61. Von Goettsche Stiegele bis Stockbergerweg
Wenn die Leute von der Haas früher den Freitagsmarkt im Werthplatz zum Einkauf besuchten oder zur oberstädter Kirmes gingen, dann stiegen sie „d‘r Ässel erop“ (die Edelstraße hoch) und gingen „övver gen Wééje“ dorthin. Ein Fußweg von der Judenstraße durch das Wiesenland zur Hisselsgasse hieß „övver gen Wééje“. In älterer Zeit trug er einen anderen Namen. Im Jahre 1581 wird ein „Goetsche joris huys tot eupen opte jeudestraet“ genannt. Die genaue Lage des Hauses konnte jedoch nicht ermittelt werden. Im Jahre 1614 besaß ein „Lennaert Goetsch aen de steegel op de jeudestraet“ Haus und Hof. Dieser Leonhard Goetsch war einer der ersten Eupener Bürgermeister und im Ort wohlbekannt. Ihm gehörten auch die Wiesen zwischen Judenstraße und Hisselsgasse, und deshalb nannte der Volksmund den Fußweg „Goetsche Stéégele“. Stéégel (Stiegel) war die Bezeichnung für kleine Heckendurchlässe aus Holzpfählen oder Steinen, oft auch Wipp- oder Drehtürchen, die dem Weidevieh den Weg versperrten, den Menschen aber einen Durchgang boten. Im 18. Jahrhundert ging die Erinnerung an den längst verstorbenen alten Goetsch verloren. Neue Eigentümer hatten seinen Hof und sein Wiesenland erworben, und der Fußweg hieß nur noch „övver gen Wééje“. In diesen Wiesen gab es einen Pfuhl, der den Namen Stockborn trug („stock“ = hoch, hochgelegen - „Born“ = Quelle, Pfuhl). Eine der Wiesen im Gelände Judenstraße/Hisselsgasse war ebenfalls Stockborn benannt, und einen Bauernhof an der Hisselsgasse nannte man „op Stockborn“.
Der Eupener dazu veranlagt aus dem Wörtchen „born“ ein „berrech“ zu machen, gab dem Hof und den Wiesen schon bald den Namen „op Stockberrech“ (auf Stockberg). Die meist ortsfremden Katasterbeamten folgten mit ihren Grundbucheintragungen bald nach (Grundbuch 1770 „Stockbergh“). Als nun, um 1920, damit begonnen wurde, den Fußweg von der Judenstraße her zu erbreitern und das Wiesenland zum Bauernland wurde, entstand hier eine Besiedelung. In den dreißiger Jahren begann die Besiedelung der Wiesen an der Judenstraße. Sie vergrößerte sich nach dem 2. Weltkrieg immer mehr, und im Jahre 1962 legte die Stadt an Stelle des uralten Fußweges eine schöne, breite Verkehrsstraße Judenstraße-Hisselsgasse an. Sie erhielt den Namen „Stockberger Weg“, obwohl es nach dem ältesten eigentlichen Flurnamen richtig „Stockborner Weg“ heißen müsste. Das Wiesenland vom Stockberger Weg zur oberen Judenstraße und dem oberen Kaperberg trug früher den Namen „Auf dem Pfuhl“. Ein Wiesenpfuhl bei einem Gehöft an der Ecke Kaperberg gab ihm und dem Hof diesen Namen.

Die Karten aus den Jahren 1777 und 1930 zeigen das ausgedehnte Wiesenland zwischen Bergstraße, Judenstraße und Hisselsgasse, welches nur von kleinen Wegen und Fußpfaden durchbrochen wurde; die Luftaufnahmen lassen neben dem Stockbergerweg die gesamte Erschließung des Ibernviertels erkennen.