6. „A gen Loote“: An den Lathöfen

 Mehrfach sind Landstücke auf dem Boden der heutigen Stadt von dem Landsherren vergeben worden. Denn dort wo heute die Stadt liegt, gab es jahrhundertelang außer anderen kleineren Lehen drei Lathöfe. Erhalten sind deren Schriftstücke seit dem 16. bzw. 17. Jahrhundert. Da aber Herren von Eupen in anderen Urkunden schon seit dem 13. Jahrhundert erscheinen, bestanden diese Lathöfe schon lange vor dem 16. Jahrhundert.

Aus den im Archiv der Stadt befindlichen Schriftstücken hat man Namen und ungefähren Umfang der drei Lathöfe festgestellt. Nach den erwähnten Schriftstücken gab es den Lathof von St. Marien, den Frambacher und den Stockem-Eupener Lathof.

Der Lathof St. Marien umfaßte, die meisten heutigen Häuser weggedacht, als Nachbar der Herrlichkeit Vreuschemen, etwa: Membach, die Wiesen zwischen Membach und Eupen bis zum Stendrich, Oe, Rotenberg, Thebaten, Haas, Düvelscheid, Schilsweg, Hütte, Esel, Haasberg, den westlichen Teil der Bergstraße bis „a gen Loote“.

Der Frambacher Lathof umfasste im ganzen: Heggen, Gospertstraße, Hook, Wirth, Heidberg, Oberste Heide, Nispert, Kaperberg, Voulfeld, Kehrweg, Judenstraße, östliche Seite der Bergstraße.

Der Stockem-Eupener Lathof umfasste etwa: Overoth, Stockem, Stendrich, Laschet, Lommerich, Gemehret, Nöreth, Hufengasse, Paveestraße, Hostert, Kirchstraße, Marktplatz, Klötzerbahn, Bergstraße mit den östlich gelegenen Gassen, die Ibern und Heukebend.

Diese Dreiteilung zeigt sich später noch daran, dass bis 1795 Eupen in drei Quartiere (Kirchstraße, Gospert mit Wirth, Haas mit Berg) und die Bürgerwehr in drei Kompanien eingeteilt war, dass man seit der Franzosenzeit bis 1873 noch drei Stadtteile (die Sektionen A, B und C) unterschied.

Die drei Bauernhöfe stießen da zusammen, wo sich heute das Gut „a gen Loote“ (an den Lathöfen) an der Bergstraße befindet. Man kann also gewissermaßen behaupten, dass im Bergviertel das Herz von Eupen schlägt...


79. Gut Looten

„Gut Looten“ ist ein altehrwürdiges Anwesen, das im Jahr 1702 erstmals erwähnt wurde. Das Wohnhaus ist in diese Zeit zu datieren, die beiden Stallungen stammen aus dem frühen und dem späten 19. Jahrhundert. Besitzer, vielleicht auch Erbauer des jetzigen Hauses Bergstraße 111, ist 1702 Welter Johae. 1750 besitzt es die Wwe. Conrad Van Meven, die es ihrer Tochter Anna Maria, Ehefrau des Lütticher Bürgermeisters Jean-François De Harlez, vererbt und weiter an die Enkelin Anna Martina, Ehefrau des Lütticher Kaufmanns Joseph Fallen de Coppin. 1810 erwarb der Eupener Tuchkaufmann und Bürgermeister Johann Gerhard Hüffer das Gut, das durch Erbfolge 1820 an die Familie The Losen gelangte und bis 1952 blieb, seit Kriegsende allerdings unter Sequester gelangte, von dessen Verwaltung es die langjährige Pächterfamilie (seit 1847 = 5 Generationen) Miessen käuflich erwarb. 2001 ging das Gut Loten in den Besitz der Familie Schumacher-Fank über.

Das zweigeschossige Haus in Ziegelmauerwerk hat sechs Achsen, deren Rechteckfenster blausteingerahmt sind. Die Eckquadern sind ebenfalls aus Blaustein in Zahnschnittfolge. Das Walmdach trägt zwei, vermutlich später hinzugefügte Fenstergiebel. Die Hofeinfahrt, rechts neben dem Haus, ist von zwei Blausteinpfeilern flankiert, die ein einfaches Gittertor tragen. Anlage mit drei aufeinanderfolgenden Gebäudestrukturen, bestehend aus einem Hauptgebäude mit Schafstall und zwei Nebengebäuden, die Vorder- und Seitenfassade des Hauptgebäudes, die Vorderfassade des ersten Nebengebäudes sowie die Tordurchfahrt mit den Blausteinpfeilern. Die Anlage gibt Zeugnis über die Existenz der Lathöfe in Eupen und verdeutlicht die Entwicklungsgeschichte der Stadt. Das Gut Looten bildet eine einheitliche historische Hofstruktur. Als letztes Beispiel eines Anwesens mit landwirtschaftlicher Bestimmung im innerstädtischen Raum stellt die Anlage im städtebaulichen Kontext eine Besonderheit dar. Die ehemalige Funktion und Zweckbestimmung als landwirtschaftlicher Betrieb ist aus dem öffentlichen Raum klar zu erkennen. Die aufeinanderfolgenden Gebäudestrukturen bilden ein gut ablesbares Ensemble.