57. Das Haus Ephata
2018 wird das Animationszentrum Ephata an der Bergkapellstraße sein 25jähriges Bestehen feiern. Das Haus stand bereits im 19. Jahrhundert an dieser Stelle. Ursprünglich im Besitz der Familie Pankert, die wir hier unten auf einer Fotografie sehen, die kurz vor 1900 im winterlichen Kappesgarten hinter dem Haus aufgenommen wurde (vlnr: 1 Nikolaus Joseph (Klaus) Pankert * 1875, Kaufmann, Paveestraße (Porzellan?); 2 Johann Pankert, * 1840 Weber, später Fabrikmeister bei Leonh. Peters, Kaufmann °° 1870 Maria Drouven; 3 Maria Drouven, * 1848; 4 Anna Maria Pankert, 1877-1931 °° 1903 Jacob Hennen (Haasstr.); 5 oder 6 Joseph Pankert, Möbelhersteller?; 7 Netta Pankert ???; 8 Hermann Pankert ,* 1872 Kammstickereibesitzer °° 1903 Coppenneur Maria; 9 Johann Pankert, 1878-1950 Kammstickereibesitzer °° 1909, Becker Maria, Eltern u.a. von Johann Pankert, 1910-2004 Fabrikant, u.a. Atlas Matrazen; 10 Leonhard Pankert, 1874-1958 Kaufmann, Herrenbekleidung am Rathaus).
Das "Haus Ephata" war der Ursprung der Matratzenfabrik Pankert, die von einem auf der Neustraße gelegenen Drahtzug das Material zur Herstellung der Stahldrahtmatratzen bezog. Später (bis Ende der 1970er) war dort der Postkartenverlag Lander. Von dort aus wurde schon im Januar 1971 die Aktion Friedensinseln gestartet, die 2001 ins Animationszentrum Ephata zurückkehren sollte. Bis 1991 wurde das zur Bergkapellstraße gelegene Vorderhaus als Wohnhaus genutzt während die angrenzende Fabrikhalle als Lagerraum der Firma Rom diente. Von 1991 bis 1993 erfolgten umfangreiche Renovierungsarbeiten, zumal das ehemalige Fabrikgebäude durch Brandstiftung arg in Mitleidenschaft gezogen worden war (siehe GE-Artikel unten). Am Wochenende des 13. und 14. November 1993 wurde schließlich das Animationszentrum Ephata feierlich eröffnet.
103. Soziales Herz im Bergviertel
Eine bemerkenswerte soziale Initiative war die 1710 erfolgte Gründung eines Waisenhauses am Eupener Rotenberg. Es wurde ursprünglich als „Arbeitshaus“ konzipiert, d.h. dass die Waisen an Werktagen mindestens zehn Stunden leichte körperliche Arbeit verrichten mussten. Der Landesherr schenkte der Einrichtung ein dorniges Grundstück in der Oe samt angrenzendem Abhang. Die Hausverwaltung ließ Wiesen anlegen und den Hang bepflanzen. So entstand das Waisenbüschchen. 1825 wurde mit dem Waisenhaus eine „Versorgungsanstalt“ für ältere Menschen verbunden.
Seit 1842 unterstehen beide Einrichtungen der Stadtverwaltung. 1847 übernahmen Schwestern vom hl. Karl Borromäus deren Leitung, die sie, mit Ausnahme der Jahre 1877-1888, bis 1928 inne hatten. Dann traten Franziskanerinnen der Barmherzigkeit aus Luxemburg ihre Nachfolge an, gefolgt 1939 von den Rekollektinnen vom hl. Herzen Jesu. Seit 1922 trugen Waisenhaus – das seinen Charakter als Arbeitsanstalt im 19. Jh. nach und nach abgelegt hatte – und Altenversorgungsanstalt den Namen „St.-Josefsheim“.
Durch das Grundlagengesetz vom 8. Juli 1976 wurde eine lokale Behörde, das Öffentliche Sozialhilfezentrum – kurz ÖSHZ, geschaffen die seither in jeder Gemeinde besteht. Das ÖSHZ Eupen wurde am Limburger Weg angesiedelt, sozusagen an historischer Stelle in unmittelbarer Nähe zu den bereits bestehenden Sozialen Einrichtungen.
Am 1. April 1977 übernahm dann das Öffentliche Sozialhilfezentrum die Sorge für das Alten- und Pflegeheim sowie die 1969 an Stelle des Waisenhauses getretenen Kinder- und Jugendhäuser am Limburger Weg. Für die Altenbetreuung und -pflege war 1973 ein den modernen Erfordernissen genügender Neubau errichtet worden. Zu Beginn des Jahres 1987 entschied man sich auf einer Wiese unterhalb des Öffentlichen Sozialhilfezentrums in der Ettersten ein Wohnheim für körperlich oder geistig behinderte Menschen einzurichten. Am 17. Januar 1995 zogen die ersten 6 behinderten Menschen aus der Wohnstätte am Garnstock in das Königin-Fabiola-Haus ein.
Bereits 1986 wurde der Plan gefasst, im Bergviertel ein Jugend- und Animationszentrum einzurichten. Am 14. November 1993 wurde das Haus Ephata an der Bergkapellstraße eingeweiht. 18 Jahre lang arbeitete das Haus als Jugendzentrum mit ständig wachsenden Aufgabenbereichen, die sich am Bedarf der Anwohner des Bergviertels orientierten. Diese Vielfältigkeit führte dazu, dass die Einrichtung 2011 in den Sozialbereich wechselte und seit 2015 ein anerkannter Sozialer Treffpunkt ist.
165. Matrazenfabrik Pankert an der Bergkapellstraße
Mit der Matrazenfabrik Pankert vereint das Animationszentrum Ephata ein besonderes Band. Belegt es doch heute einen großen Teil der Gebäude, in denen sich vor fast hundert Jahren diese Firma einrichtete. 1908 in einer kleinen Werkstatt auf der Malmedyerstraße gegründet, erfolgte 1924 der Umzug des Drahtwerks Jean Pankert zur Bergkapellstraße. Hier begann der eigentliche Aufschwung in den dreißiger Jahren. Bis in die 60er Jahre war das Unternehmen hier ansässig.
275. Eröffnung des Animationszentrum Ephata vor 30 Jahren
Vor rund dreißig Jahren wurde an der Bergkapellstraße das Animationszentrum Ephata als neues Jugendprojekt für die Stadt Eupen eröffnet. Ein Festwochenende wurde gestaltet, welches eigentlich schon mit dem Martinszug eingeläutet wurde, der damals unter dem Motto „Ich gebe dir ein Zuhause“ stand. Das Eröffnungswochenende bot, wie so oft bei Ephata, ein buntes und abwechslungsreiches Programm mit Patenschaftsmarsch, offenem Singen, Jugendmesse, Buntem Abend, musikalischem Frühschoppen, Festakt, Podiumsdiskussion, Kasperle-Theater und Taizé-Gebet zum Abschluss...
299. Aus der Geschichte des Animationszentrums Ephata – Eine kleine Ephata-Chronik
1993 :
König Baudouin verstirbt während eines Spanienurlaubs durch Herzversagen. Durch das Inkrafttreten des Maastrichter Vertrags wird die Europäische Union wirtschaftliche Realität.
In Eupen wird das Animationszentrum Ephata als Jugendzentrum in der Deutschsprachigen Gemeinschaft eröffnet und anerkannt. Doch schon aus der Eröffnung entwickelt sich ein öffentliches Ärgernis: Die Niermann-Affäre.
1994 :
In Südafrika endet das Regime der Apartheid und Nelson Mandela wird erster schwarzer Präsident Südafrikas.
Ephata veranstaltet seine erste Karnevalskostümbörse als Einnahmequelle zur Deckung der Mietnebenkosten.
1995 :
40 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs kommt es in Bosnien zum Massaker von Sebrenica.
Der erste Trödelmarkt wird organisiert und bringt die astronomische Summe von 100.000 Belgischen Franken ein.
1996 :
Am schottischen Roslin Institut erblickt Dolly das Licht der Welt, das erste geklonte Säugetier der Welt.
In Eupen erblickt die VoG Animationszentrum Ephata das Licht der Welt, als juristische Person für die Trägerschaft des Zentrums, es folgt die erste Anstellung eines hauptamtlichen Animators, zwei Freiwilligendienstleistende starten das Projekt Aufgabenschule. Zum Jahresende wird zum ersten Mal das Friedenslicht aus Bethlehem nach Belgien gebracht und in der Bergkapelle aufbewahrt.
1997 :
Die Prinzessin der Herzen, Diana, kommt bei einem Autounfall in Paris ums Leben.
Ephata nimmt an der Organisation einer Euregio-Fahrt zum Weltjugendtag in Paris teil und unterstützt die Entwicklung des Netzwerks der Euregio-Jugendpastoral.
1998 :
In den USA füllt die Lewinsky-Affäre die Klatschspalten der Gazetten.
Bei Ephata hält der Wilde Westen Einzug: Im Sommer findet erstmals ein Indianerlager statt, Country-Tanzkurse bereichern das Wochenprogramm.
1999 :
In Teilen Europas ist eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten, während Ängste vor dem anstehenden Jahreswechsel unter dem Begriff Millennium die Menschen verunsichern.
In Ephata halten mit den Ahmadiyyas muslimische Gemeinden ihren Einzug. Aus dem Jugendchor der Eupener Jugendmessen wird der vierstimmige gemischte Chor Da Capo.
2000 :
Das Unglück von Kaprun und der Untergang der Kursk bewegen die Menschen.
Das Animationszentrum Ephata übernimmt die Organisation der Kampagne der Friedensinseln im Kanton Eupen. Nach rund 30 Jahren kehrt die Aktion damit an ihre Ursprünge zurück, da sie schon zu Zeiten des Postkartenverlags Lander hier ihre Zentrale hatte. Gleich drei Mal ist im Heiligen Jahr Rom das Reiseziel: bei der Ostbelgischen Ministrantenwallfahrt in den Osterferien, beim Weltjugendtag im Sommer und mit den Sternsingern zum Jahreswechsel.
2001 :
Die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York verändern das Sicherheitsgefühl der Menschen rund um den Globus.
Das Projekt Wohngemeinschaft im Haus Ephata wird beendet. Eine erste Webseite schafft eine Präsenz des AZ Ephata im World Wide Web.
2002 :
Die Einführung des Euro als Zahlungsmittel bedeutet das Ende für viele gewohnte Währungen.
Das Animationszentrum Ephata vertritt das Bistum Lüttich bei der Jahreskonferenz Jugendseelsorge. Mit dem Weltjugendtag in Kanada, Holiday on Oe und dem Eine-Welt-Fest im Park Loten prägen neben dem traditionellen Ferienspass gleich drei Großveranstaltungen den Sommer.
2003 :
Die US-Raumfähre Columbia zerbricht beim Landeanflug auf Cape Canaveral. Im Irak beginnt der dritte Golfkrieg.
Ephata koordiniert für den Jugenddienst des Bistums Lüttich die Euregionale 72-Stunden-Sozialaktion Contaction in Zusammenarbeit mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend des Bistums Aachen und dem Bistum Roermond. Insgesamt nehmen mehr als 6000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene an dem Projekt teil. Ende August feiert Ephata sein 10jähriges Bestehen und stellt dabei fest, dass das Haus mehr und mehr eine soziale Dimension im Eupener Bergviertel gewonnen hat.
2004 :
Ein Tsunami im Indischen Ozean kostet rund 230.000 Menschen das Leben.
Die Sternsingeraktion, die in diesem Jahr ausgerechnet Thailand als Beispielland hat erzielt ein Rekordergebnis von mehr als 10.000 € in Eupen-Stadt.
2005 :
Nach einem Pontifikat von fast 27 Jahren stirbt Papst Johannes Paul II. Sein Nachfolger wird Joseph Ratzinger als Benedikt XVI.
Das Animationszentrum Ephata organisiert den Empfang von Gästen aus aller Welt im Rahmen des Weltjugendtags von Köln. Gleichzeitig erfolgt die Einbindung in das Netzwerk Offene Jugendarbeit in der Gemeinde Eupen.
2006 :
In Deutschland findet ein Sommermärchen ohne Happy-End statt, es sei denn man ist Italiener.
Mit der OJA Eupen wird auf dem Eupener Werthplatz ein Jugendfest organisiert: der OJA Action Day. Das ehemalige Tonstudio wird zunehmend als Proberaum für Bands genutzt.
2007 :
In Frankreich wird Nicolas Sarkozy neuer Präsident. In weiten Teilen Europas wütet der Orkan Kyrill.
Gemeinsam mit den anderen Jugendarbeitern werden im Haus La Rocca in den Wintermonaten Öffnungszeiten als Jugendtreff für die Jugendlichen der Unterstadt angeboten. Zusätzlich zum 2. OJA Action Day auf dem Werthplatz werden unter dem Motto Vielfalt statt Einfalt verschiedene Projekte zur Antirassismusarbeit organisiert.
2008 :
Barack Obama wird als erster Afroamerikaner zum Präsidenten der USA gewählt.
Die AG Integration des Rates für Entwicklungszusammenarbeit, Solidarität und Integration nimmt ihre Arbeit auf und startet erste Sensibilisierungskampagnen gegen Stammtischparolen.
2009 :
Während in Dubai der höchste Wolkenkratzer der Welt vollendet wird stürzt in Köln bei Bauarbeiten an der Stadtbahn das Historische Stadtarchiv ein.
In Ephata wird eine Umstrukturierung der Räumlichkeiten vorgenommen. Anlass ist die Anstellung von hauptamtlichem Personal für die Koordination der Aufgabenschule.
2010 :
In Deutschland kommt es bei der Loveparade in Duisburg zur Katastrophe, die Massenpanik fordert 20 Todesopfer.
Mit dem Projekt Zusammensein - Zusammen leben wird versucht, ein neues Angebot der Ehevorbereitung zu schaffen.
2011 :
Die Atomkatastrophe von Fukushima erschüttert den Glauben an die Kernkraft als Energiegarant.
Für die Dauer von vier Jahren ziehen das Regionsbüro und die Scouterie der Pfadfinder auf der ersten Etage des Vorderhauses ein. Ephata beteiligt sich aktiv am 1. unterstädter Lichterfest.
2012 :
Mehr als 600 Menschen, vor allem Obdachlose, fallen einer Kältewelle über Europa zum Opfer.
Ephata wechselt vom Jugend- in den Sozialbereich. Aus dem Festkomitee, welches sich anlässlich des 300jährigen Bestehens der Bergkapelle gegründet hat, entwickelt sich ein Viertelkomitee.
2013 :
Papst Benedikt tritt überraschend von seinem Amt zurück. Nachfolger wird Papst Franziskus aus Lateinamerika.
In Ephata wird der 1 Millionste Besucher empfangen. Die Fahrt zum Weltjugendtag nach Rio de Janeiro ist gleichzeitig die letzte Großveranstaltung im Rahmen der Euregio-Jugendpastoral. Im November feiert das Animationszentrum sein 20jähriges Bestehen. Die Aachener Kirchenzeitung nimmt dies zum Anlass für einen umfassenden Leitartikel unter der Überschrift : „Erprobtes interkulturelles Labor“ – die Schwerpunkte scheinen sich mehr und mehr zu verschieben.
2014 :
Russland eignet sich die Krim an und stürzt die Ukraine in eine tiefe Krise.
In Ephata beginnen die Erweiterung der Räumlichkeiten und Umbauarbeiten für die behindertengerechte Gestaltung. Auf Euregionaler Ebene wird das Jugendprojekt „Aktiv partizipieren in der Euregio“ gestartet.
2015 :
Aus zahlreichen Kriegsgebieten schwappt eine Flüchtlingswelle über West-Europa.
Das Animationszentrum Ephata wird als Sozialer Treffpunkt in der Deutschsprachigen Gemeinschaft anerkannt. Die Patro Mädchen und die Pfadfinderinnen beziehen ihre neue Lokale in einem aus umgebauten Schulcontainern konstruierten Anbau.
2016 :
Bei einem Referendum in Großbritannien wird der Brexit beschlossen.
Im Auftrag der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft wird eine Qualitätsreflexion in den Sozialen Treffpunkten durchgeführt. Das AZ Ephata übernimmt die Koordination des Projektes Meet & Eat im Norden der DG. In der Aufgabenschule wird das Projekt GAME rund um Bewegung und gesunde Ernährung umgesetzt.
2017 :
In den Vereinigten Staaten wird Donald Trump als Präsident vereidigt.
Aufgrund der vertraglichen Vereinbarung mit Stadt, ÖSHZ und Gemeinschaft wird ein Lokaler Beirat eingesetzt, der künftig die Konzeptentwicklung des Sozialen Treffpunkts begleiten soll. In der Viertelarbeit startet das Sprachencafé im Rahmen des Projekts ‚Hallo Nachbar‘.
2018 :
Dürren und Waldbrände machen 2018 zu einem wahren Feuer-Jahr und läuten endgültig eine neue Phase des Klimawandels ein.
Die Umbauarbeiten, die durch die behindertengerechte Gestaltung der Räumlichkeiten erforderlich wurden, finden ihren Abschluss. Eine Galerie mit Plattformtreppenlift und getrennten Zugängen zu den verschiedenen Räumen schmückt ab sofort die Fassade des alten Fabrikgebäudes. Ephata feiert ein Vierteljahrhundert und beginnt die Suche nach neuen, frischen Mitstreitern.
2019 :
In Paris steht die Kathedrale Notre Dame in Flammen.
Das Haus Ephata bekommt endlich einen richtigen Hausmeister. Khabib Gereyev steht ab sofort vollzeitig und ganzwöchig für die Nutzer des Hauses und die Umsetzung der Projekte des Verwaltungsrats zur Verfügung. Das Projekt HeimArt verbindet alteingesessene und Neu-Eupener und gibt dem Areal am Zusammenfluss von Hill und Weser ein buntes Gesicht.
2020 :
Die Corona-Krise führt große Teile der Weltbevölkerung in den Lockdown.
Auch das Animationszentrum Ephata ist von monatelanger Schließung betroffen. Lediglich Aufgabenschule und Ferienspass können weitestgehend aufrechterhalten werden.
2021 :
Verschiedene Impfstoffe deuten einen Ausweg aus der Corona-Krise an. Allmählich kehrt das Leben in die Normalität zurück. Im Juli wird Eupen von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht.
Das Animationszentrum Ephata erweitert seinen Mitarbeiterstab um eine Verwaltungskraft. Mia Nellen verstärkt fürderhin das Team des Hauses.
2022 :
Am 24. Februar marschieren russische Truppen in die Ukraine ein und bringen Europa in ein neues Zeitalter des Krieges.
Start der Aktion Wintermäntel, Neustrukturierung der Give-Box und Umsetzung des Projekts Kreuzweg mit 15 regionalen und internationalen Künstlern.
2023 :
Im Oktober startet die Hamas Terrorangriffe auf Israel, tötet zahlreiche Menschen und entführt mehr als 200 Geiseln. Der Nahostkonflikt wird erneut zur kriegerischen Auseinandersetzung.
Wechsel in der Koordination des Sozialen Treffpunkts. Luc Assent verlässt nach 30 Jahren das Animationszentrum Ephata und wird durch Yuliia Kuznetsova ersetzt. In der Folge werden vermehrt Angebote rund um die ukrainischen Flüchtlinge in Eupen organisiert.
2024 :
Im Februar 2024 wird die Türkei von einem schweren Erdbeben heimgesucht, das erhebliche Zerstörungen anrichtet und eine große humanitäre Hilfsaktion auslöst. Im November wird Donald Trump zum zweiten Mal zum US-Präsidenten gewählt.
Im Rahmen des Projekts ‚Bergkapelle‘ wird eine hochwertige Ton- und Projektionsanlage angeschafft, die die Veranstaltungsstruktur im Bergviertel um ein wichtiges Element erweitert. Auch die Ferienangebote für Kinder werden ausgeweitet: neben dem altbewährten Ferienspass soll es künftig auch Herbst- und Osteranimationen geben.
300. Aus der Geschichte des Animationszentrums Ephata - Die Prähistorie
Kein Kind des Zufalls – keine Laune der Natur
Wenn man die Chronik des Animationszentrums Ephata studiert, so kann man den Eindruck gewinnen, dass die Geschichte des Projekts mit der Eröffnung und Anerkennung des Animationszentrums als Jugendzentrum der Deutschsprachigen Gemeinschaft am Wochenende des 13./14. November 1993 beginnt. Doch tatsächlich ging diesem offiziellen Start eine Zeit der Genese voraus, die bereits zehn Jahre zuvor, im Jahr 1983 ihren Anfang nahm.
Im Mai 1983 lud der damalige Kaplan an St. Nikolaus, Jean Pohlen, die Leiter der katholischen Jugendbewegungen der Eupener Oberstadt zu einem Treffen ein. Er spürte, dass der Klerus der Stadt mit der Begleitung der Jugend zunehmend an Grenzen stieß. Nun muss man wissen, dass es zu dieser Zeit in Eupen noch drei Pfarren (St. Nikolaus, St. Josef und St. Katharina) mit jeweils einem Pastor gab. Hinzu kamen drei Kapläne, neben dem bereits erwähnten Jean Pohlen noch Karl-Heinz Calles, der vor allem am Wochenende in der Oberstadt präsent war, und Johannes Funk, der die vakante Kaplansstelle in der Unterstadt übernommen hatte und in die Kaplanei an der Judenstraße eingezogen war. Zusätzlich gab es mehrere Hilfspriester oder Priester im Ruhestand, die noch Gottesdienste mit den Gemeinden feierten und gewisse Aufgaben in der Seelsorge übernahmen. Schließlich befanden sich auch drei Eupener Seminaristen in der terminalen Phase ihrer Ausbildung zum Priesterberuf, die ebenfalls versuchten, sich in den Gemeinden, vor allem im Bereich der Jugendpastoral einzubringen. Trotz dieser relativ dichten Personaldecke spürten die Seelsorger eine gewisse Überforderung in der Begleitung von rund 40 Untergruppen der 9 Eupener Jugendorganisationen. Zudem war ein geistiger Umbruch in der Jugend wahrzunehmen, dem man entgegenwirken wollte, indem man die Leiter und Leiterinnen der Jugendbewegungen zur verstärkten religiösen Animation in ihren Gruppen aufrief. Man einigte sich auf regelmäßige Treffen, die den Austausch unter den an dieser Thematik interessierten Animatoren und gleichzeitig die Begleitung dieser Multiplikatoren durch die Kapläne ermöglichen sollten. Kurz nach dieser Initialzündung stießen zu den Oberstädtern auch Vertreter der Unterstadt und aus Kettenis hinzu. Die Treffen wurden bald schon monatlich abgehalten, und um dem Ganzen eine gesellige Note und den Charakter einer „Mahlgemeinschaft“ zu geben wurden sie mit einem gemütlichen Frühstück verbunden. Nachdem die ersten Treffen noch im Pfarrheim bzw. in der inzwischen abgerissenen alten Pfarrbibliothek an der Simarstraße abgehalten wurden, verlagerten sich die Treffen wie auch die begleitende Arbeit zunehmend an die Judenstraße, wo sich die Kaplanei zu einem offenen Treffpunkt der Pfarrjugend in Verbindung mit einem kleinen Büro entwickelt hatte, in dem dank neuer Formen der Arbeitsbeschaffenden Maßnahmen auch hauptamtliche Laien eingestellt werden konnten.
Im Januar 1985 – inzwischen war auch Lothar Klinges aus Elsenborn hinzugestoßen, der als Diakon ein Praktikum in Eupen verrichtete und anschließend als Kaplan an St. Nikolaus wirkte - wurde ein Einkehrwochenende im Eupener Garnstock abgehalten, bei dem die Gruppe einen Namen erhielt: Gruppe Kontakt sollte sie fürderhin heißen, darin der Verweis auf die Kontakte und die Zusammenarbeit unter den Jugendgruppen und in der Jugendpastoral. Verschiedene Projekte wurden ausgearbeitet, darunter eine Zeitschrift, die ab März 1985 vierteljährlich unter dem Titel „Jugend-Kontakt“ kostenlos bzw. auf Spendenbasis an alle in der (kirchlichen) Jugendarbeit engagierten Personen verschickt wurde, vollgepackt mit Informationen und Anregungen, als Bindeglied der Jugendorganisationen. Innerhalb weniger Wochen wurde auf der Kornei, einer Anhöhe oberhalb des Eupener Ortsteils Nispert, der Berg Horeb geschaffen, als Ort der Begegnung und der Besinnung außerhalb des städtischen Treibens. Dort wird seit April 1985 jährlich am Ostermorgen eine Auferstehungsfeier bei Sonnenaufgang zelebriert, zu der über die Jahrzehnte hinweg mehr und mehr Menschen allen Alters strömen. Zu den weiteren Angeboten gehörte über lange Jahre hinweg eine Lagermappe für die Sommerlager, die zum gemeinsam gewählten Jahresthema für die Jugendpastoral gestaltet wurde, eine religiöse Woche zum Abschluss des Schuljahres Ende Juni, wöchentliche Frühschichten in der Bergkapelle mit anschließendem Frühstück, soziale Tage in den Ferien sowie die Gestaltung des Martinszuges unter dem jeweiligen Jahresthema. Gleichzeitig wurden neben den Jugendgruppen auch andere Bereiche der Jugendpastoral unterstützt: Firmkatechese, Ministrantenarbeit, die Sternsingeraktion, Familien- und Jugendgottesdienste und offene Jugendarbeit.
Bei den monatlichen Treffen wurde natürlich auch über die Sorgen und Probleme der Jugendarbeit gesprochen. Zu diesen gehörte im Eupen der 80er Jahre die Frage der Räumlichkeiten für die Jugendarbeit insbesondere in der Unterstadt. Um für dieses Problem eine Lösung zu suchen, wurde 1986 eine Vereinigung gegründet, die VoG Zu Hause, die sich zum Ziel setzte, Räumlichkeiten für die Arbeit der organisierten (Jugend)gruppen der Eupener Unterstadt (später der gesamten Stadt Eupen) zur Verfügung zu stellen. Dieser VoG gehörten Vertreter der Jugendgruppen, der Pfarrgruppen, der Stadt und des Klerus an. Parallel zur Suche der Jugendgruppen nach Versammlungsräumen kristallisierte sich der Wunsch zahlreicher Jugendlicher und junger Erwachsener heraus, ein Haus der Jugend und der Begegnung nach dem Vorbild der Kaplanei an der Judenstraße auf langen Termin zu sichern. Gemeinsam mit dem Eupener Stadtrat wurde ein Projekt entwickelt, welches vorsah, auf dem Gelände neben der Kaplanei an der Judenstraße ein Jugendzentrum zu errichten, in dem Versammlungsräume, ein kleiner Saal sowie ein Büro für den Pfadfinderdistrikt untergebracht werden sollten und welches in Verbindung mit dem Büro und dem offenen Treffpunkt mit familiärem Charakter in der Kaplanei ein komplettes Angebot für offene, organisierte und kirchliche Jugendarbeit darstellte.
Leider zerschlug sich dieses Projekt, für das die Stadt Eupen schon das entsprechende Grundstück erworben und die für den Neubau erforderlichen Mittel bewilligt hatte. Desweiteren erfolgte eine Versetzung von Kaplan Johannes Funk an die Pfarre St. Nikolaus, verbunden mit einem Umzug in die Kaplanei der Oberstadt in der Kirchgasse. Die Suche nach einem neuen Ort für das geplante Jugendhaus gestaltete sich schwierig, da der Gedanke an ein Projekt von Jugendlichen für Jugendliche kaum Anklang bei potentiellen Vermietern oder Verkäufern fand. Nach mehreren erfolglosen Anläufen, darunter auch kurzzeitig die Idee einer Unterbringung neben dem Kolpinghaus an der Bergstraße, wurde man 1990 an der Bergkapellstraße 46, in unmittelbarer Nähe zum ursprünglich vorgesehenen Standort, fündig. Dort befand sich ein Wohnhaus mit dahinter liegender Fabrikhalle, welches alle Voraussetzungen für die gewünschten Zwecke, inklusive der Möglichkeit zur Beherbergung einer beabsichtigten Wohngemeinschaft bot. Diese WG von jungen Erwachsenen sollte als Team gemeinsam handelnder Animatoren das Haus verwalten und die Aktivitäten begleiten, sowie dem ganzen einen familiären Charakter geben.
Das Kind brauchte jetzt noch einen Namen. Zwar gab es von der beteiligten VoG her den Arbeitstitel „Zu Hause“, doch sollte langfristig ein anderer Name dem Projekt einen Rahmen geben. Der Ideen gab es viele: von Villa Kunterbunt über B’46 bis zur Schlammfliege reichten die Vorschläge. Schließlich wurde man im biblischen Kontext fündig: Ephata, zu deutsch „Öffne dich“ sollte verdeutlichen, dass es sich um ein Haus der offenen Tür handeln sollte, in dem die Menschen sich auch öffnen sollten für die anderen, für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und für Gott.
Zur Finanzierung des Projektes und der laufenden Tätigkeiten der Jugendarbeit mussten Geldmittel erwirtschaftet werden. Durch Geldaktionen, Spendenaufrufe und Anträge konnte ein kleiner Grundstock gelegt werden. Doch die Größe des Vorhabens überstieg deutlich die Möglichkeiten privater Finanzierung. Eine Finanzkommission wurde einberufen mit Experten aus dem Banksektor, aus Wirtschaft, Versicherungs- und Steuerwesen. Diese kam zu dem Schluss, dass ein solches Unternehmen wirtschaftlich nicht tragbar und rentabel sein konnte, dass es also eigentlich keine Überlebenschance hatte. Trotzdem beschloss man, das Projekt anzugehen und es so gut wie möglich zu finanzieren, notfalls mit Darlehen, die langfristig wieder zurück erstattet werden sollten. Der Ankauf des Gebäudes von einem hiesigen Unternehmer erfolgte mit Unterstützung der Eupener Familie Funk. Die Umbau- und Renovierungsarbeiten sollten mit Unterstützung der Deutschsprachigen Gemeinschaft und der Stadt Eupen erfolgen. Kurz nach dem Kauf ereignete sich in der Fabrikhalle eine Brandstiftung, deren Flammen ein großer Teil der dort noch befindlichen Materialien des Voreigentümers sowie ein Teil des Daches zum Opfer fiel (Anm. es handelte sich in diesen Tagen um drei Fälle von Brandstiftung im Bergviertel, im Kinosaal des ZAMO, im Nebengebäude des Kolpinghauses und eben in der Fabrikhalle hinter Ephata, die auf einen möglichen Serien-Täter schließen lassen). Von 1991 bis 1993 wurde an der Bergkapellstraße aufgeräumt, umgebaut und eingerichtet. Damit die gewünschte Unterstützung durch die öffentliche Hand erfolgen konnte, musste eine Anerkennung als Jugendzentrum der Deutschsprachigen Gemeinschaft her, wofür eine mindestens zweijährige Tätigkeit nachgewiesen werden musste, die den Kriterien im Jugendbereich Genüge leistete. Es wurde also neben den Infrastrukturarbeiten auch ein Animationsprogramm konzipiert. Hierfür wurde ein A-Team (Animatoren-Team) gegründet, welches Aktivitäten an vielen Orten anbot: in der Kaplanei und in anderen Räumen der Pfarrgemeinden, im Kolpinghaus, im Jugendheim, unter freiem Himmel und zunehmend in den im Rohbau befindlichen Räumlichkeiten an der Bergkapellstraße. Wenn also im November 1993 die Anerkennung als Jugendzentrum durch den zuständigen Jugendminister erfolgen konnte, dann nur, weil es bereits Tätigkeitsberichte für die die Jahre 1991 und 1992 gegeben hatte, die die erforderlichen Aktivitäten für ein Animationszentrum der höchsten Kategorie belegten. Die Einweihung des Hauses Ephata 1993 war der Abschluss einer mehr als 10jährigen Entwicklung die bis heute ihre Spuren im Pfarrleben und in der Jugendarbeit in der Gemeinde Eupen hinterlassen hat.