Ministrantenpastoral

Alle 4 bis 5 Jahre pilgern die ostbelgischen Ministranten nach Rom und Assisi. 2015 fand die letzte Wallfahrt mit 382 Teilnehmern statt, die begeistert und um viele neue Erfahrungen reicher aus Rom zurück kehrten.  Ein Reisetagebuch mit Fotos und Berichten von der Reise ist hier unten zu finden...

Die nächste Romreise ist für die Osterferien 2019 geplant. Die Vorbereitungen dazu laufen demnächst an...


Freitag, 10. April - Abfahrt

Die ostbelgischen Ministranten und ihre Begleiter haben sich auf den Weg nach Rom gemacht. Die acht Busse brachen am frühen Freitagabend in St. Vith auf. An dem Aussendungsdienst nahmen auch die Familien der Rom-Pilger teil. Die einwöchige Reise führt auch nach Assisi. Für die fast 400 Teilnehmer wird die Romreise ein prägendes Ereignis sein.

„Aus dem Echo der letzten Jahren weiß ich, dass die Reise eine Erfahrung ist, die einen Jugendlichen ein Leben lang prägt. Die Gemeinschaft zu erleben, in Rom zu sein, eine Audienz beim Papst zu haben und die Geschichte von Franz von Assisi besser kennenzulernen – das sind Elemente, die man sonst nicht erleben kann“, erklärt Pastor Willy Margraff, der das Organisationsteam der Romreise leitet.


Samstag, 11. April - Ankunft in Rom

Müde und glücklich, dass die lange Fahrt im Bus überstanden ist, treffen die Minis am Nachmittag im Hotel Princess in Rom ein.

Nach dem ersten gemeinsamen Abendessen in Rom bereiten die einzelnen Busgruppen einen Gottesdienst zum Start in das Abenteuer Rom vor, bei dem es im Wesentlichen um die christliche Gemeinschaft geht. Eine Erfahrung, die in den kommenden Tagen in beeindruckender Weise vielfach gemacht werden wird.


Sonntag, 12. April - Das antike Rom

Der Sonntagmorgen begann mit einem einfachen Frühstück in zwei Gruppen. Brot, Schinken, Käse Marmelade, die Vielfalt letzteres war die einzige Auswahl, die zur Verfügung stand. Trotz der kurzen Nacht trafen wir uns pünktlich vor den Bussen und die Erkundung Roms stand an. Jede Busgruppe hatte theoretisch einen Plan, welche Sehenswürdigkeit als erstes Anstand. Jedoch machten uns die „Römer “ einen kleinen Strich durch die Rechnung.

Um Zeit zu sparen, sollten zuerst die Kombitickets für das Forum Romanum und Kolosseum gekauft werden. Die fleißigen Busverantwortlichen reihten sich in die Warteschlange ein und pilgerten von A nach B, dann zu C und wieder zurück. Hier ein falscher Zettel, da ein schlecht gelaunter Kassierer. Nach der zweistündigen Odyssee und vielen Nerven weniger erhielten wir siegreich die Eintrittskarten mit dazugehörigem Termin für den Einlass in das Kolosseum. Aufgrund der verlorenen Zeit, die vielmehr den Organisatoren zu schaffen machten als den Ministranten, besuchten wir ein paar Programmpunkte weniger. Die Ministranten eroberten das Forum Romanum, das Kolosseum, San Clemente, die „Schreibmaschine“ (Nationaldenkmal für Viktor Emanuel II) und oft stellte man die Frage „Was für eine Gruppe seid ihr eigentlich, ihr seid ja überall“. Die Ministranten ihrerseits trafen auf Blechtonnen-Schlagzeuger, verkleidete Römer und auf ein Brautpaar, das mittels „Baccio, Baccio“-Rufen (italienisch für Kuss) zu diesem aufgefordert wurde.

Endlich im Hotel wieder angekommen war es auch schon Zeit für das Abendessen. Im Entenmarsch ging es zum drei-Gänge-Menü bestehend aus Nudeln, Buletten mit Kartoffeln und ein paar Erbsen und einem Waffeleis. Im Anschluss standen die Ateliers an: Comic, Film, Fotolabor, Italienisch, Basteln, Fußballquiz, Stille und Wellness ist nur eine kleine Auswahl der vielen verschiedenen Tätigkeiten.

Das Internet funktioniert nicht! Am Ankunftstag war die Nachfrage groß, doch mittlerweile haben die „Minis“ sich damit arrangiert. Lediglich der Autor dieses Textes hatte nun ein Problem, doch das Hotel nebenan zeigte sich freundlich und gab sein Internet frei. Rom, wir freuen uns alle hier zu sein und warten auf das, was du uns noch zeigen möchtest!


Montag, 13. April - Das frühchristliche Rom

Erneut teilten sich die Ministranten in zwei Gruppen zum Frühstücken und diesmal sahen alle viel ausgeschlafener aus. Pünktlich um 08:00 Uhr fuhren die ersten vier Busse los Richtung Katakomben. Dort übernahmen die Christen im 2. Jahrhundert den Brauch, ihre Toten in den Katakomben zu bestatten. In Gruppen zu je 20 bis 35 Personen ging man nacheinander unter die Erde und durfte sich die alten Gräber ansehen. Es gab sogar zwei Sarkophage, die mit einem Glasdeckel versehen waren und man dort drinliegend noch einige Knochenreste und Umrisse eines Menschen erahnen konnte. Die restlichen Gräber sind inzwischen geleert worden.

Die vier anderen Busse begaben sich um 08:30 Uhr auf den Weg zu St. Paul vor den Mauern. Es ist eine der zwölf Papstbasiliken und in ihrem inneren befinden sich Mosaikbilder mit allen da gewesenen Päpsten. Angefangen bei Petrus bis hin zu Franziskus. Die Ministranten bekamen Aufgaben, die sie als „Mini-Gangs“ lösen sollten. Der Preis: das hinzugewonnene Wissen. „Wie viele Päpste gab es bis jetzt?“ ( 273), oder „Welcher ist zuletzt hinzugefügt worden?“ (Franziskus) waren Fragen. Im Anschluss besuchten die Busgruppen die römische Bischofskirche San Giovanni in Laterano und hatten auch hier die Gelegenheit, ihr Wissen mittels einem Spiel zu erweitern. Direkt nebenan ist die Scala Santa (heilige Treppe) die Jesus auf seinem Weg zu Pontius Pilatus betreten haben soll. In Erinnerung  an die Leiden Christi soll die Treppe nur kniend betreten werden und zu jeder der 28 Stufen soll ein Rosenkranz gebetet werden . Nachmittags tauschten die Busgruppen ihre Programmpunkte.

Für das Abendprogramm trennten sich die ab 16-Jährigen von den anderen und hatten das Privileg, Rom bei Nacht zu erkunden. Hier lag der Kernpunkt nicht im erklären, sondern im sehen und erleben. Die Spanische Treppe, Fontana di Trevi waren nur zwei der vielen Punkte, die besucht wurden.

Am Dienstag geht es zu den Vatikanischen Museen und zum Petersdom, jedoch können alle es kaum erwarten, unseren Franziskus endlich live zu bestaunen und ihm zuzujubeln.


Dienstag, 14. April - Der Vatikan

Der Dienstagmorgen verlief zunächst ganz unspektakulär in seiner alten Form in zwei Frühstücksschichten. Während der Fahrt begannen alle acht Busse den Tag mit dem Morgengruß. Das Zitat: „Um Christus alleine geht es mir!“ Am Platz angekommen eroberte die Busgruppe der Caesaren und Märtyrer die größte Papstbasilika in Rom im Sturm.

Die Ministranten bildeten selber Gruppen und so konnte jede für sich entscheiden, ob sie zunächst die Füße der Bronzestatue des heiligen Petrus berühren, die von den vielen anderen Pilgern schon abgenutzt ist, oder einfach nur die Schönheit und Größe des Ganzen bestaunen. An dem Papstsarkophag des Innocentus XI hielt auch so mancher Mini an, oder stellte sich an den 28 Meter großen Papstaltar und schaute in die wunderschöne Kuppel. Michelangelos Pietà war nicht nur unter den Ministranten ein begehrtes Ziel. In welcher Sprache auch immer berichtete man über das Attentat von 1972, an dem der Mann, der sich für Jesus hielt, sich mit einem Hammer an der Statue zu schaffen machte und sie schwer beschädigte. Seit dieser Zeit befindet sich die Statue nach Restaurierungsarbeiten hinter Panzerglas.

Die anderen Busgruppen gingen in die Vatikanischen Museen. Leider blieb keine Zeit, alle Schätze genauestens zu beobachten. In 30er-Gruppen gingen die Minis mit Begleitern und einem Führer in die Gärten. Der Guide erklärte anhand von dort aufgestellten Tafeln allen die Bilder von Michelangelo Buonarotti in der Sixtinischen Kapelle. Diese war dann auch die letzte Haltestelle in den Vatikanischen Museen.

Die Besteigung der Petersdom-Kuppel war auch ein sportlicher Programmpunkt. 550 Stufen mussten erklommen werden, wobei an einer Stelle auf dem Weg nach oben man in der Kuppel am oberen Rand lief. Wenn man hier nach unten schaute sahen die Menschen dort ziemlich klein aus. Endlich oben angekommen gab es einen wunderschönen Ausblick auf Rom. Die Handys wurden gezückt und so mancher Selfie gemacht.

Eine kleine Shoppingtour ist diesmal auch mit eingeplant worden und je nach Programm der jeweiligen Busgruppen konnten die Minis dies vor- oder nachmittags machen. Pünktlich um 17:15 Uhr standen wir alle am vereinbarten Abholplatz und es ging zurück zum Hotel. Nach dem Abendessen war der zweite Atelierabend. Es wurde massiert, Karten gespielt, gequizt, das alte Rom näher erkundet oder das „Vater unser“ auf italienisch gebetet. Danach ging es früh ins Bett, denn am Mittwoch ist der große Tag der Liveaudienz. Schon am Dienstag konnten viele die besondere Luft spüren und alle freuen sich, trotz Frühstück um 05:30 Uhr, auf den Mittwoch.

Franziskus wir kommen!


Mittwoch, 15. April - Päpstliches + romantisches Rom

Minis on tour: E viva il Papa! Am Mittwochmorgen mussten alle sehr früh aufstehen. Bereits um 05:30 Uhr war die Hälfte der Ministranten bereits am frühstücken. Da am Mittwoch alle möglichst zeitgleich losfahren sollten, gehörten beide Frühstückssäle uns Ostbelgiern.

Fast pünktlich um 06:36 Uhr ging der Bus-Konvoi los und brachte alle Teilnehmer in die Nähe des Petersdoms. Wir stellten fest, dass wir nicht die einzigen waren. Doch um den anderen zu zeigen, dass wir da sind, stimmte jede Bus-Gruppe ihren Schlachtruf an. So ging die Wartezeit bis zum Einlass schneller um. Als endlich fast alle durch die Sicherheitsschleuse waren, liefen die ersten los und ergatterten die ersten Plätze im hinteren Teil. So gut es ging setzten wir uns als Gruppe zusammen und nun hieß es warten. Es wurden gegen andere Gruppen Schlachtruf-Battles begonnen und man meinte, dass wir Ostbelgier deutlich die lauteren Stimmen hatten. Franziskus hat sicher vor der Audienz schon gehört, dass wir auch angekommen sind. Etwa 15 Minuten vor Beginn traten nacheinander die verschiedenen Kardinäle vor das Mikrofon und grüßten alle angemeldeten Gruppen. Gespannt lauschten alle, man wollte ja nicht den Einsatz verpassen. Als vierte Sprache kam deutsch und als man die Ministranten aus Eupen aufrief, waren alle außer Rand und Band. Der Jubel ebbte erst nach zirka fünf Sekunden ab. Dann ging es auch schon los. Zuerst dachten alle, es wäre eine Video-Aufnahme, als auf einem der großen Bildschirmen das „Papamobil“ zu erkennen war. Jeder, der gehen konnte, versuchte, so nah wie möglich an die Absperrung zu kommen, um möglichst ein gutes Bild zu erhalten. Zweimal fuhr „Francesco“ die Runde und jeder bejubelte ihn und versuchte, irgendwie seine Aufmerksamkeit zu erregen. In seiner Predigt redete Franziskus vor allem von der Beziehung zwischen Mann und Frau. Wie wichtig es ist, dass man als verheiratetes Paar sich gegenseitig zuhört und aufeinander vertraut. Dass beide zusammen nur eins sein können. In zirka acht verschiedenen Sprachen wurden Teile seiner Predigt wiederholt und jeder hörte zu. Niemand wollte ja  ein einziges Wort in seiner eigenen Sprache verpassen.

Um 11:30 Uhr war es auch schon vorbei. Um ein paar Fotos zu machen blieben wir alle auf dem Platz, bevor sich jede Busgruppe zusammenstellte und dann gemeinsam essen ging. Am Nachmittag standen die Spanische Treppe, der Trevi-Brunnen, das Pantheon und die Engelsburg an. Danach konnten die Kinder selber Rom erkunden. Es wurde eine Uhrzeit und ein Treffpunkt vereinbart und dann konnten die Ministranten alleine umhergehen. Um 17:15 Uhr holten uns die Busse am Justizpalast ab.

Nach dem Abendessen fingen viele schon das Kofferpacken an und danach trafen sich alle in dem großen Konferenzraum. Der „Bunte Abend“ stand an. Nun sollten die Atelier-Gruppen sich einzeln vorstellen und zeigen, was sie so gemacht haben. Es wurde zum Beispiel a-capella gesungen und alle waren Zeuge des Fußballquizfinales. Die Stimmung war bombig und Pastor Willy Margraff stimmte hier und da ein Pilgerlied an und alle sangen mit.

Jede Fahrt hat ihr Ende. Am Donnerstag verlassen wir Rom und auf dem Rückweg wird ein Tagesstopp in Assisi gemacht. Die Busgruppen und Minigangs verstehen sich untereinander sehr gut und niemand möchte jetzt schon fahren.

Rom, es war wunderschön mit dir! Wir kommen wieder!


Donnerstag, 16. April - Assisi

Am letzten Tag hieß es auch für alle wieder früh aufstehen. Um 06:45 Uhr waren die Busse gepackt. Bei der Durchsicht einiger Zimmer fanden die Begleiter ein paar verlorene Schuhe, die jedoch schnell ihren Besitzer wiederfanden. Die Busfahrt verlief extrem ruhig. Einige Ministranten hatten die Nacht durchgemacht und so waren bereits nach einigen Minuten viele eingeschlafen.

In Assisi angekommen stürmten alle zu den Toiletten, so dass es zu einer kleinen ungeplanten Wartezeit für alle kam. Wir besichtigten zuerst die Basilika Santa Maria degli Angeli (Unsere Liebe Frau von den Engeln). Sie gilt als eine der größten Kirchen der Christenheit. Das Dach wird von einer vergoldeten Marien-Statue geziert. Nacheinander gingen die einzelnen Busgruppen in die Marienkirche. Nahezu jeder Ministrant zündete eine Kerze an. Die Sterbezelle des Franziskus, der Roseto und die Portiunkulakapelle waren nicht die einzigen Sehenswürdigkeiten. An jeder Wand waren wunderschöne Bilder der Mutter Gottes oder vom Jesus und es fand eine kleine Messe statt.

Da wir ja eine Pilgerreise machen, liefen nun alle Busgruppen zu Fuß hoch in die Stadt Assisi. Als es dann bergauf ging, wurde hier und da eine kleine Pause gemacht, da wir alle bei den Temperaturen ziemlich ins schwitzen kamen. Oben angekommen hatte jede Busgruppe ihren Termin mit Bruder Thomas. Dieser führte uns in je zwei Busgruppen durch die Basilika des Heiligen Franziskus. Mittels Kopfhörer und Mikrofon erklärte er allen, wie unwichtig es eigentlich sei, wie Franziskus aussah, sondern dass es auf seine Botschaft und seine Art zu leben ankam, die Botschaft Christus anderen zu überbringen. Wir gingen mit ihm durch beide Kirchengebäude und er gab zu den für ihn wichtigen Bildern kurze und genaue Erklärungen. Im Anschluss gingen die Ministranten selber durch Assisi und an jedem sah man orange Halstücher.

Um 19:00 Uhr fing die Messe in der Oberkirche in Assisi statt, geleitet von Pastor Willy Margraff. Als diese zu Ende war gab es nochmal eine kleine Toilettenpause für jeden. Die Busse standen parat und nun rollen wir Richtung Heimat. Es war eine wunderschöne, tolle, anstrengende und erlebnisreiche Zeit für jeden. Aber jeder ist froh, Teil des Ganzen gewesen zu sein.

Rom, Assisi, in vier Jahren sehen wir uns wieder!


Freitag, 17. April - Rückkehr

"Laudato si, o-mi Signore" schallt über den Platz vor der St. Vither Pfarrkirche. Die 400 Ministranten und ihre Begleiter sind zurück von ihrer Pilgerreise nach Rom und Assisi. Kurz nach 15 Uhr trafen die acht Busse in St. Vith ein.

Lautstark und natürlich wohlbehalten sind die Messdiener von ihrer einwöchigen Wallfahrt zurückgekehrt. Die 400 Minis verwandelten  den ansonsten beschaulichen Kirchplatz auf einen Schlag in einen Festivalgelände. Es wurde gesungen, geklatscht und getanzt. Mit Schlachtrufen feierten die Minis sich und ihre Begleiter, vor allem Reiseleiter Willy Margraff.

Sehnsüchtig erwartet worden waren die Heimkehrer von ihren Eltern, Großeltern, Bekannten und Freunden. Die Minis selbst waren ein bisschen erschöpft, ein wenig traurig, aber auch froh, wieder zu Hause zu sein.

Eine Woche waren die knapp 400 ostbelgischen Messdiener unterwegs. Am Donnerstagabend sind sie nach einem Abschlussgottesdienst in Assissi aufgebrochen. Die Pilgerreise wurde mit einem kurzen Dank in der St. Vither Pfarrkirche abgeschlossen.