71 Metzgereien in der Stadt. Der Schilsweg hatte allein 13 Metzgereien, die Gosperstraße sieben, und auf der der Bergstraße gab es deren elf. Im Vergleich zu anderen Städten, so heißt es in einem Verwaltungsbericht, hatte Eupen zu viele Metzger. Mitte der 1950er Jahre gab es in Eupen dreißig Metzgereien. Ende der 1970er Jahre waren es noch rund zwanzig. Heute sind es nur noch vier. Fleischer Ludwig Dohm, obere Bergstraße, stellt lakonisch fest: „Die alte Metzger-Tradition gibt es nicht mehr, die kommt auch nicht mehr wieder.“ Er weiß wovon er spricht. Dohm gehört einer „Metzger-Dynastie“ an, in der seit über 130 Jahren das Handwerk vom Vater zum Sohn weiter gegeben wurde. Doch die Arbeit der heutigen Metzger hat mit dem Handwerk von früher nicht mehr viel gemeinsam. Damals schlachteten die Metzger nicht nur selbst. Sie stiefelten auch persönlich zum Viehhändler und begutachteten dort die Tiere, deren Fleisch sie verarbeiten wollten. „Alles lief auf Oepener Platt. Zuerst musstest du als Metzger das Gewicht der Tiere einschätzen. Dann begann das Feilschen. War man sich schließlich über den Preis einig, gab es einen festen Handschlag.“

Als der Schlachtbetrieb Anfang der 1990er Jahre im städtischen Schlachthof eingestellt wurde, stellte sich die Frage nach der Weiterverwendung des Gebäudes. Bereits 1994 lag ein erstes Projekt von der Architektin D. Hick-Bourseaux mit dem Titel „Umbau zu einem Kunstzentrum“ sowie ein Projekt – als „Kunstmuseum Ostbelgien“ bezeichnet – von dem Eupener Architekten Yves Delhez vor. Um das Anwesen zu retten und zu benutzen wurde die VoE SchlARThof gegründet. Der Alte Schlachthof wechselte den Eigentümer und ging in den Besitz der Deutschsprachigen Gemeinschaft über. Es folgten erste kulturelle Veranstaltungen in dem wenig einladenden und unfertigen Gebäude. Danach reifte auch bei der Stadt Eupen der Gedanke aus dem alten Schlachthof ein Kulturzentrum zu gestalten. Durch einen Immobilientausch ging das Gebäude in den Besitz der Stadt Eupen über, die sich unter der Führung von Bürgermeister Elmar Keutgen zu einer Realisierung des Projektes entschied. Dabei kam die Überlegung eine „Kulturmeile“ zu schaffen und die Angebote miteinander zu verknüpfen. Neben dem Alten Schlachthof waren dies das Capitol, das Jünglingshaus, das Ikob, das Kolpinghaus und das Atelier Kunst & Bühne. Der im November 2004 genehmigte Umbau erfolgte in zwei Phasen. Bis zur Fertigstellung im Jahr 2015 sollten mehr als zehn Jahre vergehen. Die feierliche Eröffnung fand statt am 4. September 2015.

Die Gesellschaft hat sich verändert. Fast das ganze Leben. Das Verschwinden des traditionellen Metzgerberufes ist Teil einer viel größeren Veränderung. Die Nähe zum Handwerk, zu den Tieren und zu den Menschen ist ein gutes Stück verloren gegangen. Seitdem der Alte Schlachthof wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde – als Kulturzentrum – haben die Metzger die Gewissheit, dass ihre Handwerkskunst nicht vollkommen vergessen wird. Was bleibt, sind die Erinnerungen.


269. Hondtsborn

Wiese vom ‚Bach‘ nach ‚Tebaten‘ gelegen, Teilflur der ‚Laeten‘. Der obere Teil der Wiese wurde 1846 beim Bau der Neustraße durchschnitten; im unteren Teil der Wiese entstand in den 70er Jahren das Kaufhaus Nopri mit Parkplatzanlage.

Bedeutung : Der Wiesenpfuhl mit dem Haustiernamen Hund gab der Flur ihre Bezeichnung.

Dieser Wiesenpfuhl, den wir bis zur Zeit der Anlage des Weges zu dem Kaufhaus Nopri noch an der im späten 19. Jahrhundert entstandenen ‚Rotenbergböschung‘ erkennen konnten, war früher für die Anwohner von ‚Tebaten‘ und ‚Bergviertel‘ eine bedeutende Wasserstelle. Im 19. Jahrhundert finden wir hier noch einen öffentlichen ‚Pött‘ = Schöpfbrunnen.